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Wo die Nobelpreisträgerin singt

Bebenhausen feierte bei klassischer Musik und Vortrag

Eine Nobelpreisträgerin, die Schubert singt, ein archäologischer Vortrag, Violinen-Musik – und das alles vor Klosterkulisse: So feierte Bebenhausen am Samstagabend beim Dorffest.

23.09.2012

Von Madeleine Wegner

Eulen äugen kauzig von der Decke des Sommerrefektoriums. Durch das bunte Glas der hohen schlanken Fenster fallen die letzten Strahlen Abendsonne. Unterdessen herrscht reges Treiben im angrenzenden Kreuzgang des Klosters Bebenhausen: Die letzten Vorbereitungen für den Abend werden getroffen, während die ersten Festbesucher eintreffen.

Dorffest Bebenhausen: Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard singt Schubert-Lieder
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© Wegner 02:21 min

Alle drei Jahre stellt die Kloster- und Schlossverwaltung den Bewohnern Bebenhausens das Sommerrefektorium kostenlos für ein Dorffest zur Verfügung. Während in anderen Dörfern Blaskapellen spielen, Bewohner und Besucher auf Bierbänken sitzen und sich eine Rote schmecken lassen, geht es alle paar Jahre in Bebenhausen so ganz anders zu. Unter dem filigranen Gewölbe des damaligen sommerlichen Speisesaals der Mönche kamen am Samstagabend an langen, weiß gedeckten Tischen die Bewohner des Ortes zusammen. Statt einer Blaskapelle gab es abwechslungsreiche Duo-Stücke, die Violinist Wolfgang Jellinek und Martin Ulrich Fehrenbacher (Flügel) spielten.

Wie die beiden Musiker, so lebt auch Barbara Scholkmann, die Professorin für Archäologie an der Uni Tübingen war, in Bebenhausen. Sie sprach am Samstag unter dem Titel „Pfalzgrafen, Mönche, Einsiedler und Glasbläser“ kurzweilig über archäologische Funde aus dem Kloster Bebenhausen und aus dem angrenzenden Schönbuch. Und noch eine weitere Wissenschaftlerin kam an diesem Abend auf die Bühne. Die Tübinger Professorin Christiane Nüsslein-Volhard hingegen trat nicht in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin auf, sondern als Sängerin. 1995 erhielt sie den Nobelpreis für ihre Forschung über die genetische Steuerung der Embryonalentwicklung. Beim Dorffest in Bebenhausen sang sie zwei Lieder von Franz Schubert – „An die Musik“ und „An Sylvia“.

„Musik ist für mich unglaublich wichtig“, sagt Nüsslein-Volhard. Schon als Kinde habe sie gern und viel Musik gemacht. Sogar eine berufliche Zukunft in der Musik hätte sie sich vorstellen können – nicht singend, sondern auf der Flöte. Doch Biologie war noch faszinierender für sie. „Ich habe mein ganzes berufliches Leben nebenher Musik gemacht“, sagt sie. So hat sie bereits in einem Chor mitgesungen. Gesangsstunden allerdings nimmt die Professorin erst seit fünf Jahren. „Als Ausgleich zum Beruf ist es wunderbar, wenn man seinen Kopf, seinen Geist, seinen Grips mit etwas völlig anderem beschäftigen kann“, sagt Nüsslein-Volhard. Schon beim ersten Dorffest im Sommerrefektorium vor vielen Jahren hatte sie mit einer Freundin zusammen Duette gesungen – damals noch ganz ohne vorherige Gesangsstunden.

Die Nobelpreisträgerin und Tübinger Wissenschaftlerin Christiane Nüsslein-Volhard sang auf dem Dorffest in Bebenhausen zwei Schubert-Lieder. Bild: Faden

Ortsvorsteher Wolfgang G. Wettach bittet mehrmals um Ruhe als Nüsslein-Volhard auf die Bühne kommt. Sie lehnt sich an den Flügel, auf dem sie Pianist und Nachbar Martin Ulrich Fehrenbacher begleitet. Und mit klarer, kräftiger Stimme singt sie die beiden Schubert-Lieder. „Ich genier mich auch ein bisschen, hier aufzutreten“, gesteht Nüsslein-Volhard, „aber ich will den anderen auch nicht die Freude verderben, die haben das gerne, wenn man das macht.“

„Bebenhausen ist ja etwas anderes“, sagt Wettach schmunzelnd mit Blick auf das gesamte Dorffest-Programm. „Dieses Fest spricht andere Menschen an als eine Hocketse. Und heute sind sicher viele da, die sonst nicht gekommen wären.“

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Erstellt:
23. September 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. September 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. September 2012, 12:00 Uhr

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