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Neue Nebelkerzen: Ominöser Geldtransfer bleibt ungeklärt

Beckenbauer? Blatter? Louis-Dreyfus oder Schwan?

Noch mehr Fragenzeichen: Mit Worten und Zusammenhängen, die schwer zu begreifen sind, versucht der DFB-Präsident Niersbach, die 2005 an den Weltverband überwiesenen 6,7 Millionen Euro zu erklären.

23.10.2015
  • SID

Frankfurt Mit einer sonderbaren Erklärung für die ominöse Millionen-Zahlung hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in der WM-Affäre die Flucht nach vorne angetreten. Den Auskünften des schwer angeschlagen wirkenden Bosses des Deutschen Fußball-Bundes zufolge waren die im Jahr 2005 an den Weltverband Fifa gezahlten 6,7 Millionen Euro als Rückzahlung eines Darlehens des früheren adidas-Bosses Robert Louis-Dreyfus gedacht, das der inzwischen verstorbene Franzose den Machern der WM 2006 in Deutschland drei Jahre zuvor zur Absicherung eines späteren Zuschusses der Fifa zu den Organisationskosten gewährt und direkt nach Zürich überwiesen haben soll.

"Es ergeben sich Fragezeichen, die sehe ich auch", sagte Niersbach. Kategorisch schloss der 64-Jährige jedoch nochmals jegliche Korruption "in der Operation WM 2006" aus. Auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in der Frankfurter DFB-Zentrale blieb Niersbach Antworten auf nunmehr noch drängenden erscheinenden Fragen häufig schuldig. Als Quelle für seine "gerade erst vor kurzem erhaltenen Informationen" nannte der 64-Jährige außerdem ausschließlich das Gedächtnis von WM-Bewerbungs- und Organisationschef Franz Beckenbauer. Der "Kaiser" soll Niersbach bei einem Besuch des DFB-Chefs am vergangenen Dienstag in Salzburg über die Hintergründe der zumindest ungewöhnlich anmutenden Vorgänge informiert haben. Laut Niersbach ist die Deklarierung der vor zehn Jahren an den Weltverband gezahlten 6,7 Millionen Euro als Zuschuss für das Fifa-Kulturprogramm demnach eine Legende gewesen. Denn angeblich sollte vielmehr Dreyfus auf diesem Weg jenes Geld zurückerhalten, mit dem er den 2002 vermeintlich klammen WM-Machern zur Erfüllung einer dubiosen Fifa-Bedingung für den späteren Zuschuss des Weltverbandes in Höhe von 170 Millionen Euro unter die Arme gegriffen hatte. Niersbach führte aus, dass dieses Darlehen stets in den Bilanzen geführt worden sei, konnte in diesem Zusammenhang jedoch nicht erklären, warum zur Rückzahlung des Kredites eine finanzielle Harakiri-Aktion notwendig gewesen sein soll. "In Finanzfragen war ich nur sehr bedingt eingebunden", sagte der damalige Vizepräsident des WM-Organisationskomitees.

Fragwürdig bleibt jedoch die angebliche Fifa-Forderung nach einer Vorauszahlung für einen späteren Zuschuss. Die Begleichung dieser Forderung soll laut Niersbach der Kollege Beckenbauer in einem Vier-Augen-Gespräch mit Fifa-Chef Joseph Blatter ausgehandelt haben. Zwar hätte Beckenbauer seinen Mitstreitern im offenbar noch nicht mit Eigenmitteln ausgestatteten WM-Komitee angeboten, die deutsche Vorleistung aus seinem Privatvermögen zu leihen, doch soll Beckenbauers mittlerweile ebenfalls verstorbener Berater Robert Schwan sein Veto eingelegt haben. Daraufhin habe Beckenbauer seine Freundschaft zu Dreyfus genutzt.

Nur knapp drei Stunden später ließ die Fifa Zweifel an Niersbachs Version aufkommen. "Es entspricht in keinster Weise den Fifa-Standardprozessen und Richtlinien, dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbands gekoppelt ist", teilte die Fifa mit.

Beckenbauer? Blatter? Louis-Dreyfus oder Schwan?
Gezeichnet von den schweren Vorwürfen und Enthüllungen der vergangenen Tage: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gestern in Frankfurt. Foto: Getty

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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