Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Zwist um Windräder

Blaues Blut in Wallung

Zwei adlige Vetter verfolgen in Hohenlohe gegensätzliche Ziele bei der Windenergie. Die Öffentlichkeit soll davon möglichst wenig erfahren - man respektiere die unterschiedlichen Auffassungen.

03.05.2012

Von Hans Georg Frank

Schrozberg. Ferdinand Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein (69) ist ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Windenergie. Der Adlige steht nicht nur dem "Bundesverband Landschaftsschutz" vor, er ist auch Vizepräsident der "Europäischen Plattform gegen Windanlagen", in der insgesamt 413 Vereine aus 21 Ländern den sofortigen Baustopp für alle Rotoren fordern. Der Fürst aus dem 300-Seelen-Weiler Bartenstein (Kreis Schwäbisch Hall) ist überzeugt, dass den Ausstieg aus der Atomenergie "schlecht informierte Gutmenschen und ideologiegesteuerte Umweltretter" eingeleitet haben. Die Masten für Drehflügel "zerstören die Landschaft, machen krank, töten Vögel".

Solche Kritik ist freilich nicht öffentlich zu vernehmen, wenn ein anderes Mitglied der weit verzweigten Hohenlohe-Dynastie ins Geschäft mit der Windenergie einsteigt. Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg (42) hat einen Vertrag geschlossen mit der ENBW. Zusammen mit Baron Götz von Berlichingen (45), einem Nachkommen des gleichnamigen "Ritters mit der eisernen Hand", soll "eines der aktuell größten geschlossenen Windkraft-Entwicklungsportfolios im Land" entstehen. Die Räder werden sich wohl vornehmlich in Wäldern der Adelshäuser drehen. Die Lage der elf Standorte wird geheim gehalten.

Solche Pläne müssten doch das blaue Blut in Bartenstein in Wallung bringen, könnte man annehmen. Doch weit gefehlt. Eine schriftliche Anfrage beim Anti-Windkraft-Fürsten wird sofort nach Langenburg weitergereicht, löst dort Verstimmung aus. Der Pro-Wind-Fürst begehrt Auskunft über das Ansinnen des Journalisten: "Suchen sie eine Sensation?" Befürchtet wird "eine Negativschlagzeile".

Der Windkraftgegner indes "will in der Öffentlichkeit auf gar keinen Fall gegen meinen Vetter auftreten". Die gegensätzliche Auffassung sei bekannt, "wir respektieren das".

In die Hohenloher Winddebatte hat sich ein weiterer Adliger eingeschaltet. Christian Freiherr von Stetten (41) will eine Distanz von mindestens 1500 Metern zwischen Häusern und Windrädern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete kennt sich aus mit regenerativer Energie: Er möchte beim Schloss auf fünf Hektar eine Photovoltaikanlage bauen.

Zankapfel Windräder: Der eine wettert gegen die Anlagen, der andere hätte gern welche. Gut, wenn das die Verwandtschaft trotzdem nicht entzweit.

Zum Artikel

Erstellt:
3. Mai 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Mai 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Mai 2012, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+