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Berliner rätseln über die Botschaften der Parteien
In der Hauptstadt hat der Wahlkampf begonnen.Jetzt rätseln die Berliner über die Botschaften der Plakate. Was sagt uns etwa „Müller, Berlin“? Foto: imago
Der Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus bietet manch geglückte und reichlich verunglückte Werbung

Berliner rätseln über die Botschaften der Parteien

Am 18. September wird in Berlin gewählt. Nun beginnen die Parteien mit dem Wahlkampf. Der Wettbewerb um Stimmen treibt interessante Blüten.

10.08.2016
  • ANDRÉ BOCHOW

Berlin. Ein paar Tage lang sind sie scheinbar überall. Die Werbefachleute. Aus allen hauptstädtischen Medienrohren wird mit den Expertenmeinungen gefeuert. Denn nun sind sie da, die Wahlplakate. Inhalte und Ästhetik werden bewertet. Besonders viel wird in Berlin darüber diskutiert, warum die SPD auf vielen Plakaten auf sich selbst verzichtet und es bei „Müller, Berlin“ bewenden lässt. Ganz klein, unten rechts steht noch „#BerlinBleibtWeltoffen“. Letzteres fiele der Metropole noch erheblich leichter, wenn endlich der Großflughafen BER eröffnet würde, aber mit diesem Projekt wirbt die SPD lieber nicht.

Dass die Sozialdemokraten glauben, mit ihrem, vorsichtig ausgedrückt, nur mäßig charismatischen Parteichef Michael Müller die Wähler an die Urnen holen zu können, darf getrost als wahlkampftaktische Überraschung bezeichnet werden. Nicht weniger überraschend sind einige Plakatmotive. Auf dem weltoffenen Plakat sieht man klein und verschwommen den Regierenden Bürgermeister Müller mit lässig geschultertem Jackett auf einer Rolltreppe. Groß, aber mit dem Rücken zum Publikum, wird eine zierliche Frau mit einem Kopftuch gezeigt. Müller scheint zu lächeln. Wie aber ist das Motiv zu interpretieren? Fakt ist: Müller fährt nach oben, mit der Frau geht es bergab. Jedenfalls auf der Rolltreppe.

Nicht weniger kryptisch ist ein Plakat auf dem unten in der Ecke „#BerlinBleibtBezahlbar“ steht. Man sieht Müller, ein Paar, einige Kinder und eine Frau mit Kind auf dem Arm. Sie lacht. Müller lacht auch. Aber worum geht es? Etwa um Mieten? Spätestens jetzt fragt man sich, wer seit 2001 den Regierenden Bürgermeister stellt. Im RBB-Interview lautet die Frage an Müller dazu: „Hat die SPD ein Glaubwürdigkeitsproblem?“ Antwort Müller: „Ich glaube eher, wir haben einen Riesennachholbedarf.“

Die Umfragen lassen noch nicht eindeutig erkennen, ob Müller im Amt bleiben kann. „Nun, es gibt diese und jene Umfragen“, sagt Müller dazu und er hat Recht. Während Forsa konsequent die SPD deutlich vorn sieht und der AfD einstellige Ergebnisse prophezeit, sehen INSA und Infratest dimap die Rechtsalternativen bei 13 oder mehr Prozent und SPD, CDU, Grüne sowie Linke ziemlich gleichauf. Müller hält es trotzdem für richtig, den „Anspruch“ zu formulieren, „eine stabile Zweierkoalition zu bilden“.

Da ist die CDU schon einen Schritt weiter. „Rot-Rot-Grün verhindern“ – das ist dem derzeitigen Juniorpartner im Senat sehr wichtig. Ansonsten ist zu erleben, wie der CDU-Spitzenkandidat und Innensenator Frank Henkel den Spagat zwischen knallhartem Sheriff und dem netten Nachbarn versucht. Er reagiert auf jüngste Anschläge mit der Bemerkung: „Wir haben einige völlig verrohte Personen importiert.“ Auf der anderen Seite posiert Henkel mit Sohn Leo auf der Schulter. Die Persönlichkeitsrechte des Kindes werden allerdings gewahrt. Das Plakatbild endet am Kinn des Jungen.

Facebook und Twitter sind eindeutig die Domäne der AfD. 15 000 Follower hat die Partei, die wohl neu in das Abgeordnetenhaus einziehen wird. Man könnte die Berliner AfD auch „Braucht-Partei“ nennen. Denn sie plakatiert Slogans, denen zufolge die Hauptstadt alles Mögliche braucht. Zum Beispiel: „Berlin braucht Regeln.“ Außerdem auf dem Plakat: Ein vermutlich junger Kapuzenmann, der einen Drahtzaun erklimmt. Es könnte ein Einbrecher sein. Oder ein Flüchtling. Vermutlich soll es beides suggerieren. Die AfD hält das für „Unbequem.Echt.Mutig.“ Mutig ist es, den Spitzenkandidaten Georg Padzderski ins Bild zu setzen und dazu zu schreiben: „Berlin braucht Blau.“

Die Linkspartei setzt besonders auf den Parteinamen und Alltagssituationen. Etwa auf eine besorgt blickende Ärztin und einen eher indifferent in die Welt schauernden Pfleger. Sie schieben ein Krankenbett mit Patientin. „Gutmenschen – mehr davon“ lautet der Slogan.

Die FDP versucht es mit postsozialistischer Ästhetik. Spitzenkandidat Sebastian Czaja, Bruder des Sozialsenators Mario Czaja (CDU) steht mit kantigem Gesicht in einer Art Farbstrom. Vermutlich als Fels in der Brandung. Kopf und Gestus erinnern an den jungen Putin, der daneben stehende Spruch erinnert an Berlin. „Riskieren wir, dass etwas funktionieren könnte.“

Den größten „HÄ?“-Effekt dürften aber die Grünen erzielen. Neben eher leicht zu verstehenden Botschaften findet sich auch diese Forderung: „Freilandhaltung auch für Großstadtmenschen“. Da es sich vermutlich nicht um einen Aufruf zur kollektiven Obdachlosigkeit handelt, wird das Bedürfnis nach Grünanlagen gemeint sein. Aber das ist nur eine Vermutung.

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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