Energie

Bis zu 45 Prozent Förderung

Wer die Ölheizung gegen eine umweltfreundlichere Alternative tauscht, kann Unterstützung beantragen. Wie das geht und was man beachten muss.

02.10.2020

Von CAROLINE STRANG

Wenn die alte Ölheizung raus muss, sind einige Entscheidungen fällig. Foto: ©riopatuca/shutterstock.com

Stuttgart. Die alte Ölheizung muss raus. Die Entscheidung, welche neue Heizung in Frage kommt, ist angesichts von gesetzlichen Vorgaben, eigenen Wünschen, den Voraussetzungen des Hauses und unterschiedlichen Förderungen gar nicht so einfach. Wer hilft bei der Entscheidung? Welche Förderungen gibt es und wer stellt wo die Anträge? Experten antworten.

Welche Schritte stehen am Anfang, wenn eine Ölheizung ausgetauscht werden soll? „Wichtig ist erstmal, sich Gedanken darüber zumachen, was man will“, sagt Tina Götsch, Energieberaterin für die Verbraucherzentrale. Außerdem müsse man den gesetzlichen Hintergrund kennen. In Baden-Württemberg gilt das Erneuerbare Wärmegesetz. Wenn man eine Heizung einbaut, müssen mindestens 15 Prozent erneuerbare Energien zum Einsatz kommen oder man muss Ersatzmaßnahmen erfüllen – wie eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung.

Wer hilft mir bei diesen ersten Überlegungen und Planungen? Die Verbraucherzentralen bieten einen Check an, sagt Tina Götsch. „Da kommen Berater ins Haus, die sich alles genau anschauen.“ Eigentlich kostet das einen Eigenanteil von 30 Euro, der wird laut Expertin aber in der Regel von den örtlichen Energieagenturen, Kommunen oder Landkreisen übernommen. Wenn es konkreter wird, beraten natürlich auch die Heizungsbauer.

Welche Alternativen gibt es zu einer Ölheizung? „Im Moment kann man eine alte Ölheizung noch gegen eine neue eintauschen, wenn man Ersatzmaßnahmen nachweist. In wenigen Jahren wird das aber verboten sein“, sagt Götsch. Es gebe auch die Möglichkeit, auf Gas umzusteigen, ebenfalls mit begleitenden Maßnahmen. Mit einem Gasanschluss könne man auch das Thema Blockheizkraftwerk ins Auge fassen, das Wärme und gleichzeitig Strom erzeugt. Setzt man komplett auf Erneuerbare Energien, kann man eine Holzheizung wählen, die mit Pellets betrieben wird, oder eine Wärmepumpe.

Wie schneiden die Alternativen im Preisvergleich ab? „Eigentlich relativ ähnlich“, sagt die Energieberaterin. Als grobe Richtwerte nennt sie 25 000 Euro für eine Gas- oder Ölheizung verbunden mit einer Solaranlage. Eine Pelletsheizung oder eine Wärmepumpe liegen bei 20 000 bis 25 000 Euro. Die Kosten im Betrieb seien schwer zu schätzen. „Bis vor kurzem ging man davon aus, dass die Ölpreise immer weiter steigen, jetzt ist der Ölpreis im Keller“, sagt Götsch. Allerdings sei sicher, dass sich die CO2-Umlage irgendwann auf den Ölpreis auswirken werde.

Welche Förderungen gibt es für neue Heizungen? Die neue Förderung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) „Heizen mit erneuerbaren Energien“ fasst die bisherigen Förderprogramme des BAFA und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen, erklärt der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg. Die Fördersätze liegen zwischen 20 und 45 Prozent. Die Grundregel lautet dabei laut Tina Götsch: „Je höher der Anteil der erneuerbaren Energie ist, desto höher ist die Förderung.“ Zu den förderfähigen Kosten zählen auch Demontage und Entsorgung der alten Anlage. „Auch Kosten für Beratung, Planung und Baubegleitung sind förderfähig, wenn sie direkt mit der Heizungsanlage zusammenhängen“, sagt Schwäbisch Hall-Experte Ralf Oberländer. Die förderfähigen Kosten sind auf 50 000 Euro bei Wohngebäuden begrenzt.

Wann und wie beantragt man die Förderung? Der Antrag muss zwingend vor Beginn der Aus- und Einbauarbeiten gestellt werden. „Sobald man eine Schraube löst, hat man angefangen“, sagt Götsch. Götsch empfiehlt, beim Kostenvoranschlag lieber nach oben ein bisschen großzügig zu kalkulieren. Denn: „Aufstocken kann man nachher nicht mehr.“

Wer kann den Antrag stellen? Den muss ein Sachverständiger stellen. In diesem Fall sind das freie Energieberater, erklärt Götsch. Häufig vermittle auch der jeweilige Heizungsbauer diesen Service.

Wie sieht die alternative steuerliche Förderung aus? Wer seine Heizung tauscht, könne alternativ zum BAFA-Programm seit diesem Jahr von einer steuerlichen Förderung profitieren, erklärt Oberländer. „20 Prozent der Ausgaben für Einzelmaßnahmen können über drei Jahre verteilt steuerlich abgezogen werden, maximal 40 000 Euro.“ Das könne sich besonders lohnen, wenn nicht nur die Heizung erneuert wird, sondern weitere energetische Maßnahmen geplant sind. „Wohneigentümer haben jetzt die Wahl“, sagt Oberländer.

Holzpellets gelten als umweltfreundlicher Heizstoff. Foto: ©arsya/shutterstock.com

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Erstellt:
2. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Oktober 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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