Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Miese Masche mit der Online-Liebe

Betrüger aus Afrika erpressen Internetbekanntschaften - LKA warnt vor "Romance Scamming"

Sie sehnen sich nach der großen Liebe und werden das Opfer ausländischer Betrüger. Immer wieder fallen alleinstehende Männer und Frauen auf das sogenannte Romance Scamming im Internet herein.

13.05.2014

Von JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Er hatte die Liebe seines Lebens gefunden, darin war sich der 35-Jährige aus Stuttgart sicher. Über das Internet hatten sie sich kennengelernt, stundenlang gechattet, sich Bilder geschickt und über Skype verbale Zärtlichkeiten ausgetauscht. Sie komme aus Ghana, hatte sie ihm erzählt, aus schwierigen Verhältnissen. 6000 Kilometer trennten sie in der Realität voneinander, in der virtuellen Welt waren es nur ein paar Mausklicks und eine Tastatur. Sie wolle unbedingt nach Deutschland auswandern, hatte sie ihm erzählt. Ihm nahe sein. Doch dazu brauche sie Geld. Zuhause, in Ghana, habe sie Ärger mit der Polizei. Er vertraute ihr, überwies ihr Geld. Zuerst nur wenig, mit der Zeit immer mehr. Am Ende waren es insgesamt mehr als 10 000 Euro - Geld, das der 35-jährige Stuttgarter wohl nie wieder sehen wird. Er ist ein Opfer des "Romance Scamming" geworden, einer Betrugsmasche, vor der die Polizei schon seit geraumer Zeit warnt. Liebes- und Heiratsschwindler gibt es seit Jahrhunderten - doch längst haben auch sie das Internet für sich entdeckt. "Ein Romance Scam beginnt in der Regel harmlos und endet fast immer in einer persönlichen Tragödie", heißt es in einer Mitteilung des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg.

Der erste Kontakt komme dabei über eine E-Mail oder eine Kontaktanfrage in einem sozialen Netzwerk im Internet zustande. Teils über Monate hinweg erlangen die Betrüger dann das Vertrauen ihrer Internetbekanntschaft, täuschen mit Liebesschwüren, erfundenen Lebensläufen und falschen Fotos darüber hinweg, dass sie es einzig auf das Geld ihrer Opfer abgesehen haben. Diese sind meist alleinstehend, vermögend und schöpfen kaum Verdacht. Zu verlockend die Aussicht, in dem charmanten und gut aussehenden Chatpartner womöglich den Traummann oder die Traumfrau gefunden zu haben.

So wie der 35-Jährige aus Stuttgart. "Er dachte, mit der Frau habe er den Jackpot geknackt", sagt Jens Lauer, Sprecher der Polizei in Stuttgart. Die Bilder, die sie dem Mann schickte, hätten eine durchaus attraktive Frau gezeigt, auch die Stimme, die bei den Internet-Telefonaten zu hören war, muss wohl sehr verlockend gewesen sein. Als die Fassade schließlich bröckelte und der Mann Verdacht schöpfte, meldete er sich vor einigen Wochen bei der Polizei. Die führt diese Art von Online-Abzocke unter dem Begriff "Charming-Betrug" - in Anlehnung an Prince Charming, den namenlosen, aber dafür ungemein gut aussehenden Prinzen diverser Sagen und Märchen. Dass der Schönling den Namenspaten gibt, hat seinen Grund. Seien es doch gefühlt eher Frauen, die auf die Masche hereinfallen würden, so Lauer, weil die Täter überwiegend männlich seien. Zumindest vermutlich. Genaue Zahlen zum Romance Scamming gibt es nicht. Jährlich "fünf bis sechs erfolgreiche Fälle in Stuttgart" gebe es, so Lauer - die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Längst nicht alle Fälle werden zur Anzeige gebracht. Einerseits wohl aus Scham über die eigene Leichtgläubigkeit, andererseits, weil die Anzeigen kaum Erfolg versprechen. Und der Geschädigte aus Stuttgart kann sich kaum Hoffnungen machen, seine 10 000 Euro jemals wiederzusehen. "Das Geld ist definitiv weg", sagt Lauer.

Beim sogenannten Romance Scamming nehmen die Betrüger auch über soziale Netzwerke im Internet, wie beispielsweise Facebook, Kontakt auf. Foto: dpa

Zum Artikel

Erstellt:
13. Mai 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2014, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+