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Ab Mittwoch gibt es bei allen Bahnunternehmen einheitliche Fahrgastrechte

Bei Zugverspätung winkt Bargeld

Ab kommenden Mittwoch erhalten Bahnfahrer bei erheblichen Verspätungen mehr Geld zurück. Erstmals gibt es auch eine Entschädigung im Nahverkehr, und die Erstattung soll einfacher werden.

25.07.2009
  • DIETER KELLER

Mit der Pünktlichkeit ist es bei der Bahn nicht zum Besten gestellt. Künftig gibt es zumindest mehr Geld zurück: Bei über einer Stunde Verspätung 25 Prozent vom Fahrpreis, ab zwei Stunden sogar 50 Prozent. Einfach und unbürokratisch soll es zugehen, wenn am 29. Juli das neue Fahrgastrechtegesetz in Kraft tritt. Es gilt nicht nur für die Deutsche Bahn (DB), sondern auch für alle privaten Konkurrenten. Selbst der meist besonders kritische Fahrgastverband Pro Bahn ist mit den Neuregelungen weitgehend zufrieden. Allerdings wäre ihm eine Entschädigung schon nach einer halben Stunde noch lieber. Mit dem Gesetz setzt Deutschland Vorgaben der EU ein paar Monate früher um, als es die EU vorschreibt. Sie gelten nicht nur für inländische, sondern auch für grenzüberschreitende Fahrten. Das etwas merkwürdige Start-Datum ist leicht zu erklären: Nach der Unterschrift des Bundespräsidenten trat das Gesetz am 29. Mai in Kraft. Danach hatten die Bahnen genau zwei Monate Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen. Wann gibt es Geld zurück? Ab einer Verspätung von 60 Minuten 25 Prozent, ab 120 Minuten 50 Prozent. Der Aufpreis im ICE-Sprinter wird weiterhin ab 30 Minuten Verspätung erstattet. Für die Verspätung wird die gesamte Reisekette berücksichtigt von der S-Bahn bis zum ICE, und zwar auch dann, wenn Anschlusszüge nicht erreicht werden, selbst wenn es sich um Konkurrenten der Deutschen Bahn handelt. Voraussetzung ist eine Fahrkarte für die gesamte Strecke. Bisher erstattete die Deutsche Bahn nur im Fernverkehr nach einer Stunde 20 Prozent, und zwar als Gutschein. Künftig gibt es auch im Nahverkehr Geld zurück, und das auf Wunsch in bar oder aufs Girokonto. Welche Fälle sind ausgeschlossen? Höhere Gewalt, wenn also die Bahn die Verspätung nicht zu vertreten hat. Nichts zurück gibt es daher bei schlechtem Wetter oder Unglücken, etwa wenn ein Auto auf den Gleisen steht oder sich jemand vor den Zug geworfen hat. Eine Entschädigung ist ebenfalls ausgeschlossen, wenn wegen einer Verspätung von Bussen, U-Bahnen oder Taxis der Zug verpasst wird. Noch nicht geklärt ist, ob Streiks als höhere Gewalt gelten. Was bekommen Inhaber von Zeitkarten? Inhaber einer Mobility Card 100, also einer Karte fürs ganze DB-Netz, erhalten in der 2. Klasse ab 60 Minuten pauschal 10 EUR, in der 1. Klasse 15 EUR. Bei Streckenzeitkarten des Fernverkehrs sind es 5 (1. Klasse 7,50) EUR, bei Zeitkarten des Nahverkehrs, Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket 1,50 (2,25) EUR. Allerdings wird die Entschädigung erst ab einem Mindestbetrag von 4 EUR ausbezahlt. Im Nahverkehr müssen Zeitkarten-Inhaber also mindestens drei Fälle zusammenkommen lassen. Wie weise ich die Verspätung nach? Um die Entschädigung zu beantragen, wurde ein einheitliches Formular für alle Bahnen entwickelt. Dieses gibt es beim Servicepersonal im Zug, an den Schaltern der Bahnen, im Internet und an den DB Service Points. Im Zug erhalten die Fahrgäste vom Servicepersonal eine Bestätigung der Verspätung per Zangenabdruck, allerdings nicht, wenn sie Anschlusszüge verpassen. Ansonsten bestätigt der DB Service Point innerhalb von fünf Tagen eine Verspätung, und auch das Servicezentrum kann sie ermitteln. Was ist bei einer Verspätung nachts? Ist eine Verspätung am Ziel von mindestens 60 Minuten zu erwarten und käme der Zug planmäßig zwischen 0 und 5 Uhr an, bekommt der Fahrgast bis zu 80 EUR für Taxi oder Bus erstattet. Das gleiche gilt, wenn der letzte Zug am Tag ausfällt und der Zielbahnhof mit anderen Verkehrsmitteln nicht bis 24 Uhr zu erreichen ist. Muss der Passagier im Hotel übernachten, bekommt er die Kosten für eine "angemessene " Unterkunft zurück. Wie schnell gibt es Geld? In der Regel sofort im DB Reisezentrum oder bei einer DB-Agentur als Gutschein oder in bar, wenn neben dem Formular samt Bestätigung der Verspätung die Originalfahrkarte vorgelegt wird. Ansonsten müssen diese an das Servicecentrum Fahrgastrechte in Frankfurt am Main geschickt werden, das im Auftrag aller Bahnunternehmen arbeitet, also der DB und ihrer Konkurrenten. Hierhin muss sich in jedem Fall wenden, wer keine Bestätigung der Verspätung hat, nur eine Kopie seiner Fahrkarte einreichen will, eine Zeitkarte hat oder Kosten wie Taxi und Hotel erstattet haben will. Kann ich bei Verspätungen auch einen anderen Zug nehmen? Ist eine Verspätung von mindestens 20 Minuten zu erwarten, kann der Fahrgast einen höherwertigen Zug nutzen, solange er nicht reservierungspflichtig ist, also beispielsweise statt eines Regionalexpress einen IC. Er muss allerdings zunächst den Aufpreis zahlen und bekommt ihn erstattet. Dies gilt jedoch nicht für erheblich ermäßigte Fahrkarten wie Schönes-Wochenende-Tickets oder Ländertickets. Droht eine Verspätung von mehr als 60 Minuten, gibt es das Recht, die Reise erst gar nicht anzutreten; der Fahrpreis wird dann voll erstattet. Wo kann ich mich beschweren, wenn es Probleme gibt? Um Klagen vor Gericht zu vermeiden, gibt es derzeit die Schlichtungsstelle Mobilität, die unter dem Dach des Verkehrsclubs Deutschland in Berlin arbeitet. Ab Dezember wird eine neue bundesweite Schlichtungsstelle öffentlicher Verkehr eingerichtet. Die DB gründet sie mit anderen Verkehrsgesellschaften, aber sie arbeitet unabhängig. @ http://www.fahrgastrechte.info http://www.bahn.de/fahrgastrechte http://www.schlichtungsstelle-mobilitaet.org

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25.07.2009, 12:00 Uhr
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