Digitales Geld

Bitcoin kaufen leicht gemacht

Kryptowährungen locken mit extremen Gewinnen bei hohem Risiko. Die Kurse sind zuletzt deutlich gesunken. Ein Ratgeber für Anleger ohne Angst vor Achterbahnfahrten.

18.06.2021

Von Lena Bautze

Um Bitcoins zu erzeugen, müssen Rechenaufgaben gelöst werden. Dies geschieht unter anderem in riesigen Farmen, in denen vor allem Grafikkarten zum Einsatz kommen. Das B mit dem Doppelstrich ist das Bitcoin-Symbol. Foto: afp Photo/Matt Lohstroh/HO

Der Bitcoin-Kurs ist seit März 2020 durch die Decke gegangen – zeitweise kletterte er auf ein Rekordhoch von 60.000 Dollar und stürzte dann auf aktuell rund 39.384 Dollar. Das erinnert an den Hype vor einigen Jahren: Viele, die damals für mehrere hundert Euro in Bitcoins investiert haben, sind jetzt Millionäre, andere haben durch die starken Schwankungen am Kryptogeldmarkt viel Geld verloren. Dennoch wächst die Zahl der Anleger, die sich für digitale Währungen interessieren. Doch wie kauft man Bitcoins? Ein Leitfaden.

Was sind Bitcoins? Der Bitcoin ist eine digitale Geldeinheit, die auf einem dezentralen Zahlungssystem basiert. Transaktionen können – wie bei realem Geld – von der einen Person zur anderen getätigt werden. Im Fachjargon nennt man das „peer to peer“. Die Anzahl der Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt. Das macht sie begehrt. Aufbewahrt werden sie mit Hilfe der Blockchain-Technologie (Infokasten).

Wo handelt man Bitcoins? Das geht über Online-Handelsplattformen wie Bitcoin.de, Kraken, Trade Republic oder über die Bison-App der Börse Stuttgart.

Wie erkenne ich seriöse Anbieter? Laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sollte man skeptisch werden, wenn Plattformanbieter übertriebene Versprechen machen, beispielsweise mit hohen Renditen werben. Verbraucher sollten nur Plattformen mit vorhandenem Impressum und Sitz in Deutschland nutzen. Dann ist es rechtlich einfacher, wenn es zu Streitfällen kommt.

Wie gehe ich vor? „Um auf einer Handelsplattform einen Account zu eröffnen, ist in Deutschland ein Identitätsnachweis mit einem offiziellen Ausweisdokument notwendig“, sagt Ulli Spankowski, Geschäftsführer der Sowa Labs GmbH, die als Tochterunternehmen der Gruppe Börse Stuttgart die Bison-App entwickelt. Wer Kryptowährungen über Bison kaufen möchte, lädt zunächst die App herunter und kann mit einer gültigen E-Mail-Adresse und einem Passwort ein Konto eröffnen.

Wie bezahle ich Kryptowährungen? Bei vielen Anbietern überweist man Geld an die Plattform. „Sobald die Einzahlung verbucht ist – in der Regel am nächsten Bankarbeitstag – kann der Nutzer über die App Kryptowährungen kaufen und verkaufen“, erklärt Spankowski. Welche anderen Bezahlformen gibt es? Bei Bitcoin.de überweist man kein Geld an die Plattform. Nachdem man sich registriert, seine Daten angegeben hat und das Bankkonto mit einem geringen Überweisungsbetrag verifiziert hat, kann man den „Marktplatz“ nutzen. Dort bieten Verkäufer ihre Bitcoins an und legen den Preis fest. Hat man sich für ein Angebot entschieden, muss man das Geld direkt an das Bankkonto des Verkäufers überweisen. Dieser transferiert danach die Bitcoins auf das Konto.

Das Symbol des Bitcoin. Foto: Jolygon/Shutterstock.com

Wo werden Bitcoins gespeichert? Die Kryptowährungen werden in einer Wallet, einer Art elektronischen Geldbörse, gespeichert. Bei den Bitcoin-Plattformen wird automatisch eine sogenannte Wallet bei einer Registrierung hinterlegt. In dem digitalen Portemonnaie sind dann die Zugangsschlüssel für die Währung gespeichert.

Welche Schlüssel erhalten Käufer? Beim Kauf der Kryptowährung erhält man zwei Schlüssel: Einen öffentlichen und einen privaten. Beide bestehen aus einer langen Folge an Buchstaben und Zahlen. Den öffentlichen Schlüssel darf man an andere weitergeben, die dann Kryptowährungen an diese Adresse senden können. Den privaten Schlüssel darf man auf keinen Fall weitergeben. Er ist wie ein Passwort, der den Zugang zu den eigenen Bitcoins ermöglicht.

Was sind cold und hot Wallets? Hot Wallets sind mit dem Internet verbunden. Die Daten befinden sich auf Servern der Broker. Das macht Hackerangriffe einfacher. Cold Wallets sind sicherer, weil sie nicht mit dem Internet verbunden sind. Die Bitcoinschlüssel werden dafür offline auf einer Art Stick gespeichert.

Kann man nur ganze Bitcoins kaufen? Man kann, muss aber nicht. Ein Beispiel: Möchte man 100 Euro investieren, wären das laut der Plattform Coinbase – Stand 17.6.2021, 12 Uhr – 0,003 Bitcoin.

Wie lange dauert es, bis man beginnen kann? Wer mit dem Handeln anfangen will, muss mit einigen Tagen Vorlauf rechnen – je nachdem wie lange die Verifizierung und das Überweisen dauert. Wer sofort handeln will, muss mit zusätzlichen Gebühren rechnen. Welche Gebühren fallen an? Das ist von Plattform zu Plattform unterschiedlich: Bei Bitcoin.de sind es 0,5 Prozent – sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer. Bei Bison fallen keine Handels-Gebühren an. „Für die Nutzer schlägt lediglich der Spread zu Buche, also die Spanne zwischen den angezeigten An- und Verkaufspreisen. Diese liegt in der Regel bei 0,75 Prozent, kann aber je nach Marktgegebenheiten und Ordervolumen variieren“, sagt Spankowski.

Wo soll man kaufen? Die Kryptobörsen sind sehr unterschiedlich und auf die Bedürfnisse der Händler angepasst. Kraken zum Beispiel ist nur auf Englisch verfügbar, bietet jedoch mehr als 40 Kryptowährungen an. Die Bison-App ist Deutsch und Englisch. Sie bietet fünf Währungen an. Bei Fragen gibt es Hilfe in deutscher Sprache. Zudem ist die Bedienung einfach.

Wo lauern Gefahren? Verbraucherschützer warnen: „Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen. Ein Totalverlust ist nicht auszuschließen. Bitcoin, Ethereum & Co. sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel, sondern Ersatzwährungen“, warnt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Im Internet und in sozialen Netzwerken kursiere zudem viel fragwürdige Werbung für Geldanlagen rund um Kryptowährungen. Für wen eignen sich Bitcoin & Co. als Geldanlage? Die Volatilität von Kryptowährungen ist sehr hoch. Spannend an ihnen ist, dass sie oft eine Gegenbewegung zu den klassischen Anlageklassen aufweisen, sagen Experten. Insofern können Anleger Kryptowährungen als Beimischung nutzen, um ihr Depot breit zu streuen – sofern sie die starken Kursschwankungen aushalten.

Verdrängt eines Tages digitales reales Geld? „In Ländern mit schwachen Währungssystemen ist Bitcoin eine interessante Alternative“, sagt Sowa-Labs-Geschäftsführer Spankowski. Im Juni hat zum Beispiel El Salvador neben US-Dollar auch Bitcoins als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. „Eine Verdrängung normalen Geldes in stabilen Währungsregionen wie der Eurozone durch Kryptowährungen ist allerdings nicht zu erwarten, eher eine Koexistenz.“

In Blöcken gespeichert

Bitcoins entstehen beim sogenannten Mining. Computer lösen mit hohem Rechenaufwand bestimmte Aufgaben. Sind sie dabei erfolgreich, werden neue Bitcoins generiert. Die Transaktionen von Bitcoins sowie die Schlüssel werden in der Blockchain gespeichert. Die Blockchain ist eine Kette von digitalen Datenblöcken, in denen die Transaktionen in Codes zusammengefasst sind. Für jeden Block wird ein Hash, eine Art digitaler Fingerabdruck, berechnet. Jeder Hash enthält zusätzlich den Hash des vorherigen Blocks. Die Verkettung macht es unmöglich, einen Code in der Blockchain zu verändern und macht sie deshalb auch sicher. Die Datenketten sind dezentral auf mehreren Rechnern gespeichert und neue Blöcke werden nur hinzugefügt, wenn sie von allen anderen Rechnern verifiziert werden. - leba

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Erstellt:
18. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2021, 06:00 Uhr

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