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Stiller Trotz

Blatter und Platini legen Einspruch gegen 90-Tage-Sperre ein

Nach den Suspendierungen von Fifa-Boss Joseph S. Blatter und Uefa-Chef Michel Platini verunsichert das entstandene Machtvakuum die Fußball-Welt. Blatter legte Einspruch gegen seine 90-Tage-Sperre ein.

10.10.2015
  • SID

Zürich Joseph S. Blatter und Michel Platini klammern sich verzweifelt an den allerletzten, aber sehr brüchigen Strohhalm ihrer Macht. Trotz weltweiter Rücktrittsforderungen kündigten die beiden gefallenen Präsidenten des Weltverbands Fifa sowie der Europäischen Fußball-Union (Uefa) ihren Einspruch gegen die 90-Tage-Sperre durch die Ethikkommission an. Es ist ein formelles Manöver - mit wenig Aussicht auf Erfolg.

"Mehr als vom Gefühl der Ungerechtigkeit oder einem Wunsch nach Rache bin ich angetrieben von einem tiefen Gefühl stillen Trotzes", sagte Platini (60), der wie Blatter (79) am Donnerstag seine Aufgaben niederlegen musste. Die Verbandszentralen in Zürich (Fifa) und Nyon (Uefa) sind Sperrgebiet, auch wenn der Europa-Verband die Notwendigkeit dafür, den "ranghöchsten verfügbaren" Vize für die Übernahme von Platinis Amtsgeschäften zu berufen, bislang verneint. Wenn bei der Dringlichkeitssitzung des Uefa-Exekutivkomitees mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach (64) am Donnerstag (15. Oktober) über eine Zukunft nach dem Beben, nach Platini beraten wird, darf der Franzose nicht mit am Tisch sitzen.

"Bis dahin soll er Gelegenheit bekommen, Dinge ins Feld zu führen, die ihn entlasten", sagte Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei RTL. Die Fälle von Blatter und Platini seien "differenziert zu sehen, weil Blatter von den Schweizer Behörden angeklagt wurde und Platini weiter als Auskunftsperson gilt. Deshalb ist es auch nicht zu verstehen, warum beide gleichzeitig gesperrt werden".

Blatter ließ wie in den vergangenen Tagen seinen Anwalt sprechen: Richard Cullen (USA) bestätigte gegenüber mehreren Medien den Einspruch. Über den muss nun die Fifa-Berufungskommission unter dem Vorsitzenden Larry Mussenden befinden - die Einsprüche haben aber keinerlei aufschiebende Wirkung. Es bleibt dabei: Die beiden mächtigsten Fußballverbände haben ihre Köpfe verloren.

"Revolution bei der Fifa - Rote Karte für Blatter", titelte die britische Times: "Die Führungsriege des Weltfußballs wurde ins Chaos gestürzt." Die Lage im Weltfußball, das entstandene Machtvakuum belastet und bleibt undurchsichtig. Kleinigkeiten werfen neue Fragen auf. Nachdem Blatters Anwälte unmittelbar nach dem Urteil der Ethikkommission vorgeworfen hatten, den Schweizer nicht vernommen und damit gegen die Statuten verstoßen zu haben, bestätigte die Kommission: Sowohl Blatter als auch Platini wurden bereits am 1. Oktober vernommen. Der Uefa-Boss sogar mehrere Stunden lang. "Ich weise alle Anschuldigungen gegen meine Person, die nur zum Schein gemacht wurden und erstaunlich vage sind, zurück", sagte Platini. Im Schweizer Strafverfahren gegen Blatter war eine dubiose Millionen-Zahlung an Platini aufgetaucht, die die Ethiker Schmiergeld vermuten ließ statt eine berechtigte Zahlung für die Beratertätigkeit des späteren Uefa-Bosses während der Jahrtausendwende. Platini riecht ein politisches Manöver, um seine nun so gut wie gescheiterte Kandidatur für die Präsidenten-Wahl des Weltverbands zu verhindern.

"Trotz der absurden Beschaffenheit dieser Ereignisse, weigere ich mich, daran zu glauben, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt, die eilig getroffen wurde, um einen lebenslangen Verehrer des Fußballs in ein schlechtes Licht zu rücken oder meine Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft zu zerschmettern", sagte er.

Blatter und Platini legen Einspruch gegen 90-Tage-Sperre ein
Sepp Blatter in seiner Limousine: Der Fifa-Chef flieht vor den drängenden Fragen zur Zukunft des Fußball-Weltverbands. Foto: dpa

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10.10.2015, 12:00 Uhr
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