Tagblattturnier „Fifa20“

Betreutes Zocken aus dem heimischen Stadion

„Auf die Fertig, Plätze, Los!“ Das Kommando, im erhardtschen Stil von Dario Gasparevic versaubeutelt, fiel vor dem Finale des TAGBLATT-Fifa-Turniers am Sonntagabend zum letzten Mal.

20.04.2020

Von Lorenzo Zimmer

Gasparevic hatte im Namen seines TuS Ergenzingen mit der ihm zugelosten Mannschaft Rumäniens an seiner Konsole das Endspiel erreicht, sein Gegner Florian Nogueira spielte mit Portugal für das Centro Portuguese in Reutlingen. In der Verlängerung schlug Portugal die Rumänen – Gasparevic erhält neben anderen aber allein seiner flotten Sprüche wegen einen Platz in der „Hall of Fame“ des Turniers. Die im Vergleich zu den Ergenzingern größere Portion Bier vom Turniersponsor Fischer’s Brauhaus aus Mössingen streichen nach dem Sieg Nogueiras die Reutlinger Portugiesen ein. Und auch die dritt- und viertplatzierten Teams von den SF Dußlingen und dem FC Rottenburg haben sich ihre Preise wohlverdient. Sie gaben alles und sorgten wie alle Teilnehmer für beste Stimmung und beachtliches Fairplay.

Da wurden Elfmeter verschossen, wenn der unbestechliche Algorithmus des Spiels, pixelgeworden als Schiedsrichter, immer wieder mal Unverständnis bei der ebenfalls teilnehmenden und völlig realen Tübinger Schiedsrichtergruppe auslöste. „Was pfeift der Seggl da?“, fragten sie sich öfter. Da wurde aber auch aufeinander gewartet und miteinander nach Lösungen gesucht, wenn die Technik sich weigerte: von der heimischen Couch aus – immer freundlich, mit dem Headset auf dem Kopf an der Playstation, in sicherem Abstand zueinander.

Der Italien-Coach Daniel Genuardi (SV03 Tübingen) scheute nach seinem Ausscheiden keine Mühen. Als der SG Reutlingen und das Reutlinger Centro Portuguese im Derby-Viertelfinale Probleme mit der Übertragung hatten, filmte Genuardi eine knappe halbe Stunde lang seinen Fernseher ab, damit die Zuschauer auf der TAGBLATT-Seite live dabei sein konnten. Beim Testen, ob das klappen könnte, war ihm auch noch der Standfuß seiner Kamera abgebrochen. Also stand Genuardi da: die volle Spielzeit und die zwei sich anschließenden Verlängerungen über bis zum einzigen Golden Goal des Turniers. Hielt seine Kamera wackelfrei, trotzte Krämpfen in der Hand. Und filmte so ein Viertelfinale, das er selbst schmerzlich verpasst hatte.

Vor dem ersten Anpfiff war nicht jedem zu erklären, wie das TAGBLATT dadurch mehr Zeitungen verkaufen soll. Und dem Sponsor nicht, wie viele Kästen Bier er in dieser unternehmerisch schwierigen Lage mehr verkaufen wird, wenn er das Turnier unterstützt. Davon ließ sich keiner beirren. Stattdessen stürmten die Sportler aus der Region die Anmeldung und regelmäßig schauten sich zwischen 50 und 150 Leute auf der TAGBLATT-Seite die immer live übertragenen Spiele an. Insgesamt weit über 10 000 Mal wurde der Kanal auf der Übertragungsplattform Twitch angeklickt. Und er sammelte Hunderte Follower.

Und selbst wenn es keine Werbe-Effekte gegeben hätte, hat das Turnier vor allem eins bewirkt: Dass die Sportler aus 32 Teams in der Region es zwei Wochen über leichter hatten, zuhause zu bleiben. Dass ihnen, die es gewohnt waren, mindestens ein bis zwei Mal die Woche bis zu neunzig Minuten über ein Spielfeld zu rennen, nicht schon nach zwei Tagen die Decke auf den Kopf fiel. Wenn sie spielten, wenn sie als Zuschauer mitfieberten oder in ihren Whatsapp-Gruppen Taktiken und Trainerwechsel ausheckten, um dem ersehnten TAGBLATT-Pott näherzukommen.

Um eine Diskussion, die immer wieder Gemüter erhitzt und bisweilen verhindert, dass gute Ideen umgesetzt werden, ist es während des Turniers komplett stillgeworden. Und weil auch der Deutsche Fußballbund (DFB) mittlerweile Bundesligavereine digital kicken lässt statt mit Infektionsrisiken im Stadion, fragt wirklich niemand mehr: Ist das überhaupt Sport? Fernab von solchen Debatten lief das TAGBLATT-Turnier ab. Es war eine Mordsgaudi und des öfteren auch reine Nervensache. Ganz wie ein echtes Turnier eben. Wir danken allen Teilnehmern, dem Mössinger Sponsor und allen Zuschauerinnen und Zuschauern! Pe data viitoare, sagt der Rumäne – até a próxima der Portugiese. Bis zum nächsten Mal!

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Erstellt:
20. April 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2020, 01:00 Uhr

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