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Botschaften an den „alten Genossen“
Yong Liang von der Uni Trier hat die Gästebücher des Marx'schen Geburtshauses ausgewertet. Foto: dpa
Museum

Botschaften an den „alten Genossen“

Viele Chinesen besuchen Karl Marx' Geburtshaus in Trier. Ihre Einträge ins Gästebuch sind sehr aufschlussreich.

26.02.2018
  • DPA

Trier. Es sind Botschaften aus China – direkt an Karl Marx: Mit unzähligen Einträgen haben sich chinesische Besucher über Jahrzehnte in Gästebüchern im Geburtshaus von Marx in Trier verewigt. Und ihre Aussagen könnten vielfältiger kaum sein: Sie reichen von „Alter Genosse Marx, wir vermissen dich“ über „Mein Lehrer, zeigen Sie uns bitte die Marschrichtung!“ bis „Die Kommunistische Partei ist unmenschlich“. Die Mehrzahl der Einträge sei positiv, sagt Professor Yong Liang von der Universität Trier. Aber seit jüngerer Zeit seien immer wieder nachdenkliche und kritische Stimmen darunter.

Der Sprach- und Kulturwissenschaftler hat die Gästebücher seit 1975 ausgewertet: erst 77 Bände bis 2005, dann etliche weitere von 2010 bis 2012. Vor dem bevorstehenden 200. Geburtstag von Marx am 5. Mai hat sich der Sinologe nun die jüngsten Bücher vorlegen lassen. Im Jubiläumsjahr des Philosophen werden im Geburtshaus, dem Museum Karl-Marx-Haus, erneut Tausende Chinesen erwartet.

Ein Besucher schreibt: „Die Philosophie von Karl Marx muss mit der Zeit gehen. Wenn der Herr heute noch leben würde, würde er niemals zulassen, dass die Nachkommen seine Theorie so uminterpretieren.“ Kritisch ein anderer: „Alter Marx, du hast 1,3 Milliarden Menschen großen Schaden zugefügt.“ Für Liang sind die Eintragungen „ein Fenster“, durch das man einen kleinen Einblick in das Denken der Chinesen bekommt, die das Haus besucht haben. Noch hat er seine Ergebnisse nicht veröffentlicht.

Karl Marx (1818-1883) verbrachte in dem Haus die ersten eineinhalb Jahre seines Lebens und wohnte in Trier bis zu seinem Abitur. Das Museum Karl-Marx-Haus zählt im Jahr etwa 40 000 Besucher, davon ein knappes Viertel aus China, wie die Leiterin Elisabeth Neu erläutert. Ein Gästebuch soll es auch in der neuen Dauerausstellung, die Anfang Mai startet, geben. dpa

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26.02.2018, 06:00 Uhr
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