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Bestattung in 3 D
Statt Obst an realen Gräbern zu hinterlassen, können Trauernde bald per Online-Warenkorb Gaben verteilen. Foto: IVeneration
Trauer

Bestattung in 3 D

Friedhöfe in Hongkong sind überfüllt, die Kosten für Gräber horrend. Ein chinesischer Unternehmer will das Platzproblem nun via Internet lösen.

01.02.2018
  • FELIX LEE

Hongkong. Hongkong ist eine Mega-City mit mehr als sieben Millionen Einwohnern, und die Stadt platzt aus allen Nähten. Das gilt nicht nur für die Lebenden, sondern auch für die Toten: Rund 44 000 Menschen starben 2017 dort, also rund 120 pro Tag. Doch der Platz auf den Friedhöfen ist zu knapp. Zwar wählen bereits mehr als 90 Prozent der Hongkonger die Feuerbestattung, jedoch kann die Stadt jährlich nur 10 000 Urnengräber zur Verfügung stellen.

Ein Hongkonger Unternehmer will einen radikalen Schritt wagen. Er plant mit einem Start-Up namens iVeneration, die gesamte Bestattungskultur ins Netz zu verlegen. Der Gang zum Friedhof fiele damit weg. Das Gedenken an den Verstorbenen soll jederzeit per Mausklick möglich sein.

In Hongkong gebe es schon nicht genug Platz für die Lebenden, erläutert der iVeneration-Gründer Anthony Yuen seine Idee. „Tote nehmen sogar mehr Platz weg als Lebende“, sagt Yuen. Wer lebt, bewege sich, sei flexibel und lebe oft in Hochhäusern. Auf einem Quadratmeter Land ließen sich also sehr viele Menschen unterbringen. Gräber hingegen blockierten über Jahrzehnte hinweg kostbares Land.

Warum nicht den Friedhof in die virtuelle Welt verlegen? Das sei billiger und entspreche zudem immer mehr den Gewohnheiten moderner Menschen, sagt der Unternehmer. Sie hätten schließlich einen Großteil ihres Soziallebens auch ins Netz verlegt. Urnen könnten wie in Urnenwänden eingelagert, oder die Asche in der Natur verstreut werden.

Tatsächlich ist eine Bestattung in der Stadt extrem teuer. Bis zu 125 000 Euro kostet Angehörige eine Bestattung auf Hongkonger Boden. Und selbst für die Lagerung einer Urne sind einige tausend Euro zu berappen. „Mit virtuellen Hilfsmitteln könnte dieses Problem in Zukunft gelöst werden“, ist Yuen überzeugt.

Noch ist er mit seiner Idee nicht auf dem Markt. Doch die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auf der bereits programmierten Webseite finden sich Grabsteine, Altäre und ganze Villen, in denen die Toten untergebracht sind – alles virtuell und mit 3D-Brille zu betrachten. Zudem können Familienmitglieder auf der Plattform gemeinsam virtuell trauern.

Der Fantasie sind bei virtuellen Begräbnisstätten keine Grenzen gesetzt: Statt auf einem Friedhof wird man der Verstorbenen künftig auch in Parks, Wäldern, in der Natur oder gar vor prominenten Bauwerken gedenken können. Wie bei echten Grabstätten können digitale Gräber zudem mit Kerzen, Blumen, religiösen Schriften und Fotos der Verstorbenen geschmückt werden. Yuen zufolge hätten schon mehrere hundert Hongkonger ihr Interesse an dem Projekt bekundet.

Ob das Angebot jedoch auch von den Massen angenommen wird? Schließlich liegt der Bestattungskultur ein über Generationen gewachsener Glaube zugrunde – auch in China. Yuen sieht darin kein Problem. Gemäß der chinesischen Kultur leben die Verstorbenen in einer anderen Welt weiter. Die oft aufwändig gestalteten Gräber seien auch nur ein Symbol für ihren Wohnsitz. Würden diese prächtigen Gräber künftig virtuell erstellt, wäre das für die Angehörigen billiger, der Zweck würde dennoch erfüllt.

Er könnte recht behalten. Ein weiterer chinesischer Brauch sieht vor, dass am Grab Geld verbrannt und Obst hinterlegt wird. Der Verstorbene soll in der neuen Welt weder hungern noch zu wenig Cash in der Tasche haben. Für dieses Ritual wird jedoch längst kein echtes Geld mehr verbrannt, sondern unechtes aus billigem Papier. Und das Obst wird nach der Zeremonie nach Hause genommen. Es soll schließlich nicht vergammeln. Auch dieses Problem würde sich beim virtuellen Friedhof erübrigen.

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01.02.2018, 06:00 Uhr
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