Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Luftverkehr

Britischer Ferienflieger Monarch ist am Boden

Der ruinöse Preiskampf der europäischen Branche fordert das nächste Opfer. Britische Regierung startet Rückholaktion für gestrandete Urlauber.

04.10.2017
  • ALEXANDER BÖGELEIN

London. Die Insolvenz der fünftgrößten britischen Airline Monarch wirft ein Schlaglicht auf den ruinösen Wettbewerb der europäischen Fluggesellschaften: Nach Alitalia und Air Berlin ist nun auch Monarch in diesem Jahr das Geld ausgegangen. Die Briten haben zu Wochenbeginn den Flugverkehr eingestellt.

Schon seit geraumer Zeit mahnen Branchenexperten eine Konsolidierung an. Während in Nordamerika auf die fünf größten Anbieter 85 Prozent der Sitzplätze entfallen, ist der Markt in Westeuropa zersplittert. Mehr als 230 Fluggesellschaften buhlen um Kunden.

Mehr Passagiere, weniger Ertrag

„Der Preiskampf hat in diesem Jahr an Schärfe zugenommen“, sagte Monarch-Chef Andrew Swaffield. Gegenüber den 2100 Mitarbeitern begründete er das Aus mit den Terrorattacken in Tunesien und Ägypten sowie der Lage in der Türkei. Auch das schwächelnde Pfund habe zur Insolvenz beigetragen. Nach seinen Worten hat die Fluggesellschaft dieses Jahr 14 Prozent mehr Passagiere befördert und dabei 100 Mio. Pfund weniger verdient.

Das Scheitern der dritten Airline in diesem Jahr in Europa ist nach den Worten des Analysten Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital ein Zeichen von Überkapazität und viel zu aggressiver Preispolitik. Vor allem letztere führt zu sinkenden Erträgen und und damit zu Verlusten. Denn die Gewinnspanne der europäischen Fluggesellschaften ist schmal. Sie liegt unter 6 Prozent. In Deutschland sind es laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft weniger als 5 Prozent.

Eric Heymann, Branchenexperte der Deutschen Bank bringt es auf den Punkt: Viele Anbieter, also geringe Marge. Die Überkapazitäten auf dem westeuropäischen Luftfahrtmarkt seien mit den Pleiten von Alitalia, Air Berlin und Monarch aber noch nicht beseitigt, sagte Heymann dem „Deutschlandfunk“. Er rechnet damit, dass es weiterhin zu einer Konsolidierung kommen wird: „Aber das wird nicht so schnell geschehen, wie man das vielleicht heute vermutet.“

Die britische Regierung hat unterdessen nach eigenen Angaben die größte Rückholaktion des Landes in Friedenszeiten gestartet. Etwa die Hälfte der 110 000 im Ausland gestrandeten Passagiere soll noch in dieser Woche mit gecharterten Flugzeugen nach Hause gebracht werden. Dafür hat die Regierung der Luftverkehrsbehörde den Auftrag gegeben, 30 Maschinen zu chartern. Der Chef der Luftverkehrsbehörde CAA, Andrew Haines, sprach von einem „guten Start“. Bis Dienstagabend sollten mehr als 23 000 Urlauber vor allem aus Spanien zurückgeholt werden. Betroffen sind von der Insolvenz unter anderem Urlauber in Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien und Portugal. Sie sollen innerhalb von 14 Tagen alle wieder zu Hause sein.

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling nannte die Lage für die gestrandeten Monarch-Urlauber beunruhigend. „Niemand sollte die Größe der Herausforderung unterschätzen. Daher bitte ich die Passagiere, geduldig zu sein“, sagte Grayling.Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung hatte Monarch Airlines am Montag den Betrieb eingestellt. Damit haben auch 300 000 Buchungen von 750 000 Passagieren verloren ihre Gültigkeit; darin enthalten sind Gruppenbuchungen. Insgesamt sind den Angaben zufolge 860 000 Kunden von der Insolvenz betroffen. Die CAA sprach vom größten Scheitern einer britischen Airline.

860 000 Kunden betroffen

Der Fluggesellschaft war es zuvor nicht gelungen, ihre Lizenz zu verlängern, weil sie nicht über entsprechende Finanzmittel verfügte, um Pauschalreisen inklusive Flügen anzubieten. Hauptanteilseigner Greybull Capital hatte im Oktober versucht, Monarch mit einer Kapitalspritze von 185 Mio. EUR zu retten.

Vor dem Lizenzentzug hatte Monarch mit der British-Airways-Mutter International Airline Group und Easyjet Gespräche geführt. Dabei ging es nach britischen Medienberichten um eine Übernahme der gesamten Flotte, der Mitarbeiter und um die Flugrechte. Doch die Gespräche scheiterten. Die britische Regierung lehnt es ab, Monarch einen Überbrückungskredit zu gewähren. Nach Angaben der Insolvenzverwalter von der britischen Firma KPMG werden durch die Monarch-Pleite fast 1900 Arbeitsplätze wegfallen. (mit dpa)

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.10.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular