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Moderne Zeiten: Rainer Tempel Bild: Klink/Tempel




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01.08.2018

Von Wilhelm Triebold

Denn so etwas passt punktgenau in Schufferts Konzept, nicht einfach nur Spielfilme unter freiem Himmel abzuspulen, sondern neuerdings ab und zu auch interessante Leute dazuzuholen – wie zum Auftakt den „Mabuse“-Nachsynchronisierer Dodokay oder an den beiden vergangenen Abenden jeweils die Filmemacher selbst.

Nun also am Donnerstag „Jazz in Schwarz und Weiß“ als Tübinger Sommernachtskino. In den Kindertagen des Kintopps, als die Bilder laufen lernten, blieb der Film zwar noch eine ganze Weile stumm, rannte die Musik allerdings schon flott nebenher. Und weil auch der Jazz damals noch heranwuchs, waren es mitunter gestandene Ragtime-Könner wie Fats Waller oder Jelly Roll Morton, die im Kinosaal vor der Leinwand ihr Handwerk verfeinerten.

Rainer Tempel hat zumindest eine Vorstellung davon, „was wir nicht machen wollen: nochmal das, was Hollywood damals gemacht hat.“ Also oft „Märsche oder Swing“: Das war „eher ein Grundgeräusch, unaufdringliche Musik, und nicht besonders plakativ.“

Südstadt-Bewohner Tempel wollte in Stuttgart, wo er an der Musikhochschule das Jazz-Institut leitet, schon mal etwas Ähnliches versuchen. Daraus wurde dann nichts. So ist es für den Jazzprofessor – wie wohl auch für alle anderen drei – jetzt eine Premiere, sich zu Stummfilmsequenzen in Echtzeit zusammenzufinden.

Er habe „sich ein paar Gedanken dazu gemacht“, sagt Tempel mit dem ihm eigenen Understatement. So hat er sich ins musikalische Oeuvre von Charles (Charlie) Chaplin hineingehört, den einzigen Gelegenheitskomponisten unter den „Fab Four“ (oder besser „Fab Five“), denen das Sommernachtskino am Donnerstag huldigt.

Mit Chaplin haben Pianist Tempel und seine drei Mitmusiker Sandi Kuhn (Saxophon), Florian Dohrmann (Bass) und Dieter Schumacher (Drums) am Donnerstag ein „Blind Date“, wie Tempel sagt. Das heißt: Der einzige der vier Stummfilme, den das Quartett nicht vorher sehen durften, stammt von Pionier Chaplin. Dazu kommen noch kurze Filme mit dem Berufsstoiker Buster Keaton, mit dem verwegenen Berufsartisten Harold Lloyd und mit dem komischsten aller Komiker-Duos, Stan Laurel und Oliver Hardy alias Dick und Doof.

Vier Filme, vier Komponenten, anderthalb bis zwei Stunden, in denen sich die cineastische Vergangenheit und musikalische Gegenwart begegnen. Zu Chaplin hat Tempel, wie gesagt, Material gesammelt, das er streuen will. Außerdem hat er sich in Stücke aus dem Jahr 1921 hineingegroovt, dem Entstehungsjahr des Films mit Harold Lloyd. „Bei Laurel und Hardy machen wir ein bisschen Klamauk, und bei Buster Keaton wird es wohl experimentell, vermutlich auch nicht tonal.“

Aus einem Fundus schöpfen – diese Art zu musizieren hat sich mittlerweile eingebürgert, ist auch nicht ganz unüblich, sagt Tempel. Hat er ein musikalisches Leitmotiv für den Abend erwogen? Darüber dachte er nach, bei Laurel und Hardy, verwarf es aber wieder.

Die vier Musiker kennen sich, ohne eine „eingespielte Band“ zu sein, betont Tempel. Man kennt und schätzt sich, schätzt sich wahrscheinlich auch immer gut genug ein gegenseitig. „Man lernt sich beim Spielen kennen“. Jeder hat sich die Filmvorlagen vorher gründlich begutachtet. Danach muss eine längere Probe am heutigen Mittwoch reichen. „Unser Üben war, die Filme anzuschauen“, meint Tempel. An der Leinwand positionieren sich die Vier dem Publikum zugewandt. Die Filme in ihrem Rücken laufen über einem Bildschirm. Beim Improvisieren haben sie sich immer im Griff und im Blick.

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Erstellt:
1. August 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
1. August 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. August 2018, 01:00 Uhr

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