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Stahlbrücke löst Fähre ab

Bei Zwingenberg entsteht ein zeitgemäßer Übergang über den Neckar

Die Tage der Neckarfähre in Zwingenberg sind gezählt. Wenn die neue Schrägseilbrücke fertig ist, wird das Schiff nicht mehr gebraucht. Für den Ortsvorsteher der Kommune geht ein Traum in Erfüllung.

27.08.2010

Von HANS GEORG FRANK

Zwingenberg Für Bürgermeister Peter Kirchesch war es "ein bewegender Moment", als das letzte Stück der Stahlbrücke eingefügt wurde. Mit dem 60 Meter langen Element schloss sich die 216 Meter breite Verbindung, auf die Kirchesch seit 1999 wartete. "Ein Traum geht in Erfüllung", sagte der Vorsteher der Kommune mit nur 720 Einwohnern im Neckar-Odenwald-Kreis.

Doch noch fehlen die Anschlussstraßen, der Belag und die Geländer. "Die Brücke ist fertig bis Dezember", verlautete aus dem Rathaus. Dann werde der Fährbetrieb eingestellt. Seit ewigen Zeiten sind Fußgänger, Radfahrer, Automobilisten, Bauern auf die Fähre angewiesen, wenn sie ans andere Ufer möchten. Auch Campingplatz und Naturfreundehaus sind auf diese Weise erreichbar. Die archaische Transporthilfe ist eine der letzten ihrer Art am Neckar.

Sobald alle Arbeiten abgeschlossen sind, regeln Ampeln, wer die einspurige Bahn benutzen darf; Radler und Wanderer haben freilich stets ungehinderten Übergang. Bisher verkehrt die Fähre nur zwischen 9 und 19 Uhr, wenn nicht gerade Mittagspause ist oder Nebel und Gewitter ein Auslaufen verhindern. Wenn die Fähre nicht ablegen kann, ist die gegenüberliegende Uferseite nur über einen 18 Kilometer langen Umweg anzufahren. Vor allem Radtouristen, es sind jährlich 20 000 und werden immer mehr, fühlen sich behindert.

Für Zwingenberg ist die Fähre vor allem ein Zuschussbetrieb. Von den 50 000 Euro, die als jährliches Defizit anfallen, übernimmt zwar die Kreiskasse 22 000 Euro, aber der Haushaltsposten ist trotzdem eine schwere Last, muss die Fähre doch auch regelmäßig überprüft und gewartet werden. Weil neuerdings zwei Mann für den Betrieb benötigt würden, "können wir uns das nicht mehr leisten", sagte ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Bisher wechseln sich sechs Männer am Ruder ab, die zum kommunalen Bauhof gehören oder als 400-Euro-Kraft bezahlt werden.

Für die Fachleute des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Heidelberg wird am Flusskilometer 66,37 eine Gefahrenstelle beseitigt. Wegen einer "starken Linkskrümmung mit relativ ungünstigen Sichtverhältnissen" müssen sie befürchten, dass Kapitäne besonders bei der Bergfahrt das querende Hindernis zu spät erkennen. Zwingenberg kommt zu der ersehnten Brücke mit den 40 Meter hohen Pfeilern zum Schnäppchenpreis. Von den rund sechs Millionen Euro muss das Dorf nicht einmal 150 000 Euro bezahlen, 98 Prozent der Kosten übernehmen Land und Bund. Für die Grünen ist dies ein Paradebeispiel für ein "wirtschaftlich völlig unsinniges Vorhaben" und der Bund der Steuerzahler prangerte den "sorglosen Umgang mit Steuergeldern" an.

Sobald die Brücke fertig ist, wird der Betrieb der Fähre eingestellt. Radtouristen können den Neckar dann zu jeder Tages- und Nachtzeit überqueren. Foto: Agenda

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Erstellt:
27. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. August 2010, 12:00 Uhr

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