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Begehbares Geschichtsbuch
Historisches Grab auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof. Foto: Uwe Roth
Mit hohem Aufwand verhindern Restauratoren den Zerfall der Hoppenlau-Grabmale

Begehbares Geschichtsbuch

Auf dem Hoppenlaufriedhof retten Restauratoren alte Grabmäler. Doch nicht nur dort bröseln alte Steine. Eine Sanierung wie in Stuttgart ist aber einmalig.

03.08.2016
  • UWE ROTH

Stuttgart. Passanten dient der Hoppenlaufriedhof als Abkürzung raus aus der Innenstadt. Manche nutzen die schattige Grünanlage zwischen der Uni und der Liederhalle zur Mittagspause. Den alten Grabsteinen schenken hingegen die wenigsten Beachtung. Touristen, die auf der Königstraße bummeln, verirren sich selten in die friedliche Großstadtoase zwischen Studentenwohnheim und Vier-Sterne-Hotel.

Dabei ist sie Stuttgarts ältester Friedhof und Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die letzte Erdbestattung liegt lange zurück: 1880 war Schluss damit. Aus dem Friedhof wurde nach und nach ein öffentlicher Park. Einige der historischen Grabsteine sind Kunstwerke. Andere eher schlicht. Gemeinsam ist ihnen, dass der Zahn der Zeit an ihnen nagt, besonders an denen, die aus Sandstein modelliert sind. Die Inschriften sind kaum oder gar nicht mehr lesbar.

Timo John engagiert sich in der Stadtgruppe des Schwäbischen Heimatbunds. Der studierte Kunsthistoriker, der für die CDU im Bezirksbeirat Mitte sitzt, schaute dem langsamen Zerfall der Kulturdenkmäler nicht länger zu und begann, Spenden zu sammeln. „Wir haben uns bereits im März 2012 für die Restaurierung stark gemacht“, sagt er. „Friedhöfe sind begehbare Geschichtsbücher. Die dürfen wir nicht verlieren.“

Rund 1600 Grabsteine sind renovierungsbedürftig. Bei durchschnittlich 1200 Euro Restaurierungskosten je Stein kommt man auf insgesamt 1,5 Millionen Euro. Die Restauratoren sind bis zu drei Tage mit einem Stein beschäftigt. Die volle Kostenübernahme war von der Stadt nicht zu erwarten. Doch der Geschäftsführer der Kreissparkassenstiftung Waiblingen weiß, wie man Geld einsammelt. So hatte er am Ende 350 000 Euro aus dem Bundeshaushalt, 200 000 Euro vom Land, 400 000 Euro von der Denkmalstiftung und 40 000 Euro private Spenden zusammen. Die restliche halbe Million Euro verbleibt bei der Stadt. John nennt ihren Beitrag heute „vorbildhaft“.

Andere Kommunen gehen weniger gezielt gegen den Zerfall ihrer Friedhofsdenkmäler vor. In Ludwigsburg entstand der Alte Friedhof in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter dem Herzog Carl Eugen. Etwa 250 Grabstätten sind auf dem baumreichen Gelände noch zu erkennen, darunter einige pompöse. Industrielle, hohe Beamte und Offiziere haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auch der letzte König von Württemberg, Wilhelm der II., ist hier begraben.

Wie es um den Alten Friedhof steht, wird von der Stadt nur gelegentlich untersucht: „Die letzte Dokumentation erfolgte im Jahr 2005“, teilt eine Sprecherin der Stadt mit und fügt hinzu, „sicherlich gibt sie nicht mehr den heutigen Zustand wieder.“ Insgesamt seien die ältesten Grabmäler aber „weitgehend in einem ordentlichen Zustand“. Tatsächlich sind zahlreiche Steine weitgehend zugewuchert, und die meisten Inschriften verwaschen. Nur noch wenige Gräber werden gepflegt. Sogar das Grab der Königsfamilie ist eher unscheinbar und kostengünstig angelegt. Einen besonderen Etat hat die Stadt nicht. Die Pflege des Alten Friedhofs ist im Gesamtbudget „Grünanlagen“ enthalten.

In Leonberg sind für den Erhalt von Ehrenmalen denkmalgeschützter Grabsteine jährlich 8000 Euro eingestellt. „Der Etat wird bei Bedarf aufgestockt“, so eine Rathaussprecherin. Ehrenmale gibt es auf dem Alten Friedhof der geschichtsträchtigen Stadt reichlich.

„Der Zustand sämtlicher denkmalgeschützter oder kulturhistorisch bedeutender Grabsteine ist seitens der Stadt dokumentiert“, teilt die Sprecherin mit. Eine größere Restaurierungsmaßnahme an der historischen Friedhofsmauer und den denkmalgeschützten Grabsteinen habe in den 1990er Jahren stattgefunden. Seitdem werde bei Bedarf restauriert.

Die ehemalige Reichsstadt Esslingen hat das Problem bröselnder alter Grabstätten überraschender Weise nicht. Die ältesten Friedhöfe sind längst verschwunden. Der heute betriebene Ebershaldenfriedhof in der Innenstadt hingegen ist erst 1843 eröffnet worden. Dort liegt neben dem Jüdischen Grabfeld eine Reihe von Grabstätten, die – sofern sie nicht von den Nachfahren unterhalten werden – von der Stadt gepflegt werden. Nach Angaben der Stadt gibt es im Haushaltsplan für Pflege der Grabstätte und notwendige Instandsetzung der Grabmale einen Etat.

In Waiblingen ist vor Jahren ein Lapidarium am Eingang des Friedhofs eingerichtet worden - allerdings haben nur wenige Steine Platz. Wertvolle Grabsteine werden archiviert, teilt die Stadt mit. Die ungefähr 60 historischen Grabsteine und Skulpturen pflegt die Stadt, wenn sie niemand anders darum kümmert. Das Geld dafür kommt aus dem Etat für die normale Friedhofsunterhaltung.

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03.08.2016, 06:00 Uhr
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