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Bilder von Max Pechstein im Kunstmuseum Ravensburg
Da liegt Lotte in der Sonne

Bilder von Max Pechstein im Kunstmuseum Ravensburg

Aktdarstellungen, sitzend, liegend, stehend: Körperstudien kann man derzeit zuhauf machen, wenn man sich die Werkschau des Expressionisten Max Pechstein im Kunstmuseum in Ravensburg anschaut.

02.12.2015
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Ravensburg. Egal, wohin man in dieser Ausstellung im Ravensburger Kunstmuseum auch blickt, die Augen registrieren Körper, Körper und nochmal Körper. Und genau darauf hat es die Direktorin des Hauses, Nicole Fritz, abgesehen. Sie will uns klarmachen, welche künstlerische Anliegen dieser aus Zwickau stammende deutsche Expressionist Max Pechstein zu Anfang des vorigen Jahrhunderts auf dem Herzen hatte. Zuallererst hat ihn diese damals nun wirklich überall ablesbare Sehnsucht nach den von der städtischen Bourgeoisie noch nicht völlig vereinnahmten Naturgefilden umgetrieben, die Wandervogelbewegung und auch die Nudistenverbände waren in jenen Aufbruchzeiten in Sachen Freizeitbeschäftigung ja begehrte Anlaufstellen.

Diese Zurück-zur-Natur-Euphorie hatte sich verständlicherweise auch in den Künstlerköpfen festgesetzt, und so stehen gerade unsere Expressionisten wie auch Max Pechstein mit nahezu ihrem gesamten Schaffen für diesen Wunsch nach der Sprengung aller zivilisatorischen Fesseln.

Hemmungslos haben sie sich den Frust über ihre jede Kreativität abtötende akademische Schulung von der Seele gemalt. Die Farben und Formen explodierten, und bis heute ist die Bewunderung für diese uns offerierten Traumwelten ungebrochen.

Was sich da mit der Kraft der Fantasie verändern kann, welche Visionen sich da auftun, genau dies wird bei Max Pechstein spürbar, wenn man sich seinen Malerkittel anzieht und sich seine Körperbefragung zu eigen macht. Man kann dieser Körpererforschung gar nicht entgehen, denn da hängen über zwei Stockwerke verteilt hundert und mehr Aktbilder, Akte liegend, sitzend, stehend, Figuren im Frühling, Figuren im Sommer, Figuren am Ufer, Figuren im Wasser. Es gibt die frische Brise am Strand, es gibt reichlich Badeszenen, es gibt Karneval und Tänzer, es gibt die Mutter mit Kind, es gibt zwei Mädchen in der Hängematte und es gibt auch die Vertreibung aus dem Südsee-Paradies.

Die Körper sind immer dabei, sie mäandern, sie verformen sich ständig. Im Spätwerk von Pechstein, beispielsweise in dem Bild "Am Strand" von 1954, begegnen uns erstarrte, zu Schemen gefrorene gesichts- und geschlechtslose Papp-Gestalten, im Frühwerk dagegen sind ausladende Rubens-Figuren im Bild, wie etwa Pechsteins erste Frau Lotte, die sich immer wieder ins wilde Grün und in die pralle Sonne legen musste, weil Pechstein am liebsten Freunde und Familienangehörige vor die Staffelei holte. Mit denen ließ sich gut arbeiten, und man musste sie obendrein nicht bezahlen.

Wer sich die Frage stellt, wie die Expressionisten gearbeitet haben, für den ist diese Ravensburger Werkschau einfach ein Muss. Zudem wird er aus dem Munde von Julia und Alexander Pechstein, den Enkeln des Malers, erfahren, wie abenteuerlich das Leben dieses Brücke-Künstlers Max Pechstein (1881-1955) verlaufen ist.

Info "Max Pechstein - Körper - Farbe - Licht": bis 10. April im Kunstmuseum Ravensburg, Burgstraße 9; Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Do 11-19 Uhr; Eintritt 6 Euro, Ausstellungskatalog 28 Euro; Infos:

http://www.kunstmuseum-ravensburg.de

Ausgezeichneter sinnlicher Lernort

Museum des Jahres Die deutsche Sektion des international besetzten Kunstkritikerverbands AICA hat das Ravensburger Kunstmuseum vergangene Woche direkt neben das Frankfurter Städel, das Kölner Kolumba, das Herforder MARTa und das Dresdner Kupferstichkabinett platziert und es als „Museum des Jahres 2015“ ausgerufen. Für dieses junge und meist sehr bescheiden auftretende Kunstinstitut ist das eine recht außergewöhnliche, große Ehrung: Für Nicole Fritz, die 1969 in Ludwigsburg geborene Kunsthistorikerin, die 2002 zum Thema „Bewohnte Mythen. Joseph Beuys und der Aberglaube“ promovierte und 2011 zur Leiterin des damals noch im Bau befindlichen Ravensburger Museums berufen wurde, kam diese Auszeichnung jedenfalls „völlig überraschend“. Allerdings hat sie sich zusammen mit ihrem relativ kleinen Team von der Eröffnung des Hauses im Jahr 2013 an bemüht, dieses Haus als ein „Leuchtturmprojekt“ zu verstehen und es zu einem überregional bedeutenden und zeitgemäßen „Museum für alle“ zu machen. Dieses Konzept scheint jetzt aufgegangen zu sein.

Alleinstellungsmerkmal

Museumschefin Nicole Fritz sagt zu ihrer Konzeption: „Sicherlich war für die Entscheidung wichtig, dass wir die Selinka-Sammlung mit den expressionistischen Werken, mit den Arbeiten der Gruppe Cobra und denen der Gruppe Spur ernst genommen haben und dass wir sie zeitgemäß aufbereitet haben, weil sie etwas repräsentieren - nämlich Authentizität - was ganz zeitgemäß ist und was auch wieder in die Zukunft weist. Alles, was wir bisher gemacht haben, war, dieses Profil zu stärken, es auch als Alleinstellungsmerkmal zu kommunizieren und zu vermitteln. Wir wollten aus dem Museum eben einen sinnlichen Lernort machen, was ja auch in der Sammlung als Qualität schon angelegt ist. Das heißt, ich habe nicht meine Ausstellungen gemacht, die ich immer schon machen wollte, sondern ich habe mich in den Dienst der Sammlung und in den Dienst des Hauses gestellt und ein modernes Museum aufgebaut.“

Architektur Die Kunstkritiker haben aber auch der Architektur des Ravensburger Kunstmuseums in der Burgstraße einen Vorbildcharakter bescheinigt und sie haben außerdem herausgestrichen, dass Ihre Ausstellungen nicht nur hervorragend präsentiert, sondern auch allgemeinverständlich für ein größeres Publikum erschlossen sind.

Zu diesem Thema erklärt Museumsleiterin Fritz: „Ja richtig, das spielte sicher alles eine Rolle, aber ich glaube, dass unsere Programmatik bei der Entscheidung wichtig war, das heißt die Ausstellungsinszenierung, dass man die Werke immer künstlergerecht und aktuell zu vermitteln versucht. Man muss sich immer fragen, was ist das Zeitgemäße an diesem Künstler - wie jetzt gerade bei Max Pechstein etwa die Körperthematik. Wir versuchen einfach, die Künstler aus unserer Zeit heraus neu und spannend vorzustellen.“

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02.12.2015, 08:35 Uhr
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