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Aktienmärkte

Börsen-Beben in New York, Nervosität in Frankfurt

Steigende Zinsen und politische Spannungen bescheren der Wall Street den höchsten Tagesverlust. Der Dax reagiert relativ gelassen.

07.02.2018
  • PETER DETHIER & ROLF OBERTREIS

Frankfurt/New York. Von Hektik oder gar Panik ist im Handelssaal der Frankfurter Börse am Dienstagmorgen nichts zu spüren. Zwar hat der Deutsche Aktienindex Dax zum Handelsbeginn erneut 3,2 Prozent verloren, aber später verringerten sich die Verluste deutlich, weil sich auch in Übersee wieder eine Beruhigung abzeichnete.

Dort hatte der Dow Jones in New York am Montag den größten absoluten Verlust mit 1600 Punkten im Lauf des Handels und am Ende 4,6 Prozent eingebüßt und auch die Börsen in Asien schlossen mit zum Teil heftigen Verlusten von 4 bis 5 Prozent.

Nach zwei der turbulentesten Börsenhandelstage in der Geschichte der Wall Street rechnen Experten angesichts einer Reihe von Unsicherheitsfaktoren weiterhin mit hoher Schwankungsanfälligkeit an den US-Aktienmärkten. Entscheidend sind sowohl ökonomische als auch politische Faktoren, die dieser Tage zeitlich zusammentrafen und Nervosität unter Anlegern schürten.

Entscheidend waren am Freitag, als der Kurssturz begann, gleichzeitig automatisierte Verkaufssignale, die einen massiven Schneeballeffekt entfalteten. Gesteigert wurde der Effekt durch das ungewöhnlich hohe Verkaufsvolumen.

Längerfristig könnte vor allem zunehmender Inflationsdruck auf den Märkten lasten. So gilt es als sicher, dass die US-Notenbank im März eine weitere Leitzinserhöhung beschließen und im laufenden Jahr insgesamt drei bis vier Mal an der Zinsschraube drehen wird. Am Freitag wurde dann bekannt, dass die Löhne in den vergangenen zwölf Monaten mit 2,9 Prozent deutlich stärker gestiegen waren als erwartet. Das könnte der Notenbank ein Argument liefern, noch schneller die Zinsen hochzuschrauben.

Höhere Zinsen bedeuten für die Unternehmen höhere Kosten und können das Wachstum drosseln. Höhere Zinsen machen außerdem die Alternativen zu Aktien attraktiver. Zum Beispiel Anleihen. Deren Renditen sind zuletzt gestiegen. „Die Löhne weisen die höchste Steigerungsrate seit der Rezession auf“, stellt Torsten Slok, Volkswirt bei der Deutschen Bank in New York fest. „Anleger haben erkannt, dass wir nicht für immer niedrige Zinsen haben werden.“

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Volatilität (Schwankung der Kurse) leistet auch das unsichere politische Umfeld. Der Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und seinen eigenen Geheimdiensten spitzt sich weiter zu. Befürchtet wird, dass Trump ein umstrittenes Schreiben, das republikanische Verbündete verfasst haben, um Sonderermittler Robert Mueller zu diskreditieren, als Vorwand für dessen Entlassung benutzen könnte. Die USA stünden dann an der Schwelle zu einer Verfassungskrise. Marktbeobachter meinen, dass die Wall Street diese schon vorausahnen könnte.

„Gut, dass jetzt die Luft raus ist“

Auch in Frankfurt will niemand die Lage beschönigen. Die Spannung bei den Händlern und bei Analysten auf dem Parkett ist nicht zu leugnen. „Seit dem Rekordhoch vor zwei Wochen hat der Dax in der Spitze 10 Prozent verloren; das ist heftig“, sagt Oliver Roth, Börsenchef des Bankhauses Oddo Seydler. Im vergangenen Jahr hatte der Dax um 12 Prozent zugelegt.

Die Entwicklung habe aber nur „Züge von Panik“ gezeigt, sagt Carsten Sommerfeld vom Handelshaus Tradegate. „Es ist gut, dass jetzt Luft raus ist. Das ist eine gesunde Korrektur.“ Die Unsicherheiten seien gestiegen, die Schwankungen würden dieses Jahr stärker. „Anleger, vor allem die großen wie Fonds, Versicherungen und Pensionskassen sind nervös. Wir sehen eine klare Korrektur“, betont auch Roth.

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07.02.2018, 06:00 Uhr
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