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Der Ex-Tübinger Thomas Götz schwingt bei den Beatsteaks die Stöcke

Beatsteaks-Drummer Thomas Götz: Am Neckar zur Musik gefunden

STUTTGART (job). An den Beatsteaks kommt derzeit keiner vorbei, der über Rock made in Germany redet. Die fünf Berliner gewannen kürzlich den MTV Europe Music Award als beste deutsche Band (gegen Rammstein, Die Ärzte und Sportfreunde Stiller), die Tournee ist so gut wie ausverkauft. Mit dem TAGBLATT sprach Drummer Thomas Götz nach dem Konzert neulich in Stuttgart. Er lebte in Reutlingen und Tübingen, bevor es ihn nach Berlin zog.

01.01.1970

Und, wie fühlt es sich an, Rockstar zu sein?
GÖTZ: Eigentlich krieg ich davon im Alltag nix mit. Ich werd‘ nicht auf der Straße erkannt, und im Proberaum sind keine Fans. Schön ist: Man kommt umsonst auf Konzerte, man kennt die Veranstalter.
Kannst du mittlerweile davon leben?
Na ja, ich geb‘ auch weiter Trommel-Kurse im Wedding für Kinder aus sozial schwachen Familien. Das heißt, man legt deutschen Gangster-Rap auf und versucht dazu zu trommeln. Das macht Spaß, obwohl die Verhältnisse, aus denen die Kids kommen, echt krass sind.
Die Beatsteaks haben eine eigene Art entwickelt, den Nachwuchs zu fördern. Bei jedem Konzert darf ein Drummer aus dem Publikum bei dem Manowar-Cover „Kings of Metal“ deinen Platz einnehmen und das Stück mitspielen (beim Auftritt im Stuttgarter Longhorn war der Caged Univerz-Drummer Jonathan König aus Tübingen der Auserwählte). Noch nie Angst gehabt, dass dich einer verdrängt?
Manchmal sind sie kurz davor, aber manchmal sind auch echte Nieten dabei, Jan Delay zum Beispiel. Toll war es mit ihm trotzdem.
Was hast du denn aus der Heimat so mitgenommen, was hat dich geprägt?
Meinen Dialekt? (lacht) Aus Reutlingen die Zelle, da hab‘ ich von ‘86 bis ‘89 mitgemacht. Zelle ist Heimat, das ist das Nachhaltigste, was ich mitgenommen hab‘, außer Freunden und meinen Eltern. Da hat man gelernt, ein Bild gekriegt, wie man mit anderen leben will. Ohne Boss halt, was ich glücklicherweise immer noch kann. Das hat mich echt angezeckt.
Und aus deiner Tübinger Zeit?
In der Zelle hab‘ ich gelernt, wie ich leben will, aber nicht, was ich machen will. Dass Musik machen Möglichkeiten eröffnet, hab‘ ich in Tübingen gelernt. Ich hab‘ damals in der Lu 15 gewohnt, und bei den Dead Facts gespielt. Zu denen hab‘ ich auch noch Kontakt, zwei wohnen jetzt auch in Berlin.
Und wie hast du es dann geschafft, dass das alles einfach klappt?
Es hätte für mich mit niemand anderem funktioniert als mit den Beatsteaks. Sie haben mich gefragt, ob ich mitspielen will. Ich hab‘ damals noch bei Church of Confidence gespielt. Zum Vorstellungsgespräch saßen sie alle um einen Tisch in einer spießigen Wohnung. Gespräch kam keins so richtig in Gang, bis wir in den Proberaum gingen und spielten. Musikalisch hat‘s gleich gut geklappt. Ich hab‘ noch nie so musikalische Menschen getroffen.
Ihr seid schon länger von den Ärzten und den Toten Hosen unterstützt worden, im Ärzte-Song „Unrockbar“ namentlich erwähnt. Hat das geholfen?
Geschadet hat es natürlich nicht. Wir laden uns jetzt auch immer Bands die wir mögen als Vorgruppe ein.
Was ist dein Tipp für den Nachwuchs?
Musik machen, um Erfolg zu haben, ist nicht der Weg. Es ist die Liebe zur Musik, die verändert. Lieber einen direkten Ausdruck von dem, was man macht bringen, als sich an was Erfolgreiches angleichen. Die besten Bands sind die, die sich von den anderen unterscheiden.

Beatsteaks-Drummer Thomas Götz: Am Neckar zur Musik gefunden
Punkrock ist eine schweißtreibende Sache: Thomas Götz am Arbeitsplatz.

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01.01.1970, 12:00 Uhr
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