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Hemdenhersteller Olymp produziert zwar im Ausland, entwickelt wird aber am Stammsitz

Bietigheim ist Herz und Kopf

Obwohl der Markt umkämpft ist, wächst der Hemdenhersteller Olymp stetig. Am Stammsitz in Bietigheim-Bissingen laufen alle Fäden des größten Hemdenproduzenten Baden-Württembergs zusammen.

18.02.2016

Von MELANIE BRAUN

"Wir sind auf Innovationen angewiesen", sagt Olymp-Chef Mark Bezner. Fotos: Ferdinando Ianonne

Bietigheim-Bissingen. In der Halle ist Bewegung: Tausende Hemden ziehen vorbei, sie werden in speziellen Taschen, die an einer Schiene hängen, von A nach B geschickt. Auf Förderbändern laufen parallel Kartons in verschiedene Richtungen. Bereits gefüllte werden zum Warenausgang transportiert, die leeren zu den Packstationen. Fast alles läuft vollautomatisch, vom Wareneingang über die Lagerung bis hin zum Zusammensuchen der Produkte für eine Bestellung: Das Logistikzentrum des Hemdenherstellers Olymp ist eine Hightech-Stätte.

Hier können pro Stunde 1500 Warenkartons automatisch angenommen werden, im Lager ist Platz für 265 000 Kisten mit vier Mio. Herrenoberteilen. Das Familienunternehmen, das von Mark Bezner geführt wird, wächst ständig. Allein seit 2001 habe es sechs Erweiterungen am Standort Bietigheim-Bissingen gegeben und seit den 90er Jahren sei die Zahl der Mitarbeiter um das Fünffache auf bundesweit nun rund 760 gestiegen, berichtet Marketingleiter Marc Fritz. 2015 hat der Hemdenproduzent den Umsatz um 5,1 Prozent auf 237 Mio. EUR gesteigert. "Wir sind verhalten optimistisch für 2016", sagt Bezner.

Wohl auch, weil der Hemdenhersteller mit einer modischen Innovation in das Jahr startet: Vom Herbst an wird ein Hemd mit einem ganz neuen Schnitt auf den Markt kommen. Das "Olymp Nr. 6 Super Slim" ist ein stark tailliertes Businesshemd, mit dem das Unternehmen eine junge, figurbewusste Zielgruppe ansprechen will. Olymp setzt immer mehr auf sportlichen Chic.

Seit der Übernahme des Münchner Strickwaren-Herstellers Maerz im Jahr 2010 bietet das Unternehmen auch Pullis und Strickwesten an. "Der Megatrend der letzten Jahre ist die Casualisierung, der Stil wird immer sportiver", sagt Bezner. Um Casual-Ware vermarkten zu können, seien Strickprodukte unerlässlich.

Aber auch sonst lege seine Firma Wert auf Neuheiten. "Wir sind auf Innovationen angewiesen." Deshalb tüftelten die Designer stets an Kragen- und Manschettenformen. Mit dem Olymp Nr. 6 gibt es die Olymp-Hemden in fünf Schnitten, mit zehn Kragenversionen, fünf Ärmellängen und in 17 Größen. Olymp hat eine eigene Design-Abteilung mit mehr als 20 Mitarbeitern. Trend-Scouts, Produktentwickler und Gewebespezialisten arbeiten in Bietigheim-Bissingen zusammen, um die Produkte weiter zu entwickeln.

Produziert wird schon lange nicht mehr am Firmensitz. Bereits Anfang der 70er Jahre wurde das Werk in Bietigheim geschlossen. Das Aus für die letzte deutsche Produktionsstätte im Allgäu folgte 1988.Inzwischen hat Olymp zwei Werke in Mazedonien und eines in Kroatien. Das Gros der 12 Mio. Teile im Jahr wird aber in Asien hergestellt. Das wichtigste Werk stehe in Indonesien, sagt Bezner. Drei weitere Fabriken befinden sich in China, Vietnam und Bangladesch, zudem übernahm Olymp das Werk von Maerz in Ungarn. Sein Unternehmen achte auf angemessene Arbeitsbedingungen in den Fabriken, betont Bezner: "Das ist auch qualitätsentscheidend." Wer in einem miesen Umfeld arbeite, könne keine Qualität liefern. Diese werde akribisch gesichert: Sämtliche Produkte kommen nach Bietigheim-Bissingen und werden hier geprüft.

Die Doppelstadt ist das Zentrum für alle Aktivitäten der Firma. Hier werden neue Modelle kreiert, Prototypen gefertigt, von hier aus wird der Einkauf gesteuert, die Produktionsplanung organisiert und die Technik überwacht. "Bietigheim ist das Herz und der Kopf von Olymp."

Das zeigt sich auch im eigenen Labor, wo Qualitätsprüfungen stattfinden. Hier hängen Stoffe auf Wäscheleinen, um auf Reißfestigkeit überprüft zu werden. Der Qualitätsverantwortliche Tobias Elbert spannt den Stoff nur kurz und schnell zwischen den Händen und weiß dann, ob er etwas taugt. Er testet die Wascheigenschaften, Farbechtheit - und Pflege-Anforderungen. Schließlich stehe Olymp auch für pflegeleichte Produkte, sagt Marketingleiter Marc Fritz. Die meisten gälten als bügelfrei, lediglich legere Freizeithemden seien nur "bügelleicht", doch bei diesen seien einige lässige Falten durchaus gewollt. Schließlich liegt Casual im Trend.

Die fertig produzierten Hemden werden in speziellen Taschen durch das Logistikzentrum am Stammsitz in Bietigheim-Bissingen transportiert.

Marktprognosen fallen unterschiedlich aus

Olymp Die Olymp Bezner KG wurde 1951 von Eugen Bezner gegründet und ist noch heute ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Die Firma ist spezialisiert auf Herren-Oberbekleidung, also Business- und Freizeithemden, Polos, Krawatten und Strickwaren. Der wichtigste Markt ist Deutschland, die Exportquote beträgt rund 34 Prozent.

Branche Zur Zukunft der Hemdenbranche gibt es verschiedene Prognosen. Während man bei Olymp davon spricht, die Umsätze seien rückläufig (wenn auch nicht im eigenen Unternehmen), sieht man beim Fachmagazin Textilwirtschaft gerade hier großes Potenzial: In der Männermode werde jeder fünfte Euro inzwischen mit Hemden verdient, bei kaum einem anderen Produkt würden Kunden so häufig in der Saison zugreifen. Der Branchenverband Südwesttextil sagt dennoch einen schrumpfenden Hemdenmarkt in Deutschland voraus. Während 2014 noch 2,1 Mrd. Euro Verkaufswert erzielt worden seien, waren es 2015 nur noch 1,96 Mrd. Euro. Laut Verband ist Olymp der größte Hemdenhersteller im Südwesten.mb

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Erstellt:
18. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
18. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2016, 08:30 Uhr

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