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Werden Wünsche wahr?

Breitenholz soll DSL bekommen: Darauf ist auch Schülerin Rike Braitmayer angewiesen

Kaum zu Glauben, aber (hoffentlich) wahr! Anfang März soll das kleine Dörfchen Breitenholz nach langem Hin und Her an die digitale Zivilisation angeschlossen werden.

23.02.2010

Von Rike Braitmayer, 19

Endlich soll Breitenholz eine DSL-Leitung bekommen, einen Breitband-Anschluss, der schnelles Surfen im Internet ermöglicht. Die knapp 750 Einwohner, zu denen auch ich gehöre, gehen trotz Versprechungen skeptisch an die Sache heran. Dies ist auch kein Wunder, denn das kleine Dorf im Schönbuch hat schon einen langen Kampf, an das globale Netzwerk „Internet“ angeschlossen zu werden, hinter sich.

Zwar kann man in die digitale Welt mit einem handelsüblichen Modem auch in Breitenholz eintauchen, doch geht hierfür unglaublich viel Zeit verloren. Denn das Internet wird immer schneller und effizienter. Genauso werden auch die DSL-Leitungen immer besser, doch das alte Modem hat immer noch denselben Verbindungsaufbau wie vor zehn Jahren. Was das für einen Haushalt mit einfachem Modem bedeutet, ist wohl klar: Mit steigender Effizienz wird das Internet immer langsamer und schlechter.

Wäre das Internet heutzutage nicht unentbehrlich geworden, wäre das ja kein Problem. Doch ohne Internet hat man heute keine Chance mehr, die gleichen Voraussetzungen für Schule, Studium und Arbeitsstelle zu haben wie Menschen mit einer DSL-Verbindung.

Aber zurück zu der Situation in Breitenholz. Das ganze Theater um die Breitband-Verkabelung fing schon vor vielen, vielen Jahren mit einer Unterschriftensammlung der Bewohner des Ammerbucher Teilorts an. Damals war eine schnelle Internetverbindung für mich noch keineswegs von Bedeutung, doch ich erinnere mich noch gut daran. Den Bürgern war gesagt worden, dass in Breitenholz keine DSL-Leitung installiert werden könne, weil das Dorf anscheinend keinen Empfang hatte. So fanden sich die Bewohner schließlich schon fast mit der langsamen Leitung ab, bis vor etwa drei Jahren alle Haushalte einen Brief von einem Internetanbieter bekamen: Jedem Haushalt werde eine DSL-Verbindung zugesichert. Leider entpuppte sich dies als falsches Versprechen, und die DSL-Verbindungen, die wenige Bürger bekamen, waren nur von sehr kurzer Dauer. Mal hatten sie eine schnelle Verbindung, mal hatten sie wieder keinen Empfang, und manchen wurde gesagt, dass es nicht möglich sei, in ihren Haus eine DSL-Verbindung zu installieren: Zu diesen Leuten gehörte meine Familie.

Es war ein großes Durcheinander, das in dem kleinen Dorf herrschte. Doch die Breitenhölzer wollten sich dies nicht gefallen lassen. Es gibt wohl wenige Dörfer, die so sehr um eine schnelle Internetverbindung kämpften wie der Ammerbucher Teilort. Es bildete sich sogar eine Bürger-Initiative, die mit allen Beteiligten Verhandlungen führte. Das Problem war, dass die Leerrohre zur nächsten DSL-Ankupplung fehlten. In Ballungszentren verlegt diese die Telekom, doch auf dem Land betrachtete sie dies offenbar als unrentabel. Der Gemeinderat stand nun vor der Frage: Sollte er dieses Geld selbst aufbringen, und wenn ja, wie? Schließlich willigte der Ammerbucher Gemeinderat ein, 50 000 Euro für die Verlegung der Kabel zu zahlen, von denen die Kommune 13 900 Euro als Fördergelder vom Land zurückbekommt. Allerdings sollten die Breitenhölzer weitere 10 000 Euro selbst aufbringen. Rund 100 Haushalte zahlten also 100 Euro, um an eine DSL-Leitung zu gelangen. Seit dem Jahr 2008 warten die Breitenhölzer nun auf die versprochene Breitband-Verkabelung.

Nach vielem Hin und Her hatte die Telekom nämlich zugesichert, die DSL-Leitungen zu installieren, wenn 110 Neuverträge abgeschlossen werden und genügend Geld bereitgestellt wird – ursprünglich hatte die Firma sogar auf 210 Neukunden bestanden.

Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Im Herbst hat die Gemeinde zwar Leerrohre verlegen lassen, doch wir wurden immer wieder vertröstet, der Termin für die Inbetriebnahme nach hinten geschoben. Als jedoch die Telekom vor ein paar Wochen begann, die Glasfaserkabel einzulassen, schöpften wir neuen Mut – zumal ein Schreiben in unseren Briefkästen landete: „Jetzt geht es los, DSL für Breitenholz“, verspricht die Telekom und sichert bis Anfang März allen Haushalten eine DSL-Verbindung zu. Nun heißt es also abwarten und hoffen, dass es dieses Mal klappt. Auf dass auch Breitenholz mit dabei ist im World Wide Web.

Die Probleme eines modernen Weihnachtsmannes. Karikatur: Nora Straßburger, 18

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Erstellt:
23. Februar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Februar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2010, 12:00 Uhr

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