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Stadtentwicklung

Bei Pendlern begehrt

Geschäftig, verkehrsgünstig, familienfreundlich und grün: Birkach zählt zu den Top-Wohnlagen in Stuttgart – und verändert sich daher rasant.

01.09.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Hat man diese zwei Straßen gesehen, weiß man, wie Birkach tickt. Auf der einen Seite ist da die Alte Dorfstraße. Wenige Autos fahren zwischen den imposanten Fachwerkgebäuden und kleinen Bauernhäuschen. Aus den efeubedeckten Gemäuern kriecht die Geschichte. Das alte Rat- und Schulhaushaus von 1826 steht hier, etwas weiter die Franziskakirche, die Herzog Carl Eugen seiner gleichnamigen Geliebten zu Ehren 1780 bauen ließ, gegenüber ist die imposante Villa Eckstein im englischen Landhausstil. Die Zeit scheint hier stehengeblieben, und noch bis in die 1950er war Birkach nicht mehr als ein Straßendorf, in dem sich das gesamte Leben links und rechts dieser Ader abspielte.

Und dann ist da die Birkheckenstraße, die im weiteren Verlauf in die Welfenstraße übergeht. Supermarkt, Eiscafé, Hotel, Post, Apotheke, Schuhladen, Tankstelle, Frisör, außerdem jede Menge Handwerker und Dienstleister, eine Handvoll netter Restaurants und ein Hofladen. Haufenweise Autos schieben sich über diese Route, Passanten wuseln umher. Hier brummt‘s – akustisch und im übertragenen Sinn.

Es ist dieser Mix aus Dorfidylle und städtischer Infrastruktur, der Birkach für viele so attraktiv macht. Bei einer Bürgerumfrage 2013 stellten die Bewohner ein tolles Zeugnis aus. 27 Prozent waren „sehr zufrieden“, 58 Prozent immerhin „zufrieden“. Der Filderbezirk gilt mit mehreren Kindergärten und -häusern, einer Grundschule mit Ganztagsbetreuung, einem Jugendhaus und einer Jugendfarm als besonders familienfreundlich. Auf einem Faltblatt wirbt die Stadt mit außergewöhnlich vielen Spielplätzen. Auch das Vereinsleben ist rege. Klubs kümmern sich um Sport, Gesang und Gewerbe, der Bürger- und Kulturverein organisiert Veranstaltungen. Eine eigene Feuerwehr schützt die etwa 6800 Einwohner im zweitkleinsten Bezirk.

Mitten im Grünen, aber keineswegs ab vom Schuss. Zwar stoppt hier keine U-Bahn, dafür drücken sich mehrere Buslinien durch den Ortskern. „Sie kommen nicht nach Birkach rein, ohne dass Ihnen drei, vier Busse begegnen“, sagt Eberhard Dittmann, der die 75 Jahre seines Lebens im Flecken verbracht hat. Und nicht nur in der City ist man zügig, auch die Autobahn und die Bundesstraße sind rasch erreicht. Kein Wunder also, dass Birkach eines der begehrtesten Pflaster in Stuttgart ist. Neben Studenten der nahen Universität Hohenheim zieht es vor allem junge Familien, die es nah ins Büro und in den Wald haben wollen, hierher. Daimler-Hausen, unkt der eine oder andere, und Andrea Lindel, die Bezirksvorsteherin, kann die Vorurteile von den Besserverdienern, die ins Dorf einfallen und die Preise nach oben treiben, nur teilweise entkräften. Vor allem im Ortsteil Schönberg, wo man am Südhang von morgens bis abends Sonne hat und dem idyllischen Ramsbach lauschen kann, wohnt „alles, was reich ist und gut situiert“.

Eberhard Dittmann weiß um die Attraktivität – und das damit verbundene Dilemma. Er, dessen Familie seit 1730 in Birkach lebt, ist so etwas wie das Gedächtnis des Ortes. Seit jeher sammelt er historische Fotos und Karten. Um die 4000 hat der ehemalige Finanzprüfer auf seinem Computer und fünf Bücher veröffentlicht – alle vergriffen. Er weiß aber auch: Diejenigen, die sich für das alte, das dörfliche Birkach interessieren, werden weniger. Der Bezirk konnte nie Industrie ansiedeln. Die Nachkommen der Einheimischen sind weggezogen, „die kann man an einer Hand abzählen“. Die Neuzugänge sind klassische Pendler. Zum Stammtisch der Alt-Birkacher im TSV-Vereinsheim kommen nicht mehr sehr viele, sagt Dittmann. Goldene Konfirmationen zu organisieren, das sei mittlerweile auch ein Problem. Und die katholische Pallotti-Kirche steht leer und wird ab Frühjahr einer Neubebauung weichen. „Das tut mir weh, dass die Gemeinde ihren Mittelpunkt verliert“, sagt Dittmann.

Dennoch ist der Ortshistoriker keiner, der Krokodilstränen weinen will, wie er sich ausdrückt. Alles ändert sich, und das neue Birkach gehöre zum alten. Das Eiscafé etwa, das erst im April eröffnet hat, belebe das Örtle ja. Eberhard Dittmans Miene hellt sich auf. „Das freut einen, wenn man sieht, da ist was los.“

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01.09.2017, 06:00 Uhr
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