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„Bloß wieder eine Mode“
Prof. Johannes Georg Wechsler ist Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner. Foto: Bundesverband Deutscher Ernährung
Interview

„Bloß wieder eine Mode“

Herr Wechsler, was halten Sie als Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner vom Intervallfasten?

13.02.2018
  • SOK

Johannes Georg Wechsler: Wenn man ein oder zwei Tage nichts isst und viel trinkt, schadet das nicht. Es ist auch sinnvoll, drei Tage oder länger kaum was zu essen, weil es dann an die Fettreserven geht. Sehr lange zu fasten überfordert den Körper, nicht zu trinken geht überhaupt nicht – das ist lebensgefährlich. Um dauerhaft abzunehmen, plädieren wir für das modifizierte Fasten, bei dem über einen längeren Zeitraum kalorienreduziert und wenig fett gegessen wird. Wesentlich bei modifiziertem Fasten ist eine tägliche Eiweißzufuhr von mindestens 60 Gramm, weil der Mensch keinen Eiweißspeicher hat und Eiweiß lebenswichtig ist. Davon abgesehen: Was er nicht über die Nahrung bekommt, holt sich der Körper dann aus Depots, die er für schlechte Zeiten angelegt hat.

Ist es denn tatsächlich so, dass man den Körper durch Nahrungsentzug in Intervallen dazu bringen kann, ausschließlich ans Fett zu gehen?

Dem Körper ständige Anpassungen abzuverlangen, setzt ihn bloß unter Stress. Besser ist es, dauerhaft weniger zu essen. Natürlich kann sich der Mensch hervorragend anpassen. Wenn man bedenkt, dass sich die Inuit fast nur von Fleisch ernähren und Asiaten vor allem von Fisch und Reis leben, sieht man doch, wie perfekt wir an die jeweilige Umwelt angepasst sind. Für Zeiten des Mangels legen wir Fettreserven an. Wenn aber nie Mangel herrscht, brauchen wir sie nicht. Also sollten wir insgesamt weniger essen – vor allem weniger Zucker und Fett – und körperlich aktiv sein.

Woher dann dieser Hype?

Es ist eine Modeerscheinung, die nichts schadet, aber auch nichts bringt. Es gibt über hundert Formen von Diäten, die vor allem im Frühjahr Thema werden. Es wird halt jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf getrieben.

Befürworter behaupten aber auch, beim Fasten würde der Körper abgelagerte Stoffwechselprodukte abbauen.

Der Mensch ist kein Müllhaufen, und unser Körper lagert keine Abfallprodukte ein. Im Gegenteil: Er hat sich in fünf Millionen Jahren perfekt entwickelt, verwertet die Nahrung, die ihm zugeführt wird, optimal und scheidet über Darm, Nieren und Haut aus, was er nicht braucht. Man kann es nicht besser machen, als die Natur uns geschaffen hat. Das Einzige, was wir tun können, ist unseren Körper optimal zu versorgen, zu bewegen und zu pflegen. Diese ständige Hin- und Her-Fasterei bringt dabei gar nichts. sok

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13.02.2018, 06:00 Uhr
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