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Der ultimative Poker

Bayern kämpft um Guardiola, doch das klare Bekenntnis des Trainers fehlt

Die Siegesserie der Münchner gerät zur Nebensache, weil sich die Vertragsverhandlungen mit dem renommierten Fußballlehrer schwieriger als erwartet gestalten. Es scheint, als bleibe er höchstens noch ein Jahr.

30.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

München Der Tag für den großen Kassensturz ist in diesem Jahr der 27. November, ein Freitag. Im Audi Dome, der Spielstätte der klubeigenen Basketballer, werden die Vereinsoberen, angeführt von Präsident Karl Hopfner und dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, bei der Mitgliederversammlung schwarz auf weiß und mit kräftigen Worten dokumentieren, dass der FC Bayern sportlich wie wirtschaftlich eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, die rund um den Globus strahlt. Sie werden für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Rekordumsatz präsentieren, der die historische Marke von einer halben Milliarde Euro erneut überschreitet, sowie sportliche Höhepunkte zelebrieren und ehrgeizige Ziele für die Zukunft verkünden.

Frei nach dem Motto: Mia san mia - und die Besten sowieso. Richtig rund wird der Klubabend im roten Dome jedoch nur, wenn bis dahin die wichtigste Personalie erfolgreich geklärt ist: Pep Guardiola. Das Rätselraten um die Zukunft des Cheftrainers sorgt im Umfeld, aber auch in der Chefetage des Rekordmeisters bereits seit Wochen für Unruhe. Wird Guardiola seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern? Oder geht er? Jede Frage, jede Geste wird von Tag zu Tag intensiver interpretiert. Das nach außen zur Schau gestellte Desinteresse des Trainers in dieser für ihn eigentlich bedeutenden Angelegenheit heizt die Spekulationen weiter an.

"Das Thema langweilt mich", sagt Guardiola jedem, der ihn darauf anspricht. Zuletzt wirkte er genervt. Er wollte über das Pokalspiel in Wolfsburg reden und keinesfalls über den Vertrag. Auch das Gastspiel in der Bundesliga heute Abend bei Eintracht Frankfurt interessiert ihn mehr als das klare Wort für oder wider die Bayern. Der Katalane bestimmt in den Verhandlungen offensichtlich den Rhythmus - weil er viele Trümpfe in der Hand hält. Im globalen Fußballgeschäft gilt er als einer der anerkanntesten und begehrtesten Trainer. Guardiola steht für Erfolg, die Spielkultur der modernen Art und auch als Persönlichkeit für den Auftritt der Weltklasse. Er hat die freie Auswahl: Manchester City, Chelsea oder St. Germain - die Spitzenklubs mit Anspruch reißen sich um ihn.

In der auf und neben dem Rasen interkontinental angelegten Geschäftsstrategie der Münchner spielt der Trainer eine Schlüsselrolle. Rummenigge und die Kollegen aus dem Klubvorstand würden ihn gerne langfristig binden. Doch Guardiola, so dringt es aus der Klubzentrale an der Säbener Straße, ist - wenn überhaupt - allenfalls gewillt, um ein Jahr zu verlängern. Und danach: auf zu neuen Ufern. In Barcelona, bei seinem Heimatklub, machte er es genauso.

Die emotionale Note ist im Handeln dieses Trainers ein entscheidender Faktor. Aller Akribie, Philosophie und Professionalität zum Trotz pflegt er an der Seitenlinie mitunter taktische Finten, die sich selbst dem Kenner erst im Verlauf einer Partie erschließen. Das Heimspiel zuletzt gegen Köln mit fünf hochkarätigen Angreifern und dem ebenso stürmischen Abräumer Arturo Vidal anzugehen, wirkte anfangs wie ein Anflug von Übermut. Am Ende triumphierten die Bayern 4:0 und Guardiola wurde als Meister des genialen Schachzugs gepriesen.

In den laufenden Verhandlungen ist der Startrainer gut beraten, das Spiel keinesfalls zu weit zu treiben. Wird ihre Geduld zu arg strapaziert, reagieren die Bayern-Bosse eiskalt. Der Letzte, der sie zur Weißglut trieb, war Michael Ballack. Im Herbst 2005 pokerte der Nationalspieler um einen neuen Vertrag. Weil er gleichzeitig mit Real Madrid und Chelsea verhandelt hatte, zogen sie ihr Angebot zurück - auf der Jahreshauptversammlung. Rummenigge verkündete den spektakulären Schritt mit breiter Brust und fester Stimme, die Mitglieder applaudierten. Obwohl er noch das Double mit den Triumphen in Bundesliga und Pokal holen sollte: Ballack war fortan keiner mehr der ihren.

Bayern kämpft um Guardiola, doch das klare Bekenntnis des Trainers fehlt
Seit 1. Juli 2013 in Diensten des FC Bayern: Pep Guardiola - sein Vertrag läuft bis 30. Juni 2016. Foto: dpa

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30.10.2015, 12:00 Uhr
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