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Beifallsstürme
für „Endspiel“
in Salzburg
Vom Salzburger Publikum bejubelt: Nicholas Ofczarek (Hamm) und Michael Maertens (Clov). Foto: Bernd Uhlig

Beifallsstürme für „Endspiel“ in Salzburg

Das Stück zum Weltuntergang: Bei den Salzburger Festspielen wurde Becketts „Endspiel“ bejubelt – tolles Theater zwischen Apokalypse und Aberwitz.

01.08.2016
  • OTTO PAUL BURKHARDT

Salzburg. Als „Gruselschocker“ stufte Beckett seinen Text damals, vor der Uraufführung 1957, ein. Heute ist es ein Lehrplan-Klassiker. Dass Altmeister Dieter Dorn das Stück für die Festspiele beckett-getreu „ohne Zutaten“ inszenieren wird, war erwartbar. Aber wie er das macht: Er lässt den Text tanzen, flirren und irrlichtern – im weiten Feld zwischen Nihilismus und Slapstick, Katastrophe und Klamauk.

Weit weg von uns wirkt die Holzkate, in der alles spielt, erst wie ein winziges Guckkästlein. Dorn lässt sie langsam näher rücken – zoomt so das Stück aus ferner Nachkriegszeit heran. Was dann beginnt, ist funkelndes Schauspielertheater, feinstes Pingpong zwischen Hamm und Clov. Michael Maertens ist Clov, ein buckelnder Krankenpfleger, der seine Mauerschau über den Zustand der Welt uns mit flammendem, wichtigtuerischem Blick zuraunt: „Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.“

Hamm wiederum ist bei Nicholas Ofczarek vieles: ein blinder, gieriger Tyrann, der auf einem abgewrackten Sessel thront, ein Pflegefall, ein begnadeter Selbstinszenierer – und ein bizarrer Guru mit Zottelhaar und Pop-Sonnenbrille, der seine lächerliche Ohnmacht mit triefendem Pathos übertüncht. Wenn er seinem gequälten Helfer Clov ein schleimiges „Ich habe dich zu viel leiden lassen, verzeih!“ gönnt, lässt dieser das mit einem bockigen „ich hab's gehört“ abprallen. Absolut stark und vielschichtig gespielt, das alles. Beckett zwischen Buster-Keaton-Witz und Weltuntergangs-Szenario. „Nichts ist komischer als das Unglück“: Das gilt bei Dorn auch für Nagg und Nell, dem in Mülltonnen vegetierenden Elternpaar (berührend: Joachim Bißmeier und Barbara Petritsch).

„Werktreue“ bedeutet oft nur Gedankenarmut und Risikoangst der Regie. Bei Dorn aber ist es ein Sprungbrett – in die Freiheit eines Spiels, das Details dieses Klassikers neu aufblitzen und schillern lässt. Am Ende rückt der Guckkasten, der uns zwischen Apokalypse und Aberwitz schweben ließ, wieder in die Ferne. Das Publikum – ja, auch Angela Merkel verfolgte dieses „Endspiel“: Es jubelt. Laut und ausgiebig.

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01.08.2016, 06:00 Uhr
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