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Zwischen Verschwörungstheorien und Manipulation

Bischofssynode im Vatikan: Wie Konservative und Reformer um heikle Themen ringen

Offiziell steht der Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen nicht im Mittelpunkt der Bischofssynode über Ehe und Familie. Für Konflikte sorgen sie trotzdem.

15.10.2015
  • BETTINA GABBE

"Ist für Menschen, die unumkehrbare Brüche in ihrem Leben erlebt und erlitten haben, kein Platz am Tisch des Herrn?" Das ist für den Berliner Erzbischof Heiner Koch eine zentrale Frage der Synode. Nicht wenige Menschen zögen sich nach erlebter Zurückweisung mit ihren Kindern von der Kirche zurück, sagte er mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene: "Über die Frage der Zulassung zur Eucharistie wird für viele Gott fragwürdig."

Während 270 Bischöfe gemeinsam mit Experten und Ehepaaren im Vatikan tagen, tobt in den Medien ein Stellvertreterkrieg. Den einzelnen Synodenvätern steht es frei, Reden zu veröffentlichen, die sie in der Bischofsversammlung halten. Die einen, wie Koch und der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, nutzen die Möglichkeit. Die polnische Bischofskonferenz veröffentlichte hingegen zeitweise auch die Beiträge anderer Synodenväter. Ein italienischer Journalist verbreitete im Internet einen privaten Protestbrief konservativer Kardinäle gegen die Arbeitsweise der Synode, die sie für manipuliert halten. Ein neues "Vatileaks", befand der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Wem die Veröffentlichung von Positionen der jeweils anderen Position nutzt, ist dabei völlig offen. Papst Franziskus warnte vor diesem Hintergrund vor einer "Hermeneutik der Verschwörung".

In der zweiten Sitzungswoche legt die Familiensynode mit Diskussionen über Sexualität außerhalb der katholischen Ehe die Grundlagen für umstrittene Themen wie Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle. Um diese Fragen soll es kommende Woche vor der Abstimmung ein Abschlussdokument gehen. Dabei müssen so unterschiedliche Positionen wie die Forderung nach einer Öffnung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften und deren aggressive Ablehnung in Einklang gebracht werden.

In offenen und geheimen Begegnungen mit Journalisten werben Vertreter der unterschiedlichen Positionen jenseits des bunten Treibens auf dem Petersplatz für ihre Positionen. Dabei hat die Synode nur beratenden Charakter, am Ende entscheidet allein der Papst, ob es Änderungen beim Umgang mit modernen Familien geben wird.

So heftig der Streit auch sein mag, so sehr mühen sich die meisten Teilnehmer, den Eindruck konstruktiver Auseinandersetzung zu vermitteln. Es gebe keine Parteien, die einander bekämpften, heißt es. Dennoch pochen die einen stärker auf die traditionelle Lehre, die anderen mehr auf die Praxis des Umgangs mit heutigen Lebenswirklichkeiten. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch machte auf der anderen Seite klar, dass homosexuelle Katholiken auf ein Zeichen der Anerkennung warten. Dagegen warnte der Präfekt der vatikanischen Liturgiekongregation, Kardinal Robert Sarah aus Guinea, in seinem Beitrag: "Was Nazifaschismus und Kommunismus im 20. Jahrhundert waren, sind heute westliche Homosexuellen- und Abtreibungsideologien und islamischer Fanatismus".

Wie dennoch eine einheitliche Position entstehen könnte, geht aus der Arbeit der deutschen Sprachgruppe hervor. Darin ist von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Vertreter konservativer Positionen bis zum Berliner Erzbischof und Kardinal Walter Kasper, der für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen in Einzelfällen wirbt, die ganze Bandbreite vertreten. Trotz gravierender Meinungsunterschiede verabschiedete die Gruppe ihre Zwischenberichte einstimmig.

Wie eine Lösung der Gegensätze bei der bis zum 25. Oktober tagenden Versammlung aussehen könnte, deutete der deutsche Kurienkardinal Müller an. Er gilt als Wortführer der Gegner der von Papst Franziskus offensichtlich befürworteten Veränderungen. Bei der Frage nach der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion räumte Müller jedoch ein: "Man kann über die Bedingungen der einzelnen Fälle diskutieren, aber eine allgemeingültige Regelung ist nicht möglich."

Nach Ablauf der Halbzeit blieb offen, ob der Papst das Abschlussdokument Ende kommender Woche nach der Abstimmung veröffentlichen lässt oder ein eigenes verfasst. Franziskus bemüht sich durch die Synode, den von ihm begonnenen Reformprozess auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Wenn er am Ende gegen eine Mehrheit der Synodenväter entscheidet, könnte eine Spaltung bis hin zu einem offenen Schisma die Folge sein.

Bischofssynode im Vatikan: Wie Konservative und Reformer um heikle Themen ringen
Auftakt zur Debatte: Papst Franziskus bei der Eröffnung der Bischofssynode vergangene Woche. Nun ist Halbzeit - und es wird kräftig gestritten. Foto: dpa

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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