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Betrug beim Online-Einkauf: Nepp statt Schnäppchen
Ein Zollmitarbeiter zeigt am 11.04.2017 in Schkeuditz (Sachsen) beim Zollamt des Flughafen Leipzig-Halle einen im Rahmen von Produktpiraterie gefälschten Turnschuh der Marke Adidas Yeezy. Foto: dpa
Fälschungen im Netz: Sofort widerrufen

Betrug beim Online-Einkauf: Nepp statt Schnäppchen

Was tun, wenn sich im Internet bestellte Produkte bei der Lieferung als Fälschung entpuppen? Wir geben Tipps, wie sich Verbraucher wehren können.

24.02.2018
  • PHILIPP KOEBNIK

Ulm. Ein Polohemd von Lacoste für 47 EUR oder USB-Sticks mit 2 Terabyte Flash-Speicher für unter 40 EUR: Was Schnäppchenjäger frohlocken lässt, stellt sich oft als Fälschung heraus. Händler und Produzenten nachgemachter Produkte nutzen nicht zuletzt den Liefer-Riesen Amazon als Plattform für ihr kriminelles Geschäft. Schon länger sieht sich der Konzern dem Vorwurf ausgesetzt, nicht genug gegen den Handel mit Produktfälschungen zu unternehmen. Der deutsche Schuhhersteller Birkenstock hat deshalb die Zusammenarbeit mit Amazon beendet.

Immer wieder gibt es Meldungen über gefälschte Produkte bei Amazon. Als die Computerzeitschrift „c‘t“ dort 2015 zwölf „Originalakkus“ für Samsung-Smartphones orderte, stellte sich nach einer Überprüfung heraus, dass kein einziger davon echt war. Ein Jahr später tauchten bei Amazon gefälschte Grafikkarten auf, im Sommer 2017 dann gefälschte Computerprozessoren.

Günstig geht auch legal

Allerdings: Ein günstiger Preis reicht als Alarmsignal nicht aus. So liegen die Einkaufspreise für Parfums häufig bei einem Drittel oder weniger des offiziellen Listenpreises, den der Handel verlangen kann. Daher können Drogerie-Discounter, ob online oder offline, Kosmetikprodukte durchaus für weniger als die Hälfte des sonst üblichen Preises anbieten.

Der Kern des Problems: Markenhersteller haben auf Amazon – anders als im stationären Handel – keine Kontrolle darüber, wer ihre Waren anbietet. Bei Ladengeschäften kann ein Unternehmen sich darauf beschränken, seine Produkte nur über bestimmte Händler zu offerieren. Bei Amazon hingegen können auch Dritte, die in keiner direkten Beziehung zum Hersteller stehen, dessen Markenprodukte anbieten.

Häufig ist das Geld weg

Ist man einem Betrug aufgesessen, sollte man sofort aktiv werden. „Einen Online-Einkauf kann man in der Regel 14 Tage widerrufen. Wenn es sich bei dem Anbieter jedoch um einen Betrüger handelt und per Vorkasse bezahlt wurde, ist das Geld in der Regel weg“, sagt Niklaas Haskamp, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dort häuften sich in letzter Zeit Anfragen und Beschwerden zu „Fake-Shops“, so Haskamp: „Darunter verstehen wir Internetseiten, auf denen Produkte beworben werden, die dann nach Zahlung per Vorauskasse gar nicht geliefert werden. Oder es kommt nur minderwertige Ware statt des versprochenen Markenartikels an.“ Auch über gefälschte Produkte auf dem Amazon-Marktplatz erhalte man gelegentlich Beschwerden.

Um ihre Rechte zu wahren, stellen Hersteller bei grenzüberschreitendem Handel einen Antrag auf Beschlagnahme. Stichprobenartig greift der Zoll auffällige Waren heraus und schickt sie zur Untersuchung an den Originalhersteller. Produktfälschungen, die der Zoll aufgreift, werden „im Wesentlichen vernichtet“, so Ruth Haliti, Sprecherin des Zollkriminalamts. Erstens, weil sie die Rechte der Markenhersteller verletzen. Und zweitens, weil über gesundheitliche Risiken oft nichts bekannt ist. Letzteres sei auch der Grund, weshalb solche Waren nicht einfach verschenkt werden.

Doch wahrt der Zoll nicht nur die Interessen der Markeninhaber. Die Beamten greifen auch ein, um Verbraucher und die Bevölkerung insgesamt vor Gefahren zu schützen. Greifen die Beamten etwa ein Paket mit seltsamem Absender auf, bestellen sie den Kunden zur gemeinsamen Öffnung des Pakets und „Beschau“ des Produkts ins nächste Zollamt. Bei einer Fälschung muss der Kunde entscheiden, ob er die Ware auf eigene Kosten zurückschicken oder durch die Zollbeamten vernichten lässt. Die meisten entscheiden sich für letzteres, berichtet Haliti.

Und wie geht der Liefer-Riese mit dem Thema um? „Der Verkauf von gefälschten Produkten auf Amazon ist untersagt“, sagt Amazon-Pressesprecher Christian Blum lapidar. Man arbeite eng mit Herstellern, Verkäufern und Rechteinhabern zusammen, um gefälschte Produkte zu finden und zu verhindern, dass sie auf dem Amazon-Marktplatz angeboten werden. Zur Frage, ob Amazon Händler besser kontrollieren müsse, äußerte er sich nicht.

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24.02.2018, 06:00 Uhr
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