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Tal der Sensationen

Begeisterung auf der Pressekonferenz in Kairo: Der Ägyptologe Nicholas Reeves und die Suche nach der Nofretete

Die Suche nach Grab und Mumie der Nofretete nimmt Fahrt auf: Der Ägyptologe Nicholas Reeves erläutert in Kairo seine ersten Untersuchungen im Tal der Könige - genauer: im Grab des legendären Tutanchamun.

02.10.2015
  • MARTIN GEHLEN

Kairo Größte Entdeckung des 21. Jahrhunderts oder hysterische Schatzsuche? Seit zwei Monaten hält der britische Ägyptologe Nicholas Reeves die Fachwelt mit seiner Theorie in Atem, die Mumie der Nofretete liege seit 3300 Jahren ungestört mit im weltberühmten Grab von Tutanchamun. "Ich bin zu 70 Prozent sicher, dass wir eine weitere Kammer finden - und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sie Nofretete gehört", stimmte gestern auf einer Pressekonferenz in Kairo Antikenminister Mamdouh Eldamaty in den Chor der Enthusiasten ein. Zwei Tage lang hatten er und Reeves im Tal der Könige noch einmal KV 62 untersucht, wie das Grab des berühmten jugendlichen Pharaos unter Fachleuten heißt.

Die unterirdische Anlage, die seit kurzem für den Publikumsverkehr komplett gesperrt ist, sei größer als bisher bekannt, argumentiert Reeves. Ihr Design gleiche eher einer Königinnen-Gruft. Ein noch unentdeckter Raum hinter der Westwand könnte weitere Grabbeigaben Tutanchamuns enthalten, hinter der Nordwand könnte sich das "ungeplünderte Grab" der Nofretete verbergen, glaubt der renommierte Amarna-Experte, der an der Universität von Arizona lehrt. 1912 entdeckte der deutsche Forscher Ludwig Borchardt die Büste der weltberühmten Schönheit. Das verschollene Grab der Gattin von "Ketzerkönig" Echnaton dagegen zählt bis heute zu den großen Rätseln der Ägyptenforschung.

Reeves ist nun überzeugt, dass der komplette Schacht ursprünglich für Nofretete gedacht war. Die außergewöhnliche Frau sei von Amarna nach Theben zurückgekehrt, habe sich mit der Amun-Priesterschaft ausgesöhnt und Ägypten noch einige Jahre als Königin Smenkhkare regiert. Als ihr Stiefsohn und Nachfolger, der 19-jährige Tut, überraschend starb, habe man hastig die beiden vorderen Kammern zu dessen Grab umgewidmet, die hintere von Nofretete abgetrennt und zugemauert.

Der Brite stützt seine Doppelgrab-Theorie auf dreidimensionale Scans, die die spanische Firma Factum Arte vor einigen Jahren anfertigte. Auf den Präzisionsfotos, die Strukturen unter Putz und Bemalung sichtbar machen, fielen Reeves Linien, rechtwinkelig verlaufene Risse und Schatten auf, die er als zugemauerte Türöffnungen zu zwei zusätzlichen Felskammern deutete.

Zusammen mit Antikenminister Eldamaty fand der britische Experte jetzt vor Ort weitere Anhaltspunkte für seine Vermutung. Die Untersuchung habe ergeben, dass sich die Decke des Tut-Grabes hinter der mit Malereien dekorierten Nordwand fortsetze. Daraus schließt Reeves, dass die Nordwand nicht aus massivem Fels besteht, sondern eine nachträglich eingezogene Sandsteinmauer ist, in der die auf den Scans sichtbare "Servicetür" eingelassen war. Diesen großen, später zugemauerten Durchgang deutet er als Indiz, dass sich in der verborgenen Kammer dahinter - ähnlich wie bei Tutanchamun - ein mit goldenen Holzschreinen ummantelter Sarkophag für eine "Super-Königin" befinden muss.

Klarheit sollen in den nächsten drei Monaten Radarscans der Wände und Analysen mit Wärmebildkameras bringen. Sollten sich tatsächlich Hohlräume nachweisen lassen, stehen die Entdecker vor ihrer nächsten Herausforderung. "Dann müssen wir Wege finden, diese Felskammern zu öffnen, ohne das Grab des Tutanchamun zu beschädigen", erläuterte Eldamaty, der an der Universität Trier promoviert hat. Und so ist der 53-Jährige dann doch zu sehr Wissenschaftler, um nicht am Ende einige Fragezeichen in die aufgeregten Wogen zu streuen. Die unentdeckte Grablege könne auch, so gab er zu Bedenken, die von Meritaton, der Tochter Nofretetes, oder die von Kiya, der leiblichen Mutter des Tut, sein.

Begeisterung auf der Pressekonferenz in Kairo: Der Ägyptologe Nicholas Reeves und die Suche nach
Nofretete-Pressekonferenz in Kairo mit dem britischen Ägyptologen Nicholas Reeves (rechts) und Antikenminister Mamdouh Eldamaty (2. v. l.). Foto: dpa

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02.10.2015, 12:00 Uhr
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