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Kommentar

Beim Überholen ist der Tod ganz schnell

Landstraßen sind gefährlicher als Autobahnen: Zwei Drittel aller Verkehrsopfer sterben auf Landstraßen. Nur ein Drittel der Bevölkerung ist sich dessen bewusst. Wenn es stimmt, was die Zeugin über eine/n rasenden und riskant überholenden Porschefahrer/in sagt, wäre es ein Extrembeispiel eines Verhaltens, das sich häuft. In einer Situation wie vorgestern Abend ist es kaum die Lust am schnellen Fahren, die jemanden zu solch einem Irrsinn treibt.

02.10.2009

Es ist Selbstüberschätzung, Überschätzung der Möglichkeiten des eigenen Autos, Zeitdruck. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein will oder muss, erträgt es kaum, in einer Kolonne übers Land zu zockeln.

Kaum zu glauben: Als ich vorgestern Abend die Unfallstelle zwischen Rottenburg und Seebronn verließ, stieß ein Sattelschlepper in Schlangenlinie rückwärts aus der Sackgasse, in der er sich wegen des Unfalls befand. Der Fahrer hielt es anscheinend nicht mehr aus, noch länger auf freie Fahrt zu warten.

Kaum zu glauben: Als ich gestern Mittag nochmal zu Unfallstelle fuhr, überholte mich und das langsam fahrende Fahrschulauto vor mir ein Balinger Kleinbus – in der Einfahrt zur Landesstraße 361 und obwohl es bergauf geht. Knapp vor einem entgegenkommenden Auto scherte das Busle ein.

Erschreckend viele Autofahrer gefährden ihr Leben und das anderer durch wahnwitziges Überholen. Manche überleben ihre Attacke nur, weil der Entgegenkommende in die Eisen steigt oder weil besonnenere Menschen dem Überholer in dessen Not eine Lücke zum Einscheren freibremsen. Manche Leute können zwar aufs Gas treten, aber autofahren können sie deshalb noch nicht.

Dass die Zahl der Verkehrstoten dennoch zurückgeht, ist dem technischen Fortschritt zu verdanken. Fatal kann es enden, wenn man ihn nicht nutzt. Die vorgestern Abend bei Rottenburg ums Leben gekommene Frau und der getötete Mann waren nicht angegurtet. Vielleicht, ja wahrscheinlich hätten sie überlebt, obwohl mutmaßlich der Porsche-Fahrer sie in den Unfall zwang.

Was auch zu sagen ist: Die L 361 ist zu schmal für dieses Verkehrsaufkommen von und zur Autobahn. Generell müssen sich Straßenplaner überlegen, ob sie statt löchriger, holpriger oder – in diesem Falle neuer – geschotterter Bankette die Landstraßen seitlich nicht um 30 oder 40 Zentimeter breiter anlegen und dort einen Rüttelstreifen einsetzen, der die Fahrer akustisch und sensuell warnt, aber nicht so erschreckt. Ein Großteil von Verkehrstoten sind Folge zu heftigen Gegenlenkens. Auf Autobahnen reduzierten Rüttelstreifen den Unfalltypus „Nach-rechts-von der Fahrbahn-abkommen“ um 43 Prozent! Ein dreijähriger Pilotversuch an Landstraßen beginnt erst nächstes Jahr. Gert Fleischer

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Erstellt:
2. Oktober 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Oktober 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2009, 12:00 Uhr

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