Komödie

„Bin hoffentlich ehrgeiziger“

Die Verfilmung von „Kaiserschmarrndrama“ startet am 5. August in den Kinos. Sebastian Bezzel erzählt, was ihn mit Franz Eberhofer verbindet.

30.07.2021

Von DIETER OSSWALD

Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) macht sich Sorgen um Hund Ludwig. Diesem scheint der Stress um den Hausbau auf den Magen zu schlagen. Foto: © 2020 Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Schuller

München. Eberhofer ist Krimi-Kult, ob als Roman von Rita Falk oder als Verfilmung mit Sebastian Bezzel in der Rolle des ungewöhnlichen Provinzpolizisten Franz Eberhofer. Im siebten Streifen „Kaiserschmarrndrama“ gilt es wieder sonderbare Fälle aufzuklären. Mit dabei sind wie immer schrullige Freunde sowie die merkwürdige Verwandtschaft. Der 50-jährige Bezzel spricht im Interview darüber, wieso Polizisten seine Figur beneiden, welches Accessoire die Produktionsfirma Constantin mittlerweile im Safe aufbewahren muss – und ob er Eberhofer gerne zum Freund hätte.

Herr Bezzel, der Kreisverkehr genießt Kultstatus in den Eberhofer-Krimis. Wissen Sie, wie man da blinken sollte: Bei Einfahren, beim Ausfahren oder beides?

Sebastian Bezzel : Beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr muss man natürlich blinken, beim Einfahren glaube ich ebenfalls.

Falsch, da könnten Ihnen die echten Kollegen von Eberhofer ein Bußgeld von 10 Euro aufbrummen: Seit 20 Jahren darf bei Einfahrt in den Kreisverkehr nicht geblinkt werden. Aber Cop-Darsteller mit Kultstatus sind vermutlich von Knöllchen befreit?

Keineswegs! Ich bekomme und bezahle nach wie vor Strafzettel, das auch in Bayern. (Lacht)

Krimi-Komödien gibt es wie Sand am Meer, warum hat es ausgerechnet der Eberhofer zu Kultstatus gebracht?

Für mich sind das gar keine Krimi-Komödien. Die Verbrechen sowie die Suche nach dem Täter spielen bei uns nur eine Nebenrolle, viel wichtiger sind die Geschichten von Rudi und Franz. Dessen Umgang mit Freundin, Freunden und Familie. Es ist ein liebevoller, bisweilen überspitzter, satirischer Blick auf das Leben in der Provinz. Bei den Ermittlungen zählt schlichte Küchenpsychologie statt Hightech, was viele mögen.

Zum Fan-Block der Krimis sollen auffallend viele Polizisten gehören, woran liegt das?

Polizisten sagen oft: „Einen Tag so sein wie der Eberhofer, das wäre schön!“. Der Erfolg der Romane von Rita Falk rührt mit daher, weil ihr Ehemann selbst Polizist war. Bei ihm hat sie viel herausgehört, was er gerne einmal machen würde, aber einfach nicht darf. Im realen Leben wäre der Eberhofer schließlich schon längst weggesperrt mit seinen ganzen Amtsanmaßungen und Kompetenzüberschreitungen – darüber kann auch die Polizei gut lachen.

„Einen Tag so sein wie der Eberhofer“ hat sich für Sie vielfach erfüllt. Wie groß ist die Schnittmenge zwischen Sebastian Bezzel und dem Franz?

Sobald ich die Jeans und die Lederjacke anziehe, bin ich Franz Eberhofer. Manches am Franz gefällt mir sehr. Er rennt keinem Trend hinterher, er ist nicht hysterisch. Er gibt wenig auf Autoritäten, sondern schaut sich die Menschen an, ganz egal wie wichtig oder unwichtig die sind. Auch ökologisch verhält sich Franz vorbildlich: Er braucht keine neuen Klamotten und ist mit seinem uralten Auto zufrieden. Allerdings hoffe ich, dass ich in manchen Dingen doch ehrgeiziger bin als der Franz. Es würde ihm nicht schaden, einmal ins Theater oder ins Kino zu gehen.

Wie viele seiner Lederjacken hängen im Fundus?

Von der Polizeijacke habe ich nur ein Exemplar, das ist mittlerweile richtig gut eingetragen. Für die Stunt-Leute gibt es bei Action-Szenen noch zwei Ersatzjacken. Weil der Stoff meiner Jeans inzwischen so richtig dünn geworden ist, bekam ich im siebten Film tatsächlich eine neue Hose – natürlich im 90er Jahre Stil.

Würde es Sie nicht reizen, zur Abwechslung einmal den Flaschner Flötzinger mit seiner Fellini-Brille zu geben?

Nein, der Heizungspfuscher liegt in den Händen von Daniel Christensen, der das ganz wunderbar macht. Die Brille ist übrigens ein Einzelstück, das mittlerweile im Safe von Constantin aufbewahrt wird, weil man sie nirgendwo mehr auftreiben kann.

Es gibt eine umwerfend komische Szene, in der Simon Schwarz als völlig bekiffter Ermittler ein albernes Verhör gemeinsam mit Ihnen führt –wie bleibt man in solchen Fällen ernst?

Was der Simon da geboten hat, ist einfach nur grandios. Dafür hätte er jeden Filmpreis verdient, denn es ist unglaublich schwer, einen ganzen Vormittag lang immer wieder solche Lachkrämpfe abzurufen. Umkehrt hatte ich größte Mühe, dabei nicht auch ins Lachen zu fallen – so lange wie für diese Szene hatten wir noch nie gebraucht. Der Schlüssel liegt in der Atemtechnik. Man muss stur auf sein Stichwort warten, darf an gar nichts denken und sollte ganz tief atmen.

Hätten Sie gerne einen wie den Eberhofer zum Freund?

Ja. Der ist ein ganz lustiger Typ, es ist sicher keine Freundschaft, von der man sich zu viel erwarten sollte. Und man darf auch nicht beleidigt sein, wenn er am Geburtstag nicht anruft. Aber ich glaube, dass man mit dem tolle Abende haben kann.

Wie lange wird es den Franz noch auf der Leinwand geben?

Solange die Bücher so gut sind, ist für mich kein Ende in Sicht. Simon Schwarz und ich haben während des Lockdowns einmal herumgesponnen, wie ein Eberhofer in Corona-Zeiten wohl aussehen würde. Sofort war klar, dass der Flötzinger der Corona-Leugner wäre, weil er nicht mehr in den Swinger-Club darf. Rudi hätte immer einen 1,50 Meter langen Stock dabei, um den Abstand zu messen. Oma würde Masken aus alten Kittelschürzen nähen. Und dem Papa wäre alles egal, wie immer. Diese Figuren aus dem Niederkaltenkirchen-Kosmos sind so gut gesetzt, dass sie einfach bei jedem Thema funktionieren.

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Erstellt:
30. Juli 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Juli 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2021, 06:00 Uhr

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