Buchhandel

Besser als befürchtet durch die Krise

Corona-Umsatzeinbruch dank Lieferservices und Online-Angebote zum großen Teil wieder aufgeholt.

09.07.2020

Von ROLF OBERTREIS

Während der Krise wird viel gelesen. Foto: Jan Woitas/dpa

Frankfurt/Main. Die deutsche Buchbranche hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie bislang besser als befürchtet überstanden. Nachdem der Umsatz im Buchhandel während der vierwöchigen Schließung der Geschäfte – bis auf Berlin und Sachsen-Anhalt – ab Mitte März um rund zwei Drittel eingebrochen war, hat sich die Branche wieder hochgearbeitet und das Minus im ersten Halbjahr auf „nur“ noch 13,9 Prozent gedrückt. Bezogen auf alle Vertriebswege liegt der Umsatzeinbruch bei gut acht Prozent.

„Die Corona-Pandemie hat Händler und Verlage schwer getroffen. Sie hat aber auch große Energie freigesetzt und schnell mit viel Kreativität Lieferservices und Online-Veranstaltungen ins Leben gerufen“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Zudem hätten sie von ihren bereits gut aufgestellten Online-Shops profitiert. Das alles habe einen kompletten Umsatzeinbruch verhindert.

Schmidt-Friderichs und Geschäftsführer Alexander Skipis loben aber ausdrücklich auch die „riesige“ Unterstützung durch die Politik. Viele Händler und Verlage hätten vor allem durch Zuschüsse die schwierige Phase überstehen können. Die Branche habe, so Schmidt-Friderich, auch von der großen Kundentreue profitiert. Am 17. März, dem Tag vor der Schließung des Handels, „haben Kunden Bücher regelrecht gehamstert“. Und dann sei auch der Juni sehr gut gelaufen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich ein Plus von mehr als zwölf Prozent. Vor allem beim Umsatz mit Kinder- und Jugendbüchern konnte die Branche in diesem Jahr mit 3,6 Prozent ein Plus verzeichnen. Dramatisch war der Einbruch bei Reise-Literatur.

„Es gab natürlich existentielle Ängste“ sagt Skipis. Bei den traditionell geringen Umsatzrendite zwischen 0,5 und 3 Prozent könne die Buchbranche praktisch keine Rücklagen bilden. Bislang mussten ihm zufolge aber nur wenige Buchhändler wegen der Krise aufgeben. Aber noch sei es auch für eine Bilanz zu früh.

Kritisch war die Situation bei den Verlagen: Während des Lock-Downs brach der Umsatz um fast ein Drittel ein, bis Mai konnte dann das Minus auf 14,5 Prozent reduziert werden. Die Hälfte der Verlage habe geplante Titel auf diesen Herbst oder auf 2021 verschoben, 36 Prozent der geplanten Bücher seien ganz gestrichen, was, so Schmidt-Friderichs, vor allem bislang unbekannte Autoren treffe. Rolf Obertreis

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Erstellt:
9. Juli 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2020, 06:00 Uhr

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