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Ziel: Batterien schrumpfen

Bosch will Elektroauto-Antrieb in neuem Forschungscampus revolutionieren

Mit Kanzlerin Angela Merkel hat der Technologiekonzern Bosch seinen Forschungscampus eröffnet. Auf der 310 Millionen Euro teuren Anlage arbeiten 1700 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen.

15.10.2015
  • ANDREAS BÖHME

Renningen Hightech ist Chefsache, Auto sowieso. Kein Wirtschaftsminister durfte das spektakuläre Entwicklungszentrum des Technikkonzerns Bosch einweihen: Geladen waren Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Damit blieben drei Naturwissenschaftler unter sich.

Als Geschäftsführer ist Volkmar Denner auf das neue Entwicklungszentrum vor den Toren Stuttgarts natürlich stolz, als Physiker aber ziemlich neidisch auf den markanten Gebäudekomplex, den der Technologiekonzern als "Stanford von Bosch" beschreibt: Ein mehr als 300 Mio. EUR teurer Campus in Renningen (Kreis Böblingen) am Rande der Autobahn A8, der fortan Pionierleistungen generieren soll. Mitarbeiter aus der Elektrotechnik, dem Maschinenbau, aber auch Biologen oder Physiker sind hier zusammengezogen und arbeiten vernetzt über ihre Disziplinen hinaus. Bedauerlicherweise sei er der Forschung verloren gegangen, so Denner, denn "auf diesem Campus wäre ich gern noch einmal dabei".

Die Physikerin Angela Merkel versuchte zu trösten: Die 1700 Forscher und Entwickler würden beider Seitenwechsel wohl zu kompensieren wissen. Merkel erinnerte an den Firmengründer Robert Bosch, der die Tradition begründet habe, über die Forschung einen Schlüssel für anschließenden wirtschaftlichen Erfolg zu finden. Jetzt biete sich die Chance, in Deutschland verlorenes Terrain in der Informationstechnologie zurückzugewinnen durch so genanntes Data Mining, einem der Renninger Schwerpunkte. Dabei wird mit zu entwickelnder Software aus den Milliarden von Daten, die während der Produktionsprozesse in Boschs Fabriken, neues Wissen gezogen, um beispielsweise die Qualität zu sichern. Data Mining gilt als zukünftige Schlüsseltechnologie im "Internet der Dinge", das alles mit allem vernetzt.

Der Biologe Winfried Kretschmann, schon bei der Grundsteinlegung dabei, sieht in dem Campus "ein eindrucksvolles Bekenntnis für den Standort Baden-Württemberg". Der Schlüssel für das höchste Wachstum und die niedrigste Arbeitslosigkeit im Ländervergleich heiße Innovation, "das haben wir hier verstanden". Mit derzeit rund 5 Prozent an der Wirtschaftsleistung gibt der Südwesten deutlich mehr für Forschung und Entwicklung aus als der gesamtdeutsche Schnitt mit unter 3 Prozent.

Einer der Schwerpunkte in Renningen ist eine neue Feststoffbatterie für Elektroautos, eine Art eierlegende Wollmilchsau: Bis 2020 soll sie auf ein Viertel schrumpfen, viel leichter und billiger sein, aber doppelt so viel Energie speichern.

Allein auf diese leuchtende Zukunft konnte Denner sich aber nicht zurückziehen, der Abgas-Betrug bei Volkswagen holte ihn auch gestern ein: Auswirkungen auf das aktuelle Dieselgeschäft seien zwar nicht zu spüren, doch es gelte, "die momentane Verunsicherung schnell durch eine aktive Kampagne für den Diesel" zu beseitigen. Bislang habe der Gesetzgeber ja ein gutes Händchen bewiesen: Einerseits habe er genügend Anspruch formuliert, "um die Innovationskraft der Industrie zu beschleunigen", andererseits seien die Grenzwerte auch wirtschaftlich erreichbar gewesen. Denner warnt: "Wenn man sie so absenkt, dass sie mit klassischen Motoren nicht mehr erreichbar sind, tut man der Industrie und den Kunden nichts Gutes." Kretschmann sieht es ähnlich: "Wir müssen verhindern, dass der Diesel in Misskredit gerät, denn wir brauchen ihn als Übergangstechnologie."

Der Renninger Campus umfasst mehr als ein Dutzend Gebäude, ein Drittel der Baukosten von rund 310 Mio. EUR stecken in Maschinen und Technik. Das Zentrum gilt als einzigartig, ist aber dennoch nur ein kleiner Teil der Kontinente übergreifenden Forschungs- und Entwicklungsaktivität des Konzerns. Weltweit beschäftigt Bosch knapp 46 000 Forscher an 80 Standorten.

Bosch will Elektroauto-Antrieb in neuem Forschungscampus revolutionieren
Kein Spiel, bei dem man schnell die Hand wegziehen muss: Bosch-Forschungschef Michael Bolle (von links), Kanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Bosch-Chef Volkmar Denner eröffnen den Forschungscampus. Foto: dpa

Bosch will Elektroauto-Antrieb in neuem Forschungscampus revolutionieren
Schwerpunkte in dem mehr als 300 Mio. Euro teurem Forschungszentrum sind Data Mining, Batterieforschung und Auto-Pilot-Funktionen. Foto: dpa

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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