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Berliner Behörden hegen Sicherheitsbedenken bei gespendeten Nahrungsmitteln
Ein öffentlicher Kühlschrank in einem Fahrradunterstand in der Malmöerstraße in Berlin. Künftig muss klar sein, wer für ihn zuständig ist. Foto: Britta Pedersen/dpa
Welker Salat im öffentlichen Kühlschrank

Berliner Behörden hegen Sicherheitsbedenken bei gespendeten Nahrungsmitteln

Damit weniger Lebensmittel in der Tonne landen, gibt es inzwischen bundesweit an öffentlichen Orten Kühlschränke: Wer Essen übrig hat, kann es dort abgeben. Ist in Berlin das Ende dieses Foodsharings besiegelt?

03.02.2016
  • GISELA GROSS, DPA

Berlin. . Tonnenweise landen Brot, Gemüse oder Joghurt jedes Jahr im Müll - auch, weil viele Menschen beim Einkaufen nicht so genau planen. Eine Alternative zum Wegwerfen sollen die rund 300 Kühlschränke sein, die die Initiative Foodsharing seit 2012 bundesweit aufgebaut hat. Wer noch verzehrbare Nahrungsmittel übrig hat, kann diese in den so genannten "Fairteilern" hinterlegen. Nun gibt es dagegen in Berlin Hygienebedenken und rechtliche Hürden, die dem Verein große Sorgen bereiten.

Behörden in anderen Städten stufen das Essensteilen durchweg als Weitergabe unter Privatleuten ein, erklärt Foodsharing. Berlin dagegen will von Fall zu Fall klären, ob die Anbieter eines Kühlschranks als Lebensmittelunternehmer zu sehen sind. Unter diesem Begriff definiere das Gesetz "nun einmal jeden, der Lebensmittel in Verkehr bringt, egal ob gegen Geld, Spende oder umsonst", sagte Berlins Staatssekretärin für Verbraucherschutz, Sabine Toepfer-Kataw (CDU). Anbieter würden als Lebensmittelunternehmer gelten, wenn die Kühlschränke auf öffentlichem Grund für jedermann zugänglich und unbeaufsichtigt seien, erläutert sie. Ob das tatsächlich der Fall ist, würden die Lebensmittelaufsichtsämter künftig "in jedem Einzelfall" prüfen.

Das heißt: Der "Fairteiler" hat in Geschäftsräumen zu stehen, in dem ein registrierter Verantwortlicher Buch führt über Spenden und Spender - so steht es in den Mindestanforderungen, auf die sich die Berliner Lebensmittelaufsichten jüngst geeinigt haben. Der Vorsitzende von Foodsharing, Frank Bowinkelmann, reagiert entsetzt: "Wenn diese Maßnahmen durchgesetzt werden, sind die Dinger tot." Die Auflagen gingen deutlich über bisherige Absprachen hinaus.

Man wolle Verbraucher vor möglicher Gesundheitsgefahr schützen, argumentiert dagegen die Staatssekretärin. Auch "Missbrauch und Ulk" müsse unterbunden werden - die Rede ist in dem Papier etwa von "Salz statt Zucker" und anderen Manipulationen. Ärger gab es zuletzt in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow, wozu auch der Prenzlauer Berg zählt: Lebensmittelaufsichten hätten bemängelt, dass teils keine Verantwortlichen benannt seien, erläutert Toepfer-Kataw. Fotos würden unhygienische Zustände in den Schränken dokumentieren: unverpacktes Brot, aufgerissene und unbeschriftete Verpackungen oder welken Salat. Ob die Kühlkette etwa bei Milchprodukten eingehalten worden sei, lasse sich nicht überprüfen.

Fälle von Lebensmittelvergiftungen oder Beschwerden sind der Staatssekretärin zwar nicht bekannt. "Aber die Kühlschränke sind natürlich eine Einladung", sagt sie und verweist auf zwei Fälle aus den vergangenen Jahren, in denen in der Öffentlichkeit Schnaps und Kekse mit Gift verteilt wurden. Diese Sicherheitsrisiken wolle man nicht eingehen.

Als Verbot möchte Toepfer-Kataw das Vorgehen nicht verstanden wissen: Nicht betroffen seien Kühlschränke auf privatem Grund, wo ein geschlossener Personenkreis Nahrungsmittel teile. Der BUND etwa betreibt in Schöneberg einen Kühlschrank im Ladenlokal, wo ein Kollege immer vor Ort sei, wie die zuständige Mitarbeiterin erzählt.

Foodsharing bemüht sich bereits um einen möglichst sicheren Ablauf: Es gebe Putzpläne und Regeln, wonach etwa Schweinemett oder Desserts mit rohem Ei nichts im "Fairteiler" zu suchen haben. Die behördliche Angst vor einer möglichen Gesundheitsgefahr hat für Frank Bowinkelmann "absurde Züge". Die Politik fordere seit Jahren ein Ende der enormen Verschwendung von Lebensmitteln.

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03.02.2016, 06:30 Uhr
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