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Literatur

„Blinde Liebe“ sprudelt kristallklar

In seinem neuen Roman erzählt William Boyd spannend von einer leidenschaftlichen Beziehung.

24.05.2019

Von DPA

Zürich. Wie im Flug vergehen die 500 Seiten von William Boyds neuem Roman „Blinde Liebe“, bis es beim Zuklappen im Erinnerungsgebälk knirscht: Wann hat man zuletzt ein so kristallklar sprudelndes Lesevergnügen serviert bekommen? Literarisch auf hohem Niveau, spannend, bewegend und federleicht zugleich erzählt der schottische Autor von der Liebe zwischen dem Klavierstimmer Brodie Moncur und der Sängerin Lika Blum an der Nahtstelle zwischen 19. und 20. Jahrhundert. Diese auch geografisch gewaltige Lesereise führt in den Jahren 1894 bis 1906 aus dem Dörfchen Liethen Manor im südlichen Schottland über Edinburgh, Paris, St. Petersburg, Nizza bis auf eine Insel namens Andamanen mitten im Indischen Ozean.

Den sympathischen, überall als Könner gefragten Klavierstimmer Brodie Moncur führt seine Liebe zu der musikalisch weit weniger begabten, als Charakter aber mindestens genauso interessanten, schwer ergründlichen Sängerin Lika Blum auf eine unendlich lange Reise. Boyd entfaltet die Geschichte seiner Hauptfigur im Stil klassischer Literatur aus dem 19. Jahrhundert. Hier geht es auf raffinierte Art mit der Geschichte immer geradeaus weiter.

Der junge Brodie ist aus der schottischen Provinz vor seinem als Tyrann verhassten Vater nach Edinburgh geflohen. Sein herausragendes Können als Klavierstimmer bringt ihm einen attraktiven Job in Paris ein, wo er den irischen Starpianisten John Kilbarron als Werbeträger für den Klavierverkauf an Land ziehen kann. Zu dessen Entourage gehört neben einem als Manager höchst robust agierenden Bruder namens Malachi auch die Russin Lika als Geliebte. Sie erwidert Brodies schnell und stürmisch entfachte Liebe, will aber weiter bei Kilbarron bleiben. Die leidenschaftliche Affäre führt dann doch zur gemeinsamen Flucht des Paares vor dem gehörnten Pianistenstar und dessen fast noch rachsüchtigeren Bruder von Stadt zu Stadt durch ganz Europa.

Boyd präsentiert in diesem Roman Charaktere, Schauplätze und die manchmal komplett überraschende, aber immer glaubwürdige Handlung sprachlich elegant und nie aufdringlich. Diese Perfektion ist zugleich auch Schwäche. Was „Blinde Liebe“ fehlt, ist irgendwann mal der vielleicht wahnsinnige Schritt über den Abgrund ins unbekannte Nichts, der ganz große Widerhaken, der eine Geschichte unvergesslich macht. Thomas Borchert

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Erstellt:
24. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 06:00 Uhr

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