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Ein Fünftel schafft die Deutsch-Prüfung nicht

Bei der Polizeiausbildung scheitern viele Bewerber schon am Eignungstest

Selbst Bewerber mit Abitur haben Probleme mit der Rechtschreibung. Die Gründe sind unklar – doch die Bayern können es besser.

07.05.2018

Von ANDREA TRAJANOSKA

Zuerst muss man den Einstellungstest schaffen, dann erst kann man die Polizeiausbildung beginnen. Foto: Christian Charisius/dpa

Stuttgart. Der Schwabe kann alles außer Hochdeutsch – so scheint es, wenn man sich die Durchfallquote der vergangenen Bewerberjahrgänge der Polizei in Baden-Württemberg ansieht. 5600 Bewerber hatten sich 2017 auf 1800 Stellen beworben. Ein erfreulicher Trend, der in den vergangenen Jahren angehalten hat. Doch von 4200 Bewerbern, die den Eignungstest absolviert haben, sind allein rund ein Fünftel – also 840 – durch die Deutschprüfung gerasselt.

Änderung nicht vorgesehen

Davor waren es sogar noch mehr. „In den beiden vergangenen Jahren haben in der Tat rund ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber den Deutschtest nicht bestanden. Diese Auswertung bezieht sich allerdings auf alle Bewerberinnen und Bewerber – also auch diejenigen mit mittlerem Bildungsabschluss“, so der Pressereferent des Innenministeriums Renato Gigliotti.

Der Test sei nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erstellt worden, um Anwendung und Kenntnisse der deutschen Sprache zu prüfen. Eine Veränderung des Testverfahrens sei laut Innenministerium nicht vorgenommen worden. Der Deutschtest bestehe nach wie vor aus einem Sprachverständnis- und Rechtschreibtest.

Der Verständnistest enthält 30 Multiple-Choice-Fragen, von denen 14 richtig beantwortet werden müssen. Abgefragt werden hier unter anderem Syntax und Pragmatik. Der Rechtschreibtest besteht aus einem Lückendiktat mit etwa 57 fehlenden Wörtern – die maximale Anzahl der Fehler darf für den mittleren Dienst bei 24 und für den höheren Dienst bei 19 liegen. Der vorgesprochene Text wird über Lautsprecher vorgelesen und die Textlücken am Computer ausgefüllt. Satz- und Sonderzeichen werden nicht geprüft.

Im benachbarten Bayern läuft es nicht nur in Sachen Bewerberzahlen besser – die sind mehr als doppelt so hoch. Auch mit Grammatik und Rechtschreibung scheinen die Polizeianwärter dort besser zurechtzukommen als die baden-württembergischen Nachbarn. Laut Bayerischem Staatsministerium des Inneren lag die Gesamtbewerberzahl 2017 bei rund 13 700. Auch hier werden Rechtschreibung, Wortverständnis, Sprachgefühl und Grammatik geprüft. Von den 4669 zum Test eingeladenen Polizeianwärtern sind 429 Bewerber durch den Deutschtest gerasselt. Macht eine Quote von 9,2 Prozent. Auch in den vergangenen Jahren hat laut Ministeriumsangaben die Durchfallrate der Bewerber zwischen acht und neun Prozent gelegen.

Den Schwierigkeitsgrad zu benachbarten Bundesländern zu vergleichen, sei „schwierig darstellbar“, sagt Gigliotti dazu. Dies vor allem, weil jedes Bundesland auf verschiedene Testverfahren zurückgreift. Einen Grund für die hohe Durchfallquote im Südwesten kann das Ministerium aber auch nicht nennen – dazu sei das Phänomen zu vielschichtig. Allerdings habe man auch noch nie eine Untersuchung diesbezüglich angestellt.

Schlauer als die Polizei? Einige Beispielfragen

Wer im Südwesten zur Polizei möchte, sollte zum Beispiel dies beantworten können. „Falschgeldscheine nennt man… A) Stängel B) Blüten C) Knospen“. Eine weitere Aufgabe: bei einem Lückendiktat die hervorgehobenen Wörter richtig schreiben: „Das Weitere entzog sich seiner Kenntnis, bis vor der Sperre ein Beamter auf ihn losstürmte und seine Personalien verlangte.“

In Bayern sollten Anwärter Grammatikkenntnisse auffrischen. Fragen nach richtigen Präpositionen könnten kommen: „Die Erklärungen des Täters standen im Widerspruch von seinen ersten Aussagen.“ (Lösung: „zu“). Oder auch „Hinsichtlich all__ übertragen__ Lizenzen gilt, dass sie im Einzelfall ohne Auflage weiter__ Prüfungen anerkannt werden, wenn sie deutsch__ Recht entsprechen und mit ein__ entsprechend__ Vermerk versehen sind.“ Richtige Lösung: aller, übertragenen, weiterer, deutschem, einem, entsprechenden. ?ant

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Erstellt:
7. Mai 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Mai 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2018, 06:00 Uhr

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