Kaufland

Bier aus altem Brot umstritten

Die Supermarktkette bietet zunächst in acht Filialen das Getränk aus nicht verkauftem Weißbrot an. Brauer kritisieren Zusatzstoffe und Enzyme des Gebäcks.

02.09.2021

Von CAROLINE STRANG

Bier aus Brot wie schmeckt denn das? Kaufland bietet die Spezialität an. Foto: Kaufland

Heidelberg. Die erste große Supermarkette setzt nun auf ein trendiges Nischenprodukt: Kaufland vertreibt Brotbier, der Dreier-Pack kostet 3,99 Euro. Bisher kann man es zwar nur in acht Filialen in Heidelberg, Mannheim, Dossenheim, Speyer und Schwetzingen kaufen, aber das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der CraftCell Brauerei aus Heidelberg läuft, könnte größer werden. „Entsprechend der Nachfrage unserer Kunden und der Kapazitäten des Herstellers werden wir das Angebot weiter ausbauen“, sagt eine Kaufland-Sprecherin. Mit dem Brotbier habe man „das Sortiment um ein weiteres regionales und nachhaltiges Produkt erweitert.“

Kaufland ist damit in Deutschland der erste große Händler, der auf die neue Verwertung von altem Brot setzt – wenn auch derzeit noch in kleinem Ausmaß. Spar in Österreich hat damit schon 2018 losgelegt und in Zusammenarbeit mit Gusswerk, einer Brauerei aus Salzburg, Bio-Brot und Brötchen wiederverwertet, wie das Branchenmagazin „Lebensmittelzeitung“ berichtet. Auch in Finnland gibt es ähnliche Initiativen, die auf das „Zero-Waste-Bier“ setzen, das „Null-Müll-Bier“. Auch Aldi hat Bread Beer im Angebot, bisher allerdings nur in Portugal. Das Projekt auf Deutschland auszuweiten, ist wohl vorerst nicht geplant.

Das Prinzip hinter dem ungewöhnlichen Gerstensaft ist einfach: Nicht verkauftes Brot aus den lokalen Bäckereien der Warenhäuser werden eingesammelt und ersetzt im Brauvorgang einen Teil des Malzes. „Für das Bier wird vor allem Weißbrot genutzt, weshalb es geschmacklich an ein Kellerbier erinnert“, sagt eine Kaufland-Sprecherin. Voraussetzung für die Verarbeitung sei, dass das Brot vorher getrocknet wird. Es handle sich um ein Frischbier, das weder filtriert noch pasteurisiert wurde.

Die Brau-Branche steht dem Bier aus Brot eher skeptisch gegenüber. „Ich finde, Bier ist Bier und Brot ist Brot“, sagt der Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Brauerbundes, Hans-Walter Janitz. Man verkaufe hier etwas als nachhaltig, die Lösung des Problems des vielen überschüssigen Brotes liege aber in einer besseren Planung, nicht in einer kreativen Verwertung.

Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher des bundesweiten Deutschen Brauer-Bunds, sagt, Bier aus Brot sei ein Widerspruch in sich. Denn Bier sei in Deutschland als Erzeugnis eben klar definiert mit den natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. „Da Brot nach deutschem Recht keine zulässige Zutat für Bier ist, kann allein schon deshalb mit Brot kein ,Bier' hergestellt werden.“ Noch fragwürdiger seien einzelne Zutaten, die Brot enthält, nicht zuletzt Zusatzstoffe und Enzyme, die eben gerade nicht bei der Herstellung von Bier nach deutschem Reinheitsgebot verwendet werden dürften. Da könnte es laut Janitz auch Probleme bei der Deklaration der Zutaten geben. Die CraftCell Brauerei aus Heidelberg verweist darauf: „Übrigens dürfen wir das Brotbier auch tatsächlich ,Bier' nennen – offiziell bestätigt vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.“

Doch wie schmeckt das Getränk eigentlich? Es werde letztlich vom Anteil des Brotes an den Zutaten abhängen, ob ein mit Brot gebrautes Getränk geschmacklich mit Bier in Verbindung zu bringen ist, sagt Huhnholz ganz allgemein. Janitz sagt, wie normales Bier könne es nicht sein, eher wie ein Craft Beer. „Das kann schon interessant schmecken, probiert habe ich es aber noch nicht.“ Die Brauerei selbst beschreibt es so: „Ein süffig-würziges und rundes Geschmackserlebnis, welches ganz besonders anmutet.“

Huhnholz weist darauf hin, dass die herstellenden Unternehmen verpflichtet seien, das geltende Recht einzuhalten. „Nach unserer Kenntnis prüft derzeit die Lebensmittelüberwachung eines Bundeslandes die Rechtmäßigkeit eines sogenannten ,Brotbieres'.“ Kollege Janitz geht nicht davon aus, dass das Brotbier zum Trend wird. Die derzeitigen Braumengen seien „in Brauerdimensionen gedacht nur homöopathisch“.

Für das Getränk wird nicht verkauftes Brot aus Bäckereien eingesammelt. Foto: Uwe Anspach/dpa

Zum Artikel

Erstellt:
2. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. September 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App