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Von wegen Instandhaltung

Beschwerden von Mietern in der Hegelstraße gingen ins Leere

Elke-Karin Trapp ist schwer gehbehindert. Außerdem muss sie drei Mal in der Woche zur Dialyse ins Klinikum. Das ist auch der Grund, warum sie in Tübingen wohnt – in einer Wohnung mit günstiger Miete und ebensolcher Busverbindung. Doch die Hausverwaltung macht ihr das Wohnen in der Hegelstraße 31 schwer.

04.12.2014
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. 2012 verkaufte die frühere Eigentümerin LBBW die großen Wohnblocks in der Hegelstraße an ein Privat-Konsortium, die Augsburger Patrizia Immobilien AG. Es war ein Riesendeal, der durch die Medien ging, knapp anderthalb Milliarden schwer. 21 500 Wohnungen der LBBW wechselten den Besitzer, in Tübingen waren 400 Mieter davon betroffen. Dabei hatte die GWG schon auf das „Baden-Württemberg Konsortium“ als gemeinnützigen Käufer gehofft.

Sieben Stockwerke zum Türöffnen

Im März 2012 bekam Elke-Karin Trapp Post von ihrer neuen Vermieterin, der Patrizia AG. Darin wurde ihr versprochen, dass ihre Mieterrechte „extrem gestärkt“ würden. Patrizia halte sich an die Sozialcharta, die unter anderem die Mieter 20 Jahre vor Eigenbedarfskündigungen schütze.

Beschwerden von Mietern in der Hegelstraße gingen ins Leere
Die Türöffner-Anlage im Gebäude Hegelstraße 31 funktioniert seit Monaten nicht. Elke-Karin Trapp muss den Hausschlüssel aus dem Fenster werfen.

In dem Schreiben heißt es auch: „Die in den Medien zuweilen verbreiteten Vermutungen, die Patrizia würde bei ihren Immobilien an der Instandhaltung und Wartung sparen, treffen in keiner Weise zu.“ Elke-Karin Trapp gibt jedoch mittlerweile „den Medien“ recht.

Erleichtert ist sie wenigstens darüber, dass die Klingel im Haus wieder funktioniert. In dem siebenstöckigen Gebäude war sie wochenlang kaputt. Für die Gehbehinderten und Alten unter den Mietern war das ein echtes Problem. Außerdem kostet jeder Telefonanruf, auch wenn es nur um die Botschaft geht: „Ich stehe jetzt vor deiner Tür“. Nicht jede Pflegekraft will solche Kosten auf sich nehmen.

Die Klingel sei nach wochenlang wiederholten Anrufen bei der Südewo (Süddeutsche Wohnen), die für die Hausverwaltung zuständig ist, repariert worden. Der Türöffner funktioniert aber immer noch nicht. Besucher können sich zwar nun per Klingel bemerkbar machen, aber Einlass gibt es erst, wenn die Mieter persönlich die Tür öffnen. Und so muss die 80-Jährige aus dem siebten Stock den Weg – zwar mit dem Lift – bis zur Haustür zurücklegen. In der Zwischenzeit ist der Klingelnde dann schon verschwunden. Elke-Karin Trapp, die im ersten Stock wohnt, behilft sich seit zwei Monaten damit, dass sie ihren Haustürschlüssel aus dem Fenster wirft.

Die Frührentnerin hat schon „alles Mögliche probiert“, um sich Gehör zu verschaffen. Den Hausmeistern, die für die Wartung der Immobilie zuständig sind, sind die Hände gebunden. Sie verweisen die Mieter auf die B&O-Hotline, darüber erreicht man die Technische Abteilung der Südewo GmbH, die wiederum die Immobilien der Patrizia AG verwaltet.

Erst ein Auftrag aus der Zentrale setzt die Hausmeister in Gang. Als bei Trapp die Balkontür nicht mehr schloss und sie eine schnelle Reparatur forderte, gleichzeitig aber auf ihre längeren Abwesenheiten wegen ihrer Dialyse verwies, bekam sie den patzigen Hinweis zu hören: „Dann gehen Sie einfach nicht hin!“ Eine Bemerkung, die Gesunde vielleicht besser wegstecken könnten, die aber Trapp in einen starken Erregungszustand versetzte. Deshalb und auch der Kosten wegen hat sie sich bislang noch nicht an einen Anwalt gewandt.

Über Trapp wohnt Maja Getzin mit ihrem körperlich und geistig behinderten Sohn. Er sitzt im Rollstuhl, kurze Strecken kann er „noch mit ganz viel Hilfe“ überwinden. Nach einem Schlaganfall kommt er aber die paar Stufen bis zum Aufzug fast nicht mehr hoch. Die Mutter kann ihren 1,80 Meter großen und 80 Kilogramm schweren Sohn kaum noch stützen und lebt bei jedem Gang in der Angst, er könne am wackeligen Treppengeländer den Halt verlieren.

Geländer notdürftig umwickelt

Das Fünfziger-Jahre-Geländer ist sichtbar verkehrsunsicher. Der Abstand zwischen den Sprossen ließ Eltern eines Kleinkindes schon zu einer Notmaßnahme greifen. Nachdem das Einjährige fast durch den Spalt zwischen den defekten Sprossen gefallen war und alle Beschwerden in Stuttgart nichts gebracht hatten, verkleinerten sie ihn mit Schnüren.

Beschwerden von Mietern in der Hegelstraße gingen ins Leere
Gefährliche Sprossenabstände, wackeliges Geländer: die Mieter müssen schon lange improvisieren. Bild: Sommer

Auch Getzin treibt die Sorge um, ihr behinderter Sohn könnte an dieser Schadstelle stürzen, die direkt gegenüber dem Aufzug liegt. Irgendwann sei sie deshalb bei ihren Anrufen in Stuttgart „auch mal laut geworden“. Doch sie erlebe immer das Gleiche: Man wisse von nichts, man sage, man gebe die Beschwerde weiter und nichts passiere. „Es kommt noch nicht einmal ein Rückruf.“

Vor vier Wochen drohte Elke-Karin Trapp der Südewo, sie wende sich an die Zeitung. Jetzt hoffen die Mieter des Hauses auf ein „Weihnachtsgeschenk“: eine intakte Schließanlage.

Frank Uwe Geyer, Prokurist bei der Südewo, zeigt sich bei unserer Nachfrage erstaunt über die Mängel in der Hegelstraße 31. Die defekte Schließanlage sei erst in der vergangenen Woche bei B & O gemeldet worden, die bestellten Ersatzteile träfen vermutlich heute ein und würden nächste Woche montiert. „Wir geben im Jahr für die Instandhaltung unserer Wohnungen 22 Millionen Euro aus“, so Geyer. „Warum sollten wir da an 1000- Euro-Beträgen sparen?“ Die Südewo habe keinerlei Grund, Mängel nicht zu beseitigen. Hätten die Mieter das schadhafte Treppengeländer früher beanstandet, wäre es selbstverständlich repariert worden. „Wissen Sie, meine Erfahrung ist“, so Geyer gegenüber dem TAGBLATT, „die Leute glauben oft nur, sie hätten schon häufig angerufen und sich beschwert.“

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04.12.2014, 12:00 Uhr
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