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Brauchtums-Abend der Tübinger Narrenzunft: Spaß, Tanz – und richtig harte Arbeit

Die Fasnet besteht aus mehr als aus Holzmasken, Musik und Alkohol. Sie ist für viele auch richtiger Stress. Nichts zeigt das mehr als ein Blick hinter die Kulissen des Tübinger Brauchtums-Abends.

08.02.2009
  • Eike Freese

Als gegen 22 Uhr die bunt verkleideten „Krautskräga“ -Tänzerinnen die Bühne erklimmen, läuft die Party in der Hermann-Hepper-Halle bereits auf Hochtouren. In den Vorräumen tanzen und trinken hunderte von Narren zu ohrenbetäubenden Chart-Hits. Weit mehr Hästräger noch schunkeln in der Haupthalle zum anarchischen Festprogramm.

Jetzt bringen die verkleideten Tänzerinnen aus Betzingen zu Hits von Nelly Furtado und Peter Fox ihre minutiös einstudierte, etwa siebenminütige Choreographie aufs Parkett. „Der Showtanz ist körperlich nicht anstrengend“, erzählt Michaela Winter vom Ensemble. „Aber es steckt viel Übung darin.“

Vollzeit-Job für fast 80 Helfer

Der Brauchtums-Abend der Tübinger Narrenzunft am Samstag war für mehr als 1.000 Besucher das sehnsüchtig erwartete Party-Spektakel der Fasnets-Zeit. Während sich in der Halle die Gäste der Tübinger prächtig amüsierten, hatten rund achtzig Helfer hinter der Bühne seit dem Freitag alle Hände voll zu tun. „Am Anfang des Abends hatten wir Sorgen, dass es heute vielleicht nicht richtig voll wird“, gestand Ralph Karau, Zunftmeister der Tübinger Narrenzunft. „Wenn ich das hier sehe, bin ich aber richtig erleichtert.“

Etwa eine Stunde nach Beginn der Party war die Halle mit hunderten von schunkelnden Narren bestens gefüllt. Für Karau ist das immer noch nicht selbstverständlich. Jahrzehntelang kämpften die hiesigen Narren mit Image-Problemen.„Fasnet hat ja in fast jedem Ort einen anderen Stand“, sagte Wolfgang Haug aus Eningen.

Haug ist Vorsitzender der Truppe „Gugga Extreme“ aus Kohlberg im Ermstal. Seine rund 20 Narren sind in Signal-Orange gekleidet und sehen bei den Vorbereitungen für ihren Auftritt aus wie eine Techno-Truppe mit Trompeten-Verstärkung. Auf die Unterstützung aus Politik und Gesellschaft, die etwa die Rottenburger Fasnetsgruppen haben, kann Haug nur neidvoll blicken. „Bei uns im Ort ist fasnets-mäßig fast gar nichts los“, so Haug. Schon einen Proberaum für die Kapelle zu bekommen, kann ein Problem sein. Silke Baker aus Plochingen konnte Haug da nur Recht geben. Die „Waldhornhexa“ ihrer 1. Narrenzunft sind in Plochingen eine wenig bekannte Truppe.

Inzwischen stieg auf der Bühne der Hermann-Hepper-Halle ein erster musikalischer Höhepunkt. „LuKa Lautstark“ aus Kirchentellinsfurt trumpften mit bestens eingespielter Rhythmus-Truppe auf. Als sie um kurz vor Neun „Die kleine Kneipe“ intonierten, standen zum ersten Mal an diesem Abend rund 100 Narren auf ihren Bänken und schunkelten selig im Takt.

Halbe Profis, die kaum mal ein Bier trinken

Während im Disko-Bereich lautstark die Bässe pumpten und auf der Bühne eine Lumpenkapelle der anderen die Klinke in die Hand gab, bereiteten sich im Umkleide-Raum die Tänzerinnen der Betzinger „Krautskräga“ auf ihren Auftritt vor. Im Gewimmel aus Schminkutensilien, Kostümen und erschöpft sich ausruhenden Hexen stehen Michaela Winter und Jessica Lukannek. Sie sind in Eile. „Wir wissen nicht genau, ob wir nicht gleich schon wieder ran müssen“, so die 21-jährige Winter.

Eine viel bejubelte Show in Garde-Uniformen haben die „Krautskräga“ gerade hinter sich gebracht. Jetzt heißt es Kostüme wechseln: Im Hausfrauen-Dress stehen sie in wenigen Minuten auf der Bühne für den Show-Tanz. „Wir haben fast ein Jahr an der Aufführung gearbeitet“, berichtet Katja Meschik, die die Tanzgarde seit vier Jahren trainiert: „Für die Mädchen ist das Hochleistungssport.“ Die Anstrengung hat sich gelohnt: Beim Gardetanz-Wettbewerb in Ringingen holten sich die Betzinger im Januar einen formidablen ersten Platz.

Während später in der Halle die Stimmung ausgelassener wird und der Alkohol mächtig fließt, fahren die Betzinger Tänzerinnen mit dem Bus schon früh wieder heim, auch hierin ganz Profi. „Wir haben viele jüngere in der Mannschaft“, sagt Jessica Lukannek. Auch Wolfgang Haug von den „Gugga Extreme“ beschreibt seine Fasnets-Truppe als wenig trinkfreudig: „Selbst hierin sind wir ‚extreme'.

Normalerweise bleibe es bei drei bis vier Bier am Abend. Das jüngste Mitglied der orangenen Gugga beim Brauchtumsabend ist schließlich erst eineinhalb Jahre alt. Nur Silke Baker von der Plochinger Narrenzunft will mit einer Freundin noch länger bleiben und Party bis in die Nacht machen. „Bloß kehren“, so Baker, „werden wir heute nicht mehr.“

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08.02.2009, 12:00 Uhr
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