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Blutspendedienst umwirbt Migranten
Cem Özdemir, Chef der Grünen, spendet Blut bei einer Großaktion des Roten Kreuzes vor dem Freizeitpark Tripsdrill (Kreis Heilbronn) Foto: Hans Georg Frank
Rotes Kreuz setzt auf Vorbildfunktion des Grünen-Chefs Cem Özdemir

Blutspendedienst umwirbt Migranten

Der Grüne Cem Özdemir ist für das Rote Kreuz neuerdings ein Vorbild. Der „anatolische Schwabe“ soll mehr Migranten zum Blutspenden animieren.

02.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Cleebronn. Lorenz Menz, Präsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg und Ex-Staatssekretär, mag als Christdemokrat wenig gemein haben mit politischen Positionen des Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir (50). Dass der Bundesvorsitzende allerdings nicht nur die Schirmherrschaft über die größte Blutspendeaktion im Südwesten übernommen, sondern sich selber einen halben Liter abzapfen ließ, dass nötigte Menz denn doch Respekt ab. Özdemir, sagte er gestern in Cleebronn (Kreis Heilbronn), sei „ein Vorbild“.

Der Schauplatz lag vor den Toren des Freizeitparks Tripsdrill. Dort werden, noch bis Freitag, bereits zum 16. Mal Besucher zur Ader gelassen. Letztes Jahr wurden über 3100 Blutkonserven abgefüllt, der Anteil der Erstspender ist mit 18 Prozent etwa dreimal höher als bei herkömmlichen Terminen in Schulen und Gemeindehallen. Bisher kamen in Tripsdrill über 40 000 Spenden zusammen. Was rekordverdächtig erscheint, relativiert sich beim Blick auf den Bedarf: Täglich wird in Deutschland das Blut von 15 000 Spendern benötigt.

Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung im spendenfähigen Alter zwischen 18 und 73 Jahren leisten diesen Dienst an der Allgemeinheit. Die Quote der Migranten an diesen Freiwilligen schätzt Prof. Michael Müller-Steinhardt auf gleichfalls drei Prozent, „jedenfalls geringer als der Bevölkerungsanteil“. Von fast elf Millionen Baden-Württembergern haben nach Angaben des Statistischen Landesamtes gut 27 Prozent einen Migrationshintergrund.

„Vielleicht wissen sie es nicht oder fühlen sich nicht angesprochen“, suchte Cem Özdemir nach einer Begründung für die Zurückhaltung hauptsächlich bei den Türkischstämmigen. Doch der Blutspendedienst (BSD) kooperiert mit Migrantenorganisationen, mit ihren Kulturvereinen und Gemeinden. 2015 seien auf diese Weise zwölf Aktionen zustande gekommen, sagte BSD-Sprecherin Stefanie Fritzsche der SÜDWEST PRESSE. Michael Müller-Steinhardt, seit elf Jahren beim BSD, weiß auch von speziellen Spendestationen, die in Moscheen aufgebaut worden sind, etwa in Mannheim und Heilbronn. Doch dazu seien nur 30 bis 40 Personen gekommen. Der Aufwand sei deshalb „grenzwertig“, räumte er ein, „das ist sehr mühsam“. Viel lieber wäre es dem Roten Kreuz, wenn Migranten zu den ganz normalen Terminen kämen – oder eben zu den eventartigen Anlässen wie in Tripsdrill. Eine solche Beteiligung wäre ganz im Sinne von Cem Özdemir, der sich als „anatolischer Schwabe“ bezeichnet: „Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund kämen, die brauchen wir an Bord.“

Damit hätten die Blutbanken ein Problem weniger. Wer aus einem anderen Land stammt, hat oftmals eine seltene Blutgruppe oder mindestens Merkmale, die in Deutschland rar sind. Weil es aber auch immer mehr Patienten aus solchen Gebieten gibt, steigt der Bedarf. Allerdings darf die 500 Milliliter nur spendieren, wer einen festen Wohnsitz hat und so gut Deutsch spricht, dass er sich mit dem Arzt unterhalten und den erweiterten Fragebogen mit 30 Positionen allein ausfüllen kann. Ein Ablehnungsgrund ist auch die Herkunft aus einem Malariagebiet. Mitunter gebe es durchaus Missverständnisse, wenn ein Spendenwilliger die Ablehnung als Diskriminierung verstehe, berichtete Müller-Steinhardt. Dann könne es „turbulent und laut“ zugehen. Deshalb gebe es jetzt Informationen in mehreren Sprachen, auch in Arabisch.

Für Özdemir, in Bad Urach geboren und aufgewachsen, war es gestern nicht die erste Blutspende. Er habe sich schon mehrfach an Aktionen im Bundestag beteiligt, „wenn es Zeit und Gesundheit zugelassen haben“.

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02.08.2016, 06:00 Uhr
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