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Schulen müssen zu Kindern passen

Bildungspodium der Grünen mit NRW-Ministerin Löhrmann

Beim Bildungspodium der Grünen sprach am Samstag die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Sylvia Löhrmann vor 50 Leuten im Casino.

28.02.2011
  • Matthias Reichert

Tübingen. Vorab warb Löhrmann in einem Pressegespräch für Gemeinschaftsschulen. Von 19 Anträgen hat sie in Nordrhein-Westfalen 17 genehmigt, 40 weitere Schulträger hätten Interesse. Die Kommunen entscheiden, ob sie sich am Pilotprojekt beteiligen. Ausgenommen sind Gemeinden, wo weiterführende Schulen am Nachbarort bedroht wären.

Klassen fünf und sechs lernen gemeinsam

„In Deutschland müssen die Kinder zur Schule passen“, meinte Löhrmann, „dabei müssten eigentlich die Schulen dafür sorgen, dass sie zu den Kindern passen“: In den Klassen fünf und sechs der Gemeinschaftsschulen lernen die Kinder gemeinsam, danach entscheiden die Beteiligten, wie es bis Klasse zehn weitergeht. Das Pilotprojekt soll die unterschiedlichen Schulmodelle integrieren, auch gymnasiale Standards schaffen. Möglich sind neue pädagogische Konzepte, die zunächst Basiswissen vermitteln und dieses in Lerngruppen vertiefen.

Bildungspodium der Grünen mit NRW-Ministerin Löhrmann
Auf dem Bildungspodium der Grünen – von links: Rainer Drake, Patricia Erk, Sylvia Löhrmann, Wolfgang Wettach.Bild: Faden

Löhrmann will mit Gemeinschaftsschulen weiterführende Schulen in den Kommunen halten: „Ein Dorf ohne Schule ist kein Dorf. Vor Ort gibt es eine Aufbruchsstimmung, wie ich sie noch nie erlebt habe.“ Freilich lasse sich das Modell nicht ohne weiteres auf Baden-Württemberg übertragen, da es hier viel mehr Gemeinden gebe. In Schleswig-Holstein seien seit der Einführung durch die Große Koalition in sechs Jahren 120 solcher Schulen entstanden. „Ich bin Handlungsreisende in Sachen Bildung“ – nach Löhrmanns Rede moderierte der Tübinger Kandidat Daniel Lede Abal ein Podium. Die Inklusion von behinderten Kindern solle schon in Kindertagesstätten anfangen, forderte Wolfgang Wettach, der als Vorsitzender des Landeselternrates für vorschulische Einrichtungen zuständig ist. „Die Eltern wissen bei der Inklusion noch nicht genug, welche Möglichkeiten sie in Zukunft haben“, kritisierte Rainer Drake, Elternbeiratsvorsitzender der Tübinger Kindertagesstätten. Und zwei neue Kinderhäuser seien nicht rollstuhlgerecht.

Die Stuttgarter Kultusministerin Marion Schick will, dass Grundschulen und Kindergärten kooperieren. Dabei, so Löhrmann, „findet der entscheidende Bruch nach Klasse vier statt“. Sie erklärte: „Die Bildung unserer Kinder darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.“ Wettach warb dafür, „jedes Kind in seiner Unterschiedlichkeit wahrzunehmen“, seine speziellen Fähigkeiten zu entwickeln. Er nannte die französische Schule Tübingen als beispielhaft für individuelle Förderung.

Patricia Erk, die Elternbeiratsvorsitzende der Tübinger Schulen, forderte, die Bildungsempfehlungen in Klasse vier abzuschaffen und eine gemeinsame Orientierungsphase in den Klassen fünf und sechs einzuführen. Sie trat für flexiblere Anfangszeiten an den Schulen ein. Und Kinder sollten mit Lehrern gleichberechtigt sein.

„In Nordrhein-Westfalen haben die Eltern das letzte Wort“, sagte Löhrmann. Sie habe das Schulrecht geändert, die Drittelparität von Eltern, Schülern, Lehrern in den Schulkonferenzen eingeführt. Und die Kopfnoten abgeschafft: „Ziffernoten für das Betragen halten wir für keine angemessene Feedback-Kultur.“

Den Sprachstand dauernd überprüfen

Drake verlangte bessere Personalausstattung bei Erzieher(inne)n. „Es hört sich platt an: Die Eltern fordern mehr Geld für die Erzieher. Aber die Investitionen zahlen sich in der Zukunft aus.“ Wettach warb für eine soziale Staffelung der Beiträge und Beitragsfreiheit für Hartz-IV-Empfänger. Zudem forderte er, Grundschüler müssten über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Löhrmann warb für ständige Sprachstand-Tests und bei Bedarf für Sprachförderung. Man müsse beobachten, wo die Kinder stehen, um nachsteuern zu können. Halbjährliche Zeugnisse reichten nicht aus.

Anregungen aus dem Publikum: „Schulen sind auch ein Haus des Lebens und ein Haus der Demokratie“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann. Ein weiterer Zuhörer kritisierte „die verfilzte Kultus-Bürokratie“ im Land.

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28.02.2011, 12:00 Uhr
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