Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ein Sound zum Hineinlegen

Benefiz der Wüste-Welle-Big Band

Die Tübinger Wüste Welle ist das einzige freie Radio mit einer eigenen Big Band. Seit Lothar Landenberger das 17-köpfige Ensemble im März 2011 ins Leben rief, hat die Big Band schon acht Auftritte vorgelegt. Mit ihrem Benefizkonzert für die Vesperkirche dürfte sie weitere Fans dazugewonnen haben.

12.02.2013

Von Achim Stricker

Tübingen. Nach 8000 servierten Essen schloss die Tübinger Vesperkirche am vergangenen Wochenende wieder. Das Bigband-Benefiz am Sonntag war ein gebührendes Abschlusskonzert und trug durch die Spendeneinnahmen zugleich zur künftigen Fortführung der Initiative bei. Diakon Peter Heilemann bedankte sich im Namen des Vesperkirchen-Leitungsteams bei den Musiker(inne)n, der Stiftskirchengemeinde und dem Sudhaus für den Verzicht auf Gage und die kostenlose Bereitstellung von Kirche und technischer Anlage.

Rund 500 Zuhörer freuten sich über ein großzügiges zweistündiges Blues- und Balladen-Programm mit Jazz-Standards und Bigband-Hits von Legenden wie Gershwin, Burt Bacharach oder John Coltrane. Das Benefizkonzert dirigierte ausnahmsweise Ensemble-Trompeter Günter Flumm. Sonst musiziert die WW-Bigband zumeist ohne Dirigent.

Ein satter, luxuriöser Sound zum Hineinlegen. Pianist Wolfgang Wunderlich zog in Yoichi Uzekis „Ballad Nr. 1“ traumverloren voran, Saxophone und Posaunen schwollen zu einem funkelnd wogenden Klangteppich an, aufrauschend Drums und Becken, darüber einzelne getupfte Klaviertöne wie Gischt. Erotisches Flair hatten die gestopften Trompeten in Thad Jones? Bossa nova „It only happens every time“, die gesamte Bigband fiel ein mit gleißend aufblendenden Akkorden.

„Unser Programm beweist, dass der Jazz nicht in den 50er, 60er Jahren stecken geblieben ist“, kommentierte der Mannheimer Gast-Saxophonist Olaf Schönborn in seiner Moderation: „Auch heutige Poptitel werden gern verjazzt.“ Etwa Alicia Keys? „If I ain?t got you“. Die Mannheimer Jazzsängerin Si Backu legte viel Seele hinein, aber ihre graphisch feine Stimme kam nur in der Höhe gegen die Bläser-Lautstärken an. Auch wenn in Gershwins „I love you, Porgy“ die Bigband loslegte, verschwand ihre Stimme in den mächtigen Klängen.

Backus fokussiert geradliniges Timbre mit seiner rauchigen Note und dem flüsternden Hauch hat vielmehr Affinität zu einem subtil andeutenden Blues und einem intimen Club-Sound: packend atmosphärisch Thelonius Monks „Round Midnight“, nur begleitet von Klavier (Wolfgang Wunderlich), Gitarre (Guido Deimel), Bass (Karl-Heinz Wallner) und Drums (Alex Neher); sehr berührend der Jazz-Standard „Misty“ mit Hans-Michael Krämers Mundharmonika-Solo.

Die Wüste Welle Bigband brach auch eine Lanze für die deutsche Jazz-Szene, die stilistisch inzwischen ihre eigenen Wege gehe. „Einblick“ des Berliners Falk-Dietrich Koch setzte weniger auf prominent hervortretende Soli, sondern mischte die einzelnen Instrumentalfarben zu einer ungewohnten orchestralen Collage.

Stimmungsvoll Rainer Tempels „Abschiedslied“. Der Tübinger gilt als einer der kreativsten und innovativsten deutschen Jazz-Komponisten. Die bluesigen Harmonien drehten sich langsam und irisierend wie eine Discokugel und der Stuttgarter Posaunist Frank Heinz ließ sein Solo wehmütig singen.

Viel Applaus erntete „Blues for Yenya“, das Swing-Legende Gerald Wilson für die Katze seiner Tochter geschrieben hat. Frech und temperamentvoll Claus Löhrs Trompeten-Solo. „Ich weiß allerdings nicht, ob ich diese Katze zuhause haben möchte“, scherzte Schönborn.

Sonst Posaunist, hier Dirigent: Günter Flumm vor Bläsern der Wüste-Welle-Bigband.Bild: Franke

Zum Artikel

Erstellt:
12. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+