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Leitartikel Pflege

Besserung ist möglich

Lässt sich der dramatische Mangel an Pflegekräften in Krankenhäusern und Altenheimen in absehbarer Zeit lindern? Durchaus. Nur müssen dafür viele Räder ineinander greifen. Wie etwa bei den Arbeitsbedingungen.

10.08.2018
  • HAJO ZENKER

So kann zwar niemand Fachkräfte herbeizaubern. Aber wo ordentlich bezahlt wird, wo Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich ist, wo Gesundheitsprävention betrieben wird, wird es leichter fallen, Mitarbeiter aus der Teilzeit, in der die meisten Pflegekräfte bisher arbeiten, in die Vollzeit zu holen. Oder zumindest die Arbeitszeit aufzustocken. Gesundheitsminister Jens Spahn will deshalb per Gesetz etwa Geld für Kitas mit langen Öffnungszeiten oder in die betriebliche Gesundheitsvorsorge fließen lassen. Und auch eine Aufstockung der regional zum Teil noch immer niedrigen Löhne hat die Bundesregierung versprochen.

Letzteres aber hat seine Tücken. Von der auf den ersten Blick so plausiblen Idee, einen für alle verbindlichen Tarifvertrag einzuführen, die dafür diskutiert wird, sollte man die Finger lassen. Zunächst einmal, weil es hohe rechtliche Hürden gibt, etwa wegen der besonderen Privilegien der kirchlichen Einrichtungen im Arbeitsrecht. Und zum anderen, weil auf einen Schlag in mehreren Bundesländern, vor allem im Osten, die Löhne so steigen würden, dass die Beschäftigten zwar viel Grund zur Freude hätten, die Heimbewohner aber mit einem gewaltigen Anstieg des monatlichen Eigenanteils rechnen müssten, den sie selbst, ihre Angehörigen oder die Sozialhilfe zu tragen hätten.

So lange die Finanzierung der Pflege nicht grundlegend reformiert ist, etwa durch Umwandlung der Pflegeversicherung von Teil- in Vollkasko oder durch feste Steuerzuschüsse pro Heimplatz, sind bundesweit einheitlich hohe Löhne verfrüht. Zulegen werden die Einkommen trotzdem. Denn der Pflege-Mindestlohn steigt auch 2019 und 2020. Und der Mangel an Pflegefachkräften wird Arbeitgeber zwingen, freiwillig draufzulegen. Im Übrigen zeigt die steigende Zahl von Auszubildenden in der Pflege, dass das Image des Berufes nicht mehr so abschreckend ist, wie es gern dargestellt wird. Daran muss man anknüpfen und die Ausbildung noch attraktiver machen.

Bereits heute gibt es in der Welt Länder, die nicht nur auf hohem Niveau, sondern auch über Bedarf ausbilden. Und wo eine Arbeit in der Bundesrepublik als attraktiv gilt, weshalb deutsche Arbeitgeber dort Deutschkurse finanzieren. Das gilt etwa für die Philippinen oder Albanien. Nur hakt es hier oft an unserer Bürokratie, bei der Anerkennung der Qualifikation oder der Visa-Erteilung, um Einsatzwillige und Einsatzfähige rasch zu uns zu holen. Ein Einwanderungsgesetz könnte das ändern.

Wenn man dann noch die Weiterbildung bisheriger Pflegehilfskräfte oder auch die Umschulung von zuvor anderswo Beschäftigten konsequent betreibt, könnte man sogar spürbar mehr Fachkräfte finden, als Spahn bisher verheißt. Damit wäre man zwar von paradiesischen Zuständen noch immer weit entfernt. Aber auch von den katastrophalen Zuständen, die es heute noch zu häufig gibt.

leitartikel@swp.de

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10.08.2018, 06:00 Uhr
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