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Der illegale Dreh am Tacho

Bei jedem dritten Gebrauchtwagen ist der Kilometerstand manipuliert

Es braucht nur einen Tastendruck - und schon ist der Kilometerstand niedriger und der "Gebrauchte" kann viel teurer verkauft werden. Tacho-Betrug verursacht Schätzungen zufolge Milliardenschäden.

23.10.2015
  • PETRA ALBERS, DPA

Köln Gebrauchtwagenkauf ist Vertrauenssache - das gilt nach einer Studie des Tüv Rheinland besonders beim Thema Tachobetrug. Der Tüv geht davon aus, dass bei knapp einem Drittel aller gebrauchten Autos der Kilometerstand heimlich zurückgedreht wurde. Der Wagen kann für viel mehr Geld verkauft werden, als er wert ist. Für seine Umfrage hatte der Tüv sowohl private Käufer als auch private Verkäufer von Gebrauchtfahrzeugen befragt.

Laut ADAC verursachen Tacho-Betrüger jährlich einen Schaden von sechs Milliarden Euro, jedes dritte Auto sei betroffen. Hersteller und Händlerverbände halten dies für zu hoch gegriffen, valide Zahlen liegen nicht vor. "Es gibt ein riesiges Dunkelfeld. Oft ist es schwierig, den Betrug nachzuweisen", sagt Martin Lotz, Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei Köln.

Geräte zum Verändern des Tachostands kann jeder frei im Internet kaufen. In Sekundenschnelle lässt sich damit die Kilometerzahl reduzieren. Ein argloser Käufer zahlt dann nicht nur beim Kauf zu viel, sondern habe als Folge möglicherweise auch höhere Reparaturkosten, sagt Tüv-Bereichsvorstand Jürgen Brauckmann. Hinzu komme das Sicherheitsrisiko, weil der Neubesitzer Wartungsintervalle oder den Austausch von Verschleißteilen verpassen könnte. Bislang wird Tacho-Betrug mit höchstens einem Jahr Haft bestraft.

Der ADAC fordert technische Lösungen: Ein in Neuwagen eingebauter Chip könne spätere Tacho-Manipulationen zumindest erheblich erschweren. "Die Hersteller könnten das schon seit Jahren tun, es wäre für sie im Grunde ein Klacks", sagt auch die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil.

Doch die Industrie sagt: "Technik allein kann Manipulation nicht verhindern", betont ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Hersteller arbeiteten kontinuierlich daran, Maßnahmen gegen Tachomanipulation zu verbessern, sähen sich aber im Wettlauf mit den Betrügern: "Bei dem ständigen technischen Fortschritt geht es immer darum, eine Nasenlänge voraus zu sein." Um Tacho-Betrug zu erschweren, seien deshalb zusätzliche Datenerhebungen von Fahrzeugen sinnvoll.

Mehrere Unternehmen arbeiten bereits am Aufbau von Datenbanken, die regelmäßig die Kilometerstände von Autos erfassen sollen, etwa bei Werkstattbesuchen und Hauptuntersuchungen. Dabei setzt Unionspolitikerin Heil auf freiwillige Teilnahme - alles andere sei datenschutzrechtlich schwierig.

Nach Auffassung des ADAC dagegen suggerieren Datenbanken einen nicht vorhandenen Schutz. "Das ist Augenwischerei", sagt ADAC-Experte Arnulf Thiemel. Denn Betrüger könnten den Kilometerstand schon vor der ersten Wartung zurückdrehen. "Im Endeffekt würden Täter nur angespornt, noch systematischer vorzugehen."

Info Für die repräsentative Studie hat der Tüv Rheinland 1589 Personen befragt, davon 893 Personen, die in den letzten drei Jahren einen Gebrauchtwagen gekauft haben und 696 Personen, die ihr Fahrzeug in den nächsten drei Jahren auf dem Privatmarkt verkaufen wollen.

Bei jedem dritten Gebrauchtwagen ist der Kilometerstand manipuliert
Mit einem solchen Diagnosewerkzeug lässt sich der Kilometerstand eines gebrauchten Pkw sekundenschnell verändern. . .

Bei jedem dritten Gebrauchtwagen ist der Kilometerstand manipuliert
. . . zum Beispiel wie hier von tatsächlich 145 000 gefahrenen Kilometern auf einen Stand von nur 25 000. Fotos: dpa

Sicher herausfinden lässt sich eine Tachomanipulation kaum. Es gibt aber Indizien, auf die der Käufer achten sollte. Dazu zählt ein stark verschlissener Innenraum, der nicht zur geringen Kilometerzahl passen will. Ein Blick ins Auto kann aber nicht immer Sicherheit geben: "Viele Betrüger ersetzen Bauteile wie das Lenkrad vor dem Verkauf", sagt Philipp Schreiber vom Tüv Süd. Ein Blick ins Inspektionsheft bringt da schon sicherer Klarheit: Lückenlos geführt sind dort alle Reparaturen und Hauptuntersuchungen mitsamt der jeweiligen Kilometerstände zu finden. Fehlt dieses Heft, sollte man auf die Vorlage von HU-Berichten und Reparatur-Rechnungen bestehen. Kann der Verkäufer diese nicht vorlegen, ist ein Kauf nicht ratsam. Auch der Ölwechselaufkleber kann Hinweise auf Manipulationen liefern: "Wenn das Öl laut Kleber bei 180 000 Kilometern ausgetauscht werden muss, der Tacho 100 000 Kilometer zeigt, stimmt etwas nicht", sagt Schreiber. In der Regel steht der Ölwechsel spätestens alle 30 000 Kilometer an. Im Zweifel empfiehlt sich ein Gebrauchtwagencheck. Werkstätten und Prüforganisationen bieten diese Inspektionen an. Innenraum, Motor, Getriebe, Unterboden, Abgas- und Bremsanlage, Räder und Achsen werden dabei unter die Lupe genommen. dpa.

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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