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Begehrte Patienten aus dem Ausland
Eine Patientin mit Dolmetscherin in der Uniklinik Heidelberg: Die deutschen Krankenhäuser setzen auch auf „Gesundheitstouristen“. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg/dpa
Gesundheit

Begehrte Patienten aus dem Ausland

Deutsche Kliniken buhlen um zahlungskräftige Patienten aus Russland oder den Golfstaaten. Auf dem umkämpften Markt spielen Vermittler und Messen eine Rolle.

16.03.2017
  • LSW

Mannheim. Prominenter geht es kaum: Ägyptens damaliger Präsident Husni Mubarak wählte die Uniklinik Heidelberg, als er sich 2010 die Gallenblase entfernen ließ. Kasachstans Machthaber Nursultan Nasarbajew folgte ein Jahr später mit einer Prostata-Operation in Hamburg. Und die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko unterzog sich in Berlin einem Eingriff am Rücken.

Jens Juszczak wundert sich nicht über solchen Andrang. „Weil sie eine hervorragende Qualität, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und gut ausgebildete Ärzte haben, sind deutsche Kliniken weltweit so beliebt“, sagt der Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem „Gesundheitstourismus“.

Russen, die ihrer Gattin eine neue Brust bezahlen, oder Araber, die für eine Botox-Kur anreisen: Wenige Sparten der Branche scheinen so voller Klischees wie der Aufenthalt ausländischer Patienten. „Viele kommen zunächst zu einer anderen medizinischen Behandlung“, sagt Benjamin Waschow vom Uniklinikum Freiburg. Erst später stünde dann vielleicht eine Beratung mit dem Schönheitschirurgen an.

Oft fragen Patienten mit ernsten Erkrankungen an, die kein Vertrauen in das Gesundheitssystem ihres Landes haben. Es geht etwa um Geburtsschäden, Unfallverletzungen oder Kriegswunden. Viele Kunden kratzen ihr letztes Geld zusammen. Für sie präsentiert sich Deutschland als Paradies: top ausgebildete Ärzte in modernen Kliniken.

Der Markt ist umkämpft – und lukrativ. Mehr als 250 000 Ausländer reisen jährlich an, um sich behandeln zu lassen. „Das beschert dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von über 1,2 Milliarden Euro“, sagt Juszczak. Viele Medizintouristen stammen aus früheren Sowjetrepubliken. Patienten aus den Golfstaaten ließen sich früher oft in den USA operieren, nun zieht es eher nach Deutschland. Experten vermuten dahinter Ressentiments gegen Muslime in den USA nach den Anschlägen 2001.

Mittlerweile werde aber die Türkei zunehmend interessant für arabischsprachige Länder, sagt Martin Schmidt von der Freiburger Erich-Lexer-Klinik. „Die Ärzte dort wurden sehr oft in Deutschland oder den USA ausgebildet und arbeiten auf einem ähnlichen Niveau wie zumindest Deutsche – und gehören dem Islam an“, sagt er.

Deutlich weniger Patienten kamen zuletzt aus Russland. „Die wirtschaftliche und die politische Krise führten zu einem Rückgang von etwa 30 Prozent“, sagt Juszczak. Die Zahlen von Kunden aus dem arabischen Raum seien ebenfalls rückläufig. Auslöser seien unter anderem geschrumpftes Kapital für Behandlungen im Ausland sowie ein Skandal in Stuttgart. Das dortige Klinikum blieb auf Forderungen von 9,4 Millionen Euro sitzen. Hintergrund sind Verträge mit Libyen und Kuwait.

Wenn der Patient seltener zur Klinik kommt, kommt die Klinik zum Patienten: Baden-Württemberg wirbt etwa auf Fachmessen wie der Arab Health in Dubai. Im Februar präsentierten sich dort die Regionen Freiburg, Konstanz, Schwarzwald und Rhein-Neckar. Sie werben nicht nur mit Medizin, sondern auch mit der schönen Landschaft. Gesundheitstouristen sollen, so die Idee, nach einem Eingriff in Deutschland hier noch Urlaub machen.

Dolmetscher sind wichtig

Mancher Kunde aus den Golfstaaten bestehe darauf, von einem Mann oder – falls es eine Frau ist – von einer Ärztin untersucht zu werden, heißt es. Wichtig sind den Kunden zudem Dolmetscher. „Wir haben ein International Office, das sich um die Organisation, Betreuung und Übersetzung kümmert“, sagt Paul-Georg Friedrich-Schmieder von den Kliniken Schmieder in Allensbach am Bodensee.

Dass die Behandlung von Kunden aus dem Ausland zu Nachteilen bei einheimischen Patienten führt, hält Juszczak für unwahrscheinlich. „Bei sehr speziellen Therapien kann es einmal zu Wartezeiten kommen, aber insgesamt ist die Zahl ausländischer Patienten vergleichsweise sehr gering.“ dpa

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16.03.2017, 06:00 Uhr
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