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Bilder reisen in Klimakammern
Der Gothaer Altar im Aufbau. Dieser Altar war 1538 ursprünglich für den Württemberger Regenten hergestellt worden, für die Dauer der Landesausstellung kehrt er an seinen eigentlichen Bestimmungsort Stuttgart zurück. Foto: Staatsgalerie Stuttgart
Staatsgalerie

Bilder reisen in Klimakammern

Aus Paris, Washington oder Rom stammen die Werke für die Schau „Meister von Meßkirch“. Logistik und Aufbau sind eine Herausforderung.

05.12.2017
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Das Licht ist noch gedämmt in den Ausstellungsräumen, die Grafiken, die schon an der Wand hängen, sind zum Schutz mit Papier zugedeckt. Acht große Holzkisten warten darauf, geöffnet zu werden. Die meisten sind als Klimakammern ausgestattet und müssen sich mindestens 24 Stunden lang mit den 21 Grad warmen Räumen der Stuttgarter Staatsgalerie anfreunden, bevor sie unter den strengen Augen der eigens angereisten Kuratoren aus dem jeweiligen Herkunftsland geöffnet werden.

Gemeinsam mit den Restauratoren der Staatsgalerie wird jedes Bild sorgfältig mit Lupe und Licht auf eventuelle Transportschäden untersucht und der Zustand protokolliert. Schäden von einer Reise habe sie allerdings noch nie gesehen, sagt Andrea Brodbeck. Die studierte Kunsthistorikerin ist die Ausstellungskoordinatorin für die Landesausstellung, sprich die Kunstmanagerin, bei der alle Fäden zusammenlaufen. „Die Bilder reisen ja wie in Abrahams Schoss“, sagt sie. Vor der Heimreise, wenn die Schau zu Ende geht, wird erneut so genau geprüft.

Am Montag rollte der letzte Wagen vor den Hintereingang der Staatsgalerie, fünf Tage vor Eröffnung der Großen Landesausstellung zum „Meister von Meßkirch“. An diesem Freitag fällt der Startschuss. Während sich in Baden-Württemberg weithin die Reformation mit ihrer nüchternen Kirchenkunst durchsetzte, hielt der unbekannte Künstler aus dem Schwäbischen am Katholizismus fest und malte farbenprächtige und vor Gold strotzende Altarbilder.

Vor drei Wochen kam das erste Ausstellungsstück, erzählt Karin Hämmerling, die als Registrarin den Leihverkehr für die Landesausstellung regelt. Die gelernte Kauffrau arbeitet seit 1984 – dem Jahr, in dem der Stirling-Neubau eröffnet wurde – für die Staatsgalerie. Vor zweieinhalb Jahren hat sie die erste Anfrage rausgeschickt, ob die Besitzer bereit seien, ihr Werk auszuleihen. Sie ist gespannt: „Wenn vermutlich heute noch alle Bilder hängen, wenn alle Kisten raus sind, wird eingeleuchtet. Dann sieht man zum ersten Mal, wie die Ausstellung insgesamt wirkt.“

Ein spezialisierter Kunstspediteur brachte die hoch versicherten Werke – das Land übernimmt die Haftung – aus dem Pariser Louvre, den Vatikanischen Museen in Rom, der National Gallery in Washington, aus Innsbruck, Prag, Stockholm, Wien, München und Künzelsau und natürlich auch aus Meßkirch nach Stuttgart.

Keines der Meisterwerke reiste allein. Denn was, wenn der Fahrer des Transporters mal einen Kaffee gebraucht hätte oder der Wagen Sprit? Die Vorschriften sind rigide. Zwei Begleiter sind vorgeschrieben. Einer muss immer beim Kunstwerk bleiben.

„Große Landesausstellung heißt es deshalb, weil die stolze Zahl von 188 Exponaten gezeigt wird“, erklärt Andrea Brodbeck. Sie koordiniert sämtliche Zeit- und Ablaufpläne für Ausstellungen und die Sammlung. Früher hat die gebürtige Stuttgarterin selbst Ausstellungen kuratiert. „Aber dann habe ich gemerkt, dass mir das Organisieren liegt. Ich bin hier mittendrin und setze die Konzepte der Wissenschaftler um“, sagt sie. Trotz Vorbereitungstrubels ist sie die Ruhe selbst. „Wir versuchen den Stress durch gute Planung abzufangen. Ich könnte Ihnen jetzt schon zeigen, was wo in der nächsten Winterausstellung 2018 hängen wird.“

Neben der Größe der Ausstellung stellt diesmal auch die Vielfalt der Exponate eine Herausforderung dar: Materialien wie Holz oder Pergament und Gegenstände wie Bibeln und Becher, aber auch höchst umfangreiche Altäre gilt es, attraktiv und sicher zu platzieren. Brodbeck hat deshalb in den vergangenen Wochen viele der insgesamt 175 Mitarbeiter der Staatsgalerie und eine ganze Liga von internen und externen Innenarchitekten, Schreinern, Malern oder Technikern beschäftigt.

Sie sorgten dafür, dass mit speziellen Aufbauten über Jahrhunderte verzogene Holztafeln oder der zimmerfüllende Wandelaltar aus Gotha bestens präsentiert werden können. „Es ist manchmal wie ein Puzzle“, sagt sie. „Wir versuchen alle Eigenheiten eines Werks mit unserer Konstruktion aufzufangen.“ Fehlende Teile werden durch farblich passende Tafeln ersetzt, die die Lücken erkennen lassen, aber dennoch für einen harmonischen Gesamteindruck sorgen. Besonders sensible Stücke müssen in Klimavitrinen präsentiert werden.

Bereits seit 2014 ist Kuratorin Elsbeth Wiemann mit Konzept, Planung und Umsetzung der Landesausstellung beschäftigt und erkennbar ein Fan des Meisters. Hat sie dennoch einen Favoriten? „Vielleicht den Meßkirchner Hochaltar mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige. Wenn man vor diesem Gemälde steht, spürt man die festliche Stimmung der Weihnachtszeit.“ Da kommt die Eröffnung am Freitag dieser Woche ja genau richtig.

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05.12.2017, 06:00 Uhr
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