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"Im Visier des BKA"

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek und sein neuer Thriller "Das Joshua-Profil"

Sebastian Fitzeks "Das Joshua-Profil" thematisiert ein Thema, das noch vor wenigen Jahren Science-Fiction war und heute bereits Realität ist: Predictive Policing - Verbrechen vorhersehen, bevor sie geschehen!

26.10.2015
  • GÜNTER KEIL

Wann haben Sie zuletzt Ihr Polizeiliches Führungszeugnis beantragt?

SEBASTIAN FITZEK: Das ist lange her. Kurz nach dem Abitur hatte ich einen Studentenjob als Wachmann auf der Grünen Woche und später auf der Funkausstellung. Dafür musste ich mein Führungszeugnis vorlegen und durfte schließlich im Anzug und mit Schlips durch die Messehallen laufen.

Sind Sie sicher, dass Ihre Weste seitdem sauber geblieben ist?

FITZEK: Zumindest 1996 muss noch alles in Ordnung gewesen sein, denn mir fällt gerade ein, dass auch für mein erstes juristisches Staatsexamen 1996 ein makelloses Führungszeugnis nötig war. Aber seitdem ist viel passiert.

Wie meinen Sie das?

FITZEK: Das Bundeskriminalamt hat mich vermutlich schon lange im Visier. Dort geht sicher immer gleich eine rote Lampe an, sobald ich im Internet surfe. Würde man meine Google-Suchanfragen zur Grundlage der Erstellung eines psychologischen Profils nehmen, müsste man unweigerlich zu der Erkenntnis kommen, dass ich unter einer sehr seltenen psychopathologischen Erkrankung leide, die höchstwahrscheinlich gemeingefährlich ist. Allein für meinen neuen Roman habe ich online zu vielen sehr brisanten Themen recherchiert.

Bitte nennen Sie ein paar Beispiele.

FITZEK: Gerne. Elektronische Fußfesseln für Kinder, Leichen in Sümpfen versenken, Sexualkundeunterricht in der Grundschule, Psychiatrische Sicherheitsverwahrung, K.o.-Tropfen, Medikamente nach Zwangssterilisierung, unbewohnte Inseln in Berlin und Brandenburg, Flucht bei Freigang.

Das macht Sie tatsächlich sehr verdächtig.

FITZEK: Früher habe ich über die Verdacht erregende Recherche zu meinen Büchern noch Witze gemacht. Mittlerweile ist jedoch allgemein bekannt, dass sämtlicher Daten- und Mailverkehr gescannt wird oder zumindest werden kann. Seit der NSA-Affäre und dem abgehörten Handy der Bundeskanzlerin könnte es tatsächlich sein, dass da jemand beim BKA oder in einer anderen Behörde sitzt und registriert: Ach, der Fitzek schreibt wieder an einem neuen Thriller. Andererseits wäre es ja eine geradezu perfekte Tarnung für einen Verbrecher, Schriftsteller zu sein.

Ihre Hauptfigur in "Das Joshua-Profil" gerät unter Verdacht, weil ihre Daten sie als potentiellen Verbrecher ausweisen. Existieren solche Ermittlungsprogramme wirklich?

FITZEK: Ja. Verbrechensvorhersage, das sogenannte "Predictive Policing", verbreitet sich in hoher Geschwindigkeit. Schon 2014 berichteten Medien über Big Data in der Polizeiarbeit und die ethischen Fragen, die sich daraus ergeben. Die Londoner Metropolitan Police hat offenbar mit einer Software einen Testlauf durchgeführt. Dieser Algorithmus macht sich die Perspektive des potentiellen Täters zu eigen und schätzt ab, zu welcher Zeit und an welchen Orten eine Straftat zu begehen am wenigsten riskant wäre - und kehrt sie um. Ein Polizeisprecher bezeichnete das Experiment als Erfolg. Im Berliner Innenausschuss wurde über die Einführung einer "Precops"-Software beraten. Und in Bayern sind damit angeblich bereits erste polizeiliche Erfolge erzielt worden.

Es fällt auf, dass Sie in Ihren Thrillern regelmäßig kontrovers diskutierte Themen aufgreifen, vor allem Gewalt gegen Kinder. Sehen Sie sich gar nicht als Autor von reinen Unterhaltungsromanen?

FITZEK: Doch. Ich bin gerne ein Unterhalter, ein Geschichtenerzähler. Aber ich verarbeite eben auch buchstäblich meine Sorgen und Ängste. Mit jedem Buch versuche ich mir den Horror aus meinem Kopf zu schreiben. Die Themen Gewalt gegen Kinder und Pädophilie bewegen mich, und sie sind relevant: Jährlich werden allein in Deutschland etwa 200000 Kinder misshandelt. Es wäre geradezu absurd, diese Massendelikte im Medium Buch zu ignorieren und stattdessen über den Mord an einer Millionärswitwe in einer Grunewalder Villa zu schreiben, der statistisch gesehen kaum vorkommt.

Nach "Noah" trägt Ihr neuer Roman wieder einen biblischen Namen. Wie kam es dazu?

FITZEK: Das hat mehrere Gründe. Bei der Titelsuche ist mir ein hoher Wiedererkennungswert wichtig, außerdem muss der Name mir gefallen, und er sollte zum Inhalt passen. Joshua war ein Prophet, insofern ist der Name perfekt für das Thema Verbrechensvorhersage geeignet. Bei "Noah" ging es ja unter anderem um die Überbevölkerung. Aber beide Namen sind auch die Vornahmen zweier meiner Kinder.

Sind Sie bibelfest?

FITZEK: (Lacht) Nein, überhaupt nicht. Ich habe mir zwar schon vor Jahren mal eine Kinderbibel gekauft und konzentriert durchgelesen. Aber alle Jünger Jesu kann ich Ihnen leider nicht namentlich aufzählen. Mein Interesse an der Bibel entwickelte sich weniger aus theologischer denn aus psychologischer Sicht, denn ich glaube, dass wir einen Großteil unserer Probleme daraus ziehen, dass wir nicht genau wissen woher wir kommen und wohin wir gehen. Darauf gibt die Bibel dann ja doch einige Antworten.

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek und sein neuer Thriller "Das Joshua-Profil"
Der Berliner Bestsellerautor Sebastian Fitzek greift in seinen Thrillern immer wieder aktuelle Themen auf. Heute erscheint sein neuer Roman "Das Joshua-Profil". Foto: Matthias Kessler

Autor Kein anderer deutscher Thrillerautor ist so erfolgreich wie Sebastian Fitzek. Die Bücher des 44-jährigen werden in 24 Sprachen übersetzt und erreichen eine Gesamtauflage von acht Millionen. Fitzek, ursprünglich promovierter Jurist, arbeitete als Moderator, Redakteur und Berater für verschiedene Radiosender, bevor er 2006 mit seinem Debüt „Die Therapie“ den Durchbruch als Autor schaffte. Mittlerweile hat Fitzek zehn weitere Romane veröffentlicht, die allesamt Spitzenpositionen in den Buchcharts erreichten.

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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