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Wegen des Baus eines Flüchtlingsheims: Erst politisch attackiert, dann angefeindet

Bezirksbürgermeister tritt nach Drohungen zurück

Der Bezirksbürgermeister von Oferdingen, Ralph Schönenborn, ist nach Anfeindungen und Drohungen zurückgetreten. In dem Reutlinger Teilort hatte es Streit um den Bau eines Flüchtlingsheims gegeben.

14.10.2015
  • RALPH BAUSINGER THOMAS DE MARCO

Bezirksbürgermeister tritt nach Drohungen zurück
Bezirksbürgermeister Ralph Schönenborn hat wegen seiner Zustimmung für den Bau eines Flüchtlingsheims Drohbriefe und -anrufe erhalten. Foto: Jan Zawadil

Reutlingen. "Ich trete mit sofortiger Wirkung vom Amt des Oferdinger Bezirksbürgermeisters und auch als Bezirksgemeinderat zurück." Die Erklärung Ralph Schönenborns schlug gestern in Reutlingen-Oferdingen ein wie eine Bombe. Seit Wochen gehen in dem 2400 Einwohner zählenden Ortsteil die Wogen hoch wegen des Baus einer Unterkunft für 76 Flüchtlinge. Zuletzt wurde bei einer Infoveranstaltung der Stadt scharf diskutiert.

Schönenborn hatte den Bau der Unterkünfte befürwortet - anders als die große Mehrheit des Bezirksgemeinderats. Letztendlicher Anstoß für den Rücktritt waren allerdings Drohungen per Brief und auf dem Anrufbeantworter, die der Lokalpolitiker erhalten hatte. Dabei ist wohl auch gedroht worden, die Flüchtlingsunterkunft anzuzünden. Seit Freitag ermittelt der Staatsschutz der Reutlinger Polizei wegen der Bedrohung Schönenborn, bestätigt eine Sprecherin.

Dieser verteidigte in seinem Rücktrittsschreiben erneut seine Position: In Oferdingen gebe es ein Grundstück im Eigentum der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft GWG mit bestehendem Baurecht. Die Stadt müsse diese Chance ergreifen und dort eine Sammelunterkunft schaffen. "Auch in den anderen Reutlinger Bezirksgemeinden sowie in der Kernstadt werden Flüchtlinge aufgenommen", sagte er. Auch dort seien Diskussionen über die richtige Art der Unterbringung im Gange. Doch diese würden "bei Weitem nicht so erbittert geführt wie in Oferdingen", schrieb Schönenborn.

Natürlich könne man über diesen Standpunkt diskutieren. "Wir alle in Deutschland suchen doch den richtigen Weg, mit einer solchen Völkerwanderung angemessen umzugehen", erklärte Schönenborn. Doch es eine Grenze überschritten, "wenn Verunglimpfungen und Drohungen gegen Andersdenkende die Auseinandersetzung in der Sache belasten". Er sei überzeugt, dass die Oferdinger in ihrer großen Mehrzahl nicht fremdenfeindlich seien und auch die Schärfe der Auseinandersetzung nicht billigten.

Als Reaktion auf Schönenborns Schritt hatte Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch (parteilos) kurzfristig zur Pressekonferenz eingeladen. Sie zeigte Verständnis für den Schritt des Bezirksbürgermeisters. Zudem könne sie auch die Ängste und Sorgen der Bürger nachvollziehen. Diese dürften aber nicht "leitgebend für Entscheidungen" sein, so Bosch.

"Wir werden die Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung und die Integration derjenigen mit Bleiberecht nur meistern, wenn die ganze Stadtgesellschaft dahinter steht", erklärte die Oberbürgermeisterin. Sie teile allerdings Schönenborns Meinung, dass die Mehrheit in Oferdingen nicht fremdenfeindlich sei. "Allerdings sei die Kontroverse dort besonders groß."

"Wir sind sehr betroffen über den Rücktritt", erklärten gestern auch das Kollegium der Reutlinger Bezirksbürgermeister. Sie sicherten Schönenborn "Solidarität und Respekt" zu. Brisanterweise steht heute die Sitzung des Oferdinger Bezirksgemeinderats an. Auf der Tagesordnung: Der Baubeschluss der geplanten Unterkunft für Flüchtlinge.

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