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Weiber-Wirtschaft

Bier en vogue

Gerlinde Müller-Riemann stand eines schönen Tages bei 30 Grad inmitten einer illustren Runde eines hochklassigen Events und wollte ein Bier trinken. Statt Champagner oder Wein. Der Barkeeper war jedoch nicht sonderlich begeistert, hatte er doch die Anweisung, genau dieses nicht auszuschenken, denn schließlich sei Bier „nicht salonfähig“. Gerlinde Müller-Riemann kam zwar zu ihrem Bier, doch wollte sie genau diesen Zustand ändern. Das Ergebnis: Blondine und Brunette – crafted Bier, das nicht nur gut aussieht, sondern auch so schmeckt.

05.10.2018
  • TEXT: Simone Maier|FOTOs: privat

Die Mutter, von Beruf Schneiderin, hat die beiden Schwestern Gerlinde und Gertrude immer gleich angezogen. Doch war die eine blond, die andere brünett. So sind die beiden zwar immer gleich angezogen aus dem Haus gegangen, haben sich aber spätestens nach der ersten Kurve hinter einem Baum umgezogen und konnten dann auch klar unterschieden werden. Die Blonde war Gerlinde, die Brunette Gertrude. Heute variiert die Haarfarbe manchmal, doch eins, das bleibt, ist der Name des Bieres, das Gerlinde Müller-Riemann auf den Markt gebracht hat: Blondine und Brunette.

Müller-Riemann hat 1995 bei Hugo Boss in Metzingen angefangen zu arbeiten. Dort ist sie durch eine harte Schule gegangen, hat sich dem Thema „Lifestyle“ verschrieben und hat in den letzten 20 Jahren gelernt, selbst auf kleinste Details zu achten. Die Idee, irgendwann selbst ihr eigenes Produkt auf den Markt zu bringen, gärte lange in ihrem Kopf. Nach dem Sommererlebnis in Monaco, wo sie hätte Champagner trinken sollen, so gerne aber ein Bier wollte, war die Idee geboren: ein Bier, das salonfähig ist, das auch in einer Frauenhand gut aussieht und ganz wichtig: das toll schmeckt. Denn dieses Erlebnis, dass die Verpackung zwar hip ist, das Produkt aber zum Weglaufen schlecht, kannte Müller-Riemann zur Genüge. Auch vice versa gab es nur allzu oft: ein tolles Produkt, aber eine unansehnliche Verpackung.

Mit Blondine & Brunette wollte Müller-Riemann nichts dem Zufall überlassen. Ein hoher Anspruch an die Produktqualität und eine anmutige Verpackung. So nahm die Unternehmerin eine zweijährige Auszeit vom Job und begab sich im Mai 2015 auf die Suche nach Brauereien. Zuerst rief sie in halb Belgien an. Denn Belgien gehört zu den Ländern mit den meisten Biersorten und es gibt dort viele edle Tropfen, die mit Champagnerhefe vergoren werden. Aber eigentlich wollte sie in Deutschland produzieren lassen. Nach intensiver Suche ist sie fündig geworden: Eine kleine, private Brauerei am Chiemsee braut nun ihr Bier – ganz nach dem bayerischem Reinheitsgebot. Zur Vergärung wird anstatt herkömmlicher Bierhefe eine exklusivan der Universität Weihenstephan gezüchtete Champagnerhefe verwendet, die den Fruchtzucker übrig lässt und somit das Bier nicht so „hopfig“ schmecken lässt. Es entsteht ein Produkt mit 5,8 Prozent Alkoholgehalt und einem Mindesthaltbarkeitsdatum von zwei Jahren. Abgefüllt werden Blondine und Brunette in 0,33 l Champagner-Flaschen, die im Eiskübel drapiert werden können, ohne dass ein Etikett später „oben auf“ schwimmt. Im Siebdruckverfahren wird das Etikett direkt auf die Flasche gedruckt. Mit 24000 Flaschen ist sie ins erste Jahr gestartet. Langsam, aber stetig soll diese Zahl aber gesteigert werden.

Zwei Restaurants mit Michelin-Stern haben Blondine und Brunette bereits auf ihrer Karte stehen. Weitere Vertriebskanäle strebt die quirrlige Unternehmerin an. Der online-Handel wird bis dato noch ganz à la Steve Jobs in der Garage abgewickelt. Statt Autos stehen dort die Paletten mit den Holzkisten für die Bierflaschen; auch die Packstation ist in der Garage eingerichtet. Der andere Teil der 24000 Flaschen liegt in einem nahegelegenen Lager, wo sie sich eingemietet hat.

Für ihre Idee hat die Linsenhofenerin einen Kredit bei der Hausbank aufgenommen und mit den Nachbarn, selbst passionierte Biertrinker, einen running Gag ins Leben gerufen: Sobald sie mit ihren Blondinen und Brunetten die Ein-Million-Euro-Marke knackt, lässt sie sich das schmucke Logo auf den Oberarm tätowieren. „Die Nachbarin hat vor kurzem meinen Ärmel hochgeschoben und nachgeschaut,“ schmunzelt Müller-Riemann. Mal sehen, ob und wann sie sich nach einem Tattoo-Studio umschauen muss.

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05.10.2018, 07:59 Uhr
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