Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Freistaat

Bayern-Wahl: Spannend wie selten

Nach Umfragen ist die CSU-Mehrheit im Landtag akut gefährdet. Ein Bündnis mit den Grünen scheint ziemlich unwahrscheinlich. Eher regiert Markus Söder wohl mit den Freien Wählern.

08.08.2018

Von PATRICK GUYTON

Sammelt derzeit viele Sympathiepunkte: Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der Grünen. Foto: Andreas Gebert/dpa

München. In der CSU heißt sie martialisch die „Mutter aller Schlachten“ – die bayerische Landtagswahl, bei der es immer auch um das Schicksal der Christsozialen als solche geht, um ihren Quasi-Alleinvertretungsanspruch für den Freistaat. In neuneinhalb Wochen wird es spannend wie selten zuvor, denn die absolute CSU-Mehrheit ist akut gefährdet. Die Flüchtlingspolitik und die verbalen Rüpeleien, der Dauerstreit mit Kanzlerin Angela Merkel, die internen Machtkämpfe haben die Partei in Umfragen auf 38 bis 39 Prozent absinken lassen.

Was ist denkbar in Bayern – und was eher nicht? Die Verteidigung der absoluten CSU-Mehrheit wird immer unwahrscheinlicher. Sie ist aber nicht ganz so weit entfernt, wie es die Umfragen Glauben machen. Bei bayerischen Landtagswahlen sind meist acht und mehr Prozent der Stimmen nicht im Landtag vertreten: Die Linke dürfte es nicht schaffen, auf weitere Sonstige entfallen zudem einige Prozent. Darunter finden sich die konservativ-ökologische ÖDP sowie die monarchistische Bayernpartei. Bei der Wahl 2013 erhielten sie je zwei Prozent. Werden aber lediglich 92 Prozent der Stimmen im Parlament abgebildet, liegt die absolute Mehrheit bei nur noch 46 Prozent. Würde zudem die FDP mit knapp fünf Prozent den Einzug verfehlen, bräuchte die CSU knapp 44 Prozent für die Verteidigung der alleinigen Macht.

Mit voraussichtlich sechs Parteien im Maximilianeum – CSU, SPD, Grüne, Freie Wähler (FW), FDP und AfD – wird es unübersichtlich. Die AfD wird von allen rechts liegen gelassen. Als künftige Oppositionsführer gelten die Grünen mit ihrem Spitzenduo aus Katharina Schulze und Ludwig Hartmann. Vor allem die 33-jährige Schulze gewinnt durch Fleiß und eine frische, jugendlich wirkende Art viel Sympathie. Die „Katha“, wie sie genannt wird, haut der CSU in Parlamentsdebatten einiges um die Ohren, auf Demos ist sie präsent, die jüngste „#ausgehetzt“-Kundgebung hat sie maßgeblich mitorganisiert.

Schulze wurde schon beschrieben als „Die Frau, die die SPD zerstört“. Tatsächlich geht es bei den Sozialdemokraten weiter bergab, vor allem seit dem Eintritt in die Berliner Regierungskoalition. Da kann auch die Spitzenfrau und Landeschefin Natascha Kohnen nichts ändern. Sie ist kundig, ruhig, wirkt verbindlich. Ein Anti-Söder-Typ.

Satte 42 Prozent der Bayern wünschen sich eine Koalition aus CSU und Grünen. Offenbar sind viele Bürger der Überzeugung, dass beide Parteien ihre Vorzüge haben und wollen diese vereint sehen. Anderswo ist das auf Länderebene möglich – in Bayern ticken die Uhren aber weiterhin anders. Mit Ausnahme der AfD bilden CSU und Grüne die größten gesellschaftlich-kulturellen Gegensätze. Markus Söder sieht seit jeher das konservativ-bürgerliche Lager auf der einen und das links-ökologische auf der anderen. Ihn interessieren die insgesamt 30 Prozent „linken“ Stimmen nicht, er will die CSU als unumstrittene Nummer eins bei den anderen 70 Prozent behaupten. Andersherum sind die Christsozialen bedeutendster und nahezu alleiniger Gegner der Grünen. Schwarz-Grün ist in Bayern also extrem unwahrscheinlich.

Mit der SPD könnte Söder noch eher regieren. Doch ist diese Aussicht alles andere als prickelnd: Die Sozialdemokraten gelten als Verlierer. Diese könnten sich in Verhandlungen und in einer Koalition quengelnd verhalten und womöglich alle möglichen Ansprüche stellen. „Am besten, wir machen es allein“, hat Söder vor kurzem gesagt. Auch von der FDP hält er nicht viel. Söder nimmt die weitgehend unbekannte neue Liberalen-Truppe nicht richtig ernst, zudem hält er die FDP für unzuverlässig, weil sie bei den Berliner Jamaika-Verhandlungen ausgestiegen ist. Auch bleibt fraglich, ob es für Schwarz-Gelb in Bayern überhaupt reicht.

Als wahrscheinlichstes Szenario erscheint eine Koalition aus CSU und FW. Deren Spitzenmann Hubert Aiwanger drängt es schon lange in die Regierung. Auch profitieren die FW von den CSU-Verlusten. Verfehlen CSU und FW aber eine Mehrheit, wird es ganz schwierig. Wenn mit FW, FDP, Grünen oder SPD über ein Dreier-Bündnis verhandelt werden müsste, würde dies für die CSU eine tiefe Krise bedeuten. Politisch dürfte Markus Söder das kaum überleben.

Zum Artikel

Erstellt:
8. August 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+