Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Brexit

Boris Johnsons Trugbild von einer Express-Einigung

Bei den Verhandlungen um den EU-Austritt Großbritanniens beißt der britische Premier in Berlin und Paris weiter auf Granit – und schürt trotzdem die Hoffnung auf eine rasche Lösung

23.08.2019

Von Stefan Kegel

Der britische Premierminister Boris Johnson gibt sich bei seinem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gewohnt selbstbewusst. Foto: Christophe Petit Tesson/Pool epa/dpa

Berlin/Paris. „Können wir es schaffen? Ja, wir können es schaffen!“ Mit dieser Schlagzeile versuchte die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ am Donnerstag das Gefühl einzufangen, das die Brexit-Befürworter seit Mittwochabend elektrisiert. Premierminister Boris Johnson hatte den Satz, den schon Barack Obama und Angela Merkel so ähnlich aus verschiedenen Gründen im Munde führten, für sich okkupiert. Anlass war die Äußerung der Kanzlerin bei seinem Besuch in Berlin, man könne beim EU-Austritt Großbritanniens über den ungeliebten Backstop verhandeln, der eine harte Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland verhindern soll. Eine Lösung könne man „vielleicht ja auch in den nächsten 30 Tagen finden – warum nicht?“, sagte Merkel.

An dieser Aussage hangeln sich nun die Hoffnungen vieler Briten entlang. Der Berliner Großbritannien-Experte Henning Hoff bewertet das 30-Tage-Gedankenspiel allerdings eher als höfliche Geste. „Es ist eine grundlegende Fehlannahme der britischen Außenpolitik, dass man denkt, Angela Merkel wird das schon richten“, erläutert der Experte von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Verhandlungsführer sei die EU.

Die kalte Dusche für Johnson kam denn auch: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der mit ihm am Donnerstag in Paris zusammentraf, schleuderte ihm bereits am Abend zuvor ein „Nein“ entgegen. Ein Aufschnüren des EU-Deals mit Großbritannien sei „keine Option“. „Wir müssen den Briten mit dieser internen Krise der Demokratie helfen, aber wir dürfen uns nicht zu ihrer Geisel machen lassen oder sie exportieren“, sagte Macron.

Grenze in der Irischen See?

Großbritannien-Experte Hoff kritisiert, dass Johnsons Alternativen zum Backstop zu schwammig seien. „Boris Johnson und die Brexiteers können bis heute nicht erklären, wie technische Lösungen oder so genannte alternative Vereinbarungen funktionieren sollen.“ Eine Fehlwahrnehmung der Briten sei, dass die EU nichts anderes zu tun habe, als nach einer Lösung für das Brexit-Problem zu suchen. „Die Möglichkeiten, den Briten in dieser Situation noch zu helfen, sind fast Null, wenn man nicht alle Prinzipien fahren lassen möchte“, sagt Hoff.

Er hält einen anderen Ausweg für denkbar: „Die praktikabelste Lösung wäre, die Grenze in der Irischen See zu ziehen.“ Damit könne man eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland vermeiden. „Das würde dann allerdings auf lange Sicht auf ein vereinigtes Irland hinauslaufen“, erklärt er. Ein harter Brexit könnte das Land zurück in die Bürgerkriegstage führen und Entwicklungen hin zu einem vereinten Irland möglicherweise noch beschleunigen.

Zum Artikel

Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+